LL Cool J

LL Cool J





"Den Schlag in die Magengrube überlasse ich anderen"

Immer wieder sind und drängen die Helden des HipHop ins Filmbusiness. Wirklich gehalten haben sich dort jedoch nur wenige. Anders James Todd Smith, besser bekannt als LL Cool J. Als Schauspieler hat er in Blockbustern wie "3 Engel für Charlie" oder "S.W.A.T. - Die Spezialeinheit" gespielt. Inzwischen ist der 46-Jährige Serienheld und neben Chris O'Donnell das Gesicht der Erfolgsreihe "Navy CIS: L.A.". Der Ableger von "Navy CIS", immerhin die meistgesehene Dramaserie der Welt, geht im Herbst im US-TV in eine neue sechste Staffel. Wenn es nach LL Cool J geht, dürfen gerne noch weitere folgen, wie er bei einer Audienz am Serien-Set in Los Angeles verrät.

teleschau: Seit mehr als fünf Jahren "ermitteln" Sie gemeinsam mit Chris O'Donnell in der Serie "Navy CIS: L.A.". Nutzt sich eine Partnerschaft nicht irgendwann ab?

LL Cool J: Sie dürfen das ruhig glauben: Wir verstehen uns immer noch sehr gut - am Set wie auch privat. Das liegt wohl daran, dass wir beide die Dinge nicht zu ernst nehmen und über Fehler lachen, gerne auch über die eigenen.

teleschau: Im Herbst geht die Serie im US-TV ins sechste Jahr. Im schnelllebigen TV-Geschäft ist das eine Ewigkeit.

LL Cool J: Sechs Jahre! Ja, das klingt tatsächlich nach einer sehr langen Zeit. Nur fühlt sie sich nicht so an. Bei den Dreharbeiten entdecke ich noch immer Neues. Das Team arbeitet so motiviert wie am ersten Tag.

teleschau: "Navy CIS: L.A." ist ein Ableger von "Navy CIS". Die Serie mit Mark Harmon geht sogar in ein zwölftes Jahr. Wollen Sie ebenso lange "ermitteln"?

LL Cool J: So lange die Zuschauer einschalten und uns sehen wollen, wird es die Serie geben. Unsere Aufgabe ist es, motiviert weiterzuarbeiten und gute Geschichten zu erzählen. Wie lange das letztendlich noch ankommen wird, weiß ich nicht. Das entscheidet der Zuschauer.

teleschau: Besteht als Serien-Darsteller, der jahrelang ein- und denselben Charakter spielt, nicht die Gefahr, dass sich gewisse Dinge einschleifen und zur Routine werden?

LL Cool J: Anders als in einem normalen Beruf haben Schauspieler zwei Leben - mindestens! Wenn ich zur Arbeit fahre, bin ich wenige Minuten später möglicherweise ein Superheld. Oder eben ein Special Agent. Für die Serie zum Beispiel besuchen wir auch die Übungen echter Sondereinheiten oder der Marines. Was diese Jungs leisten, wie sie ihr Leben für eine Berufung aufs Spiel setzen, ist unglaublich. Genau diese Einstellung wollen wir den Zuschauern vermitteln. Und das ist immer wieder eine Herausforderung. Von Routine kann keine Rede sein.

teleschau: Oder andersherum - wenn Sie tagsüber immer einen Special Agent spielen, löst der private LL Cool J abends im Traum vielleicht selbst Fälle?

LL Cool J: Meinen Beruf nehme ich eigentlich nicht mit ins Bett. Aber an der Frage ist etwas dran. Durch die Rolle habe ich Einblick in die Arbeit echter Spezialeinheiten erhalten. Und da bleibt schon etwas hängen. Ich bin aufmerksamer geworden und beobachte meine Umgebung inzwischen mit einem wachsameren Auge.

teleschau: Wie viele der Stunts übernehmen Sie am Set selbst?

LL Cool J: So viel wie möglich machen wir selbst. Dadurch wirkt eine Actionszene später authentischer und glaubwürdiger. Auch wenn ich unsere Stuntjungs bestimmt nicht auftragslos machen will, bei rund 90 Prozent der Stunts sind wir selbst beteiligt. Aber ... Nun ja, wenn mir ein Esel mit den Hinterbeinen in die Magengrube treten soll, dann überlasse ich das doch lieber einem anderen.

teleschau: Sie erreichen in den USA mit der Serie seit Jahren ein beachtliches Millionenpublikum. Bei den wichtigsten TV-Awards gehen Sie aber leer aus. Ist das fair?

LL Cool J: Die ambitionierten Kabel-Programme haben ganz andere Möglichkeiten als wir im frei empfangbaren Fernsehen - sowohl zeitlich als auch finanziell. Beides lässt sich nur schwer vergleichen. Wir aber erreichen mit der Serie immer noch 15 Millionen Zuschauer und mehr. Andere können da nicht mithalten. Diese riesengroße Zuschauergunst ist bereits eine Auszeichnung. Allerdings müsste ich lügen, wenn ich behaupte, ich würde nicht gerne für einen Emmy nominiert werden.

teleschau: HipHop oder "Navy CIS: L.A.": Was ist Ihnen wichtiger?

LL Cool J: Mein Hauptaugenmerk liegt auf der Serie. Ich habe dafür unterschrieben und stehe auch hundertprozentig dahinter. Genau das erwartet das Team auch von mir.

teleschau: Und dennoch haben Sie erst 2013 ein neues Album herausgebracht - nach fünf Jahren Pause, in denen von Ihnen kaum etwas zu hören war.

LL Cool J: HipHop wird immer wichtig bleiben. Nur brauche ich HipHop heute nicht mehr, um Geld zu verdienen. Dafür bekomme ich als Schauspieler genug. Und dass von mir kaum mehr etwas zu hören war, stimmt nicht. Ich habe immer noch Live-Auftritte, beispielsweise bei Festivals. Im September bin ich mit Salt-N-Pepa unterwegs. Und erst im vergangenen Jahr gab es eine Sommertour mit Ice Cube, Public Enemy und De La Soul.

teleschau: Was meint der "Altmeister": Wo steht der HipHop?

LL Cool J: Er ist immer in Bewegung. Anders als beim Rock'n'Roll, der seine frühen Helden gerne zelebriert, treten beim HipHop immer wieder neue Talente in den Vordergrund. Und das ist gut so. Draußen gibt es zu viel gute Musik. Ich persönlich freue mich allerdings schon, wenn ich mal wieder Ice Cube, Dre oder Snoop Dogg im Radio höre. Die werden kaum noch gespielt.

Quelle: teleschau - der mediendienst