Steffen Wink

Steffen Wink





Geschmack auf dem Teller, Stil im Auftritt

Nun also Fleisch. Nachdem der Schauspieler Steffen Wink über viele Jahre am Theater, im TV und im Kino zu sehen war, nicht selten an der Seite von Stars wie Til Schweiger ("Barfuss", "Kokowääh 2"), Götz George ("Schimanski") und Gérard Depardieu ("Les Misérables"), moderiert er nun die Fernsehsendung "Beef! - Das TV-Magazin für Männer mit Geschmack" bei RTL Nitro. Dabei geht es vor allem um eines: ums Grillen. Was ist das beste Fleisch? Wo gibt's die besten Rinder? Wie grille ich die besten Steaks? Welches Bier schmeckt dazu am besten? Alles Fragen, denen Wink jetzt auf den Grund geht. Die Pilotfolge wird am Thementag mit dem Titel "RTL Nitro Fleischtag - Geschmackvoll fernsehen" am Samstag, 16. August, 19.40 Uhr, ausgestrahlt. Im Interview spricht der 47-Jährige zuvor über das, was er persönlich männlich und geschmackvoll findet, was ihn selbst als Mann auszeichnet - und was Fleisch damit zu tun hat.

teleschau: Herr Wink, wie definieren Sie den Begriff "männlich"?

Steffen Wink: Männlich ist in meinen Augen, seinen eigenen Stil zu entwickeln. Eine Klarheit zu besitzen. Und die Reduktion der Dinge.

teleschau: Welche Dinge meinen Sie?

Wink: Zum Beispiel Schuhe und Kleidung. Ich habe nur zwei paar Schuhe, trage immer eine bestimmte Jeans und dazu ein T-Shirt. Mein Kleiderschrank ist sehr überschaubar. Auch die Badutensilien sind schnell in meine kleine Reisetasche gepackt. Ich habe nur eine Zahnbürste, Rasierschaum- und wasser, Kopfschmerztabletten - das war's.

teleschau: Klingt, als fänden Sie sich selbst sehr männlich.

Wink: Absolut. Wobei ich auch eine sehr empfindsame Seite habe, und das nicht nur als Schauspieler. Während viele Männer eher Rationalisten sind, bin ich eher bauchgesteuert.

teleschau: Hatten Sie schon immer diese beiden Seiten: die männliche und die empfindsame?

Wink: Ja, durchaus, aber es gab auch Phasen, in denen die eine Seite mehr entwickelt und gepflegt werden musste als die andere.

teleschau: In welcher Phase haben Sie denn Ihre Empfindsamkeit entdeckt?

Wink: Zum Beispiel in der Zeit, als ich damals auf die Schauspielschule kam und plötzlich bestimmte Dinge einfach mal zu- und an mich heranlassen musste. Ich konnte manches nicht mehr verdrängen, sondern musste es direkt äußern.

teleschau: Und wann wurden Sie zum Mann?

Wink: Als ich älter wurde. Als ich noch Mitte 20 war, hatte ich nur den Wunsch nach Männlichkeit und habe deshalb auch versucht, mich ganz betont maskulin zu geben. Ich wollte einfach besonders cool und hart sein. Attribute, die ich damals allerdings noch nicht wirklich gelebt habe. Mit Mitte 30 wurde ich schon sehr viel entspannter, was all das anging, und ich war einfach nur ich selbst. Diese neue Lässigkeit hat vielleicht auch eine gewisse Männlichkeit ausgemacht.

teleschau: Haben Sie sich vielleicht auch in den Phasen besonders männlich gefühlt, in denen Sie besonders erfolgreich waren?

Wink: Ja, klar. Erfolg gibt einem immer Selbstvertrauen. Erfolg ist eine Bestätigung, die wiederum dazu führt, dass man zum Beispiel Berührungsängste mit großen Stars ablegt, weil man denkt: Ich kann das auch!

teleschau: Mit Schimanski, Schweiger und Depardieu haben Sie dann auch mit einigen augenscheinlich sehr männlichen Kollegen gespielt.

Wink: Auf jeden Fall, das hat mich sicherlich auch geprägt. Aber auch privat gab es Dinge, die herausstachen. Ich denke da zum Beispiel an meine Motorradtour im Jahr 2000, als ich alleine quer durch Amerika fuhr und meistens einfach am Straßenrand schlief.

teleschau: Wie muss man sich das vorstellen?

Wink: Ich habe irgendwann angehalten, ein Lagerfeuer gemacht und daneben gepennt. Einige fragten mich, ob ich mit einer Waffe reise und klopften mir anerkennend auf die Schulter geklopft, als ich das verneinte.

teleschau: Keine Angst gehabt?

Wink: Angst habe ich grundsätzlich wenig bis gar keine. Ich bin kein ängstlicher Mensch. Aber auch kein unvorsichtiger.

teleschau: Hat Sie Ihre Furchtlosigkeit schon mal in Schwierigkeiten gebracht?

Wink: In diesem Jahr war ich für Dreharbeiten in Manila auf den Philippinen. Dort bin ich überfallen worden, was ganz interessant war. Als derjenige, der mich überfallen hat, mir plötzlich ein Messer an den Hals hielt, war ich ganz ruhig. Wie ein stiller Beobachter des Ganzen. Ich habe ihm mein Geld gegeben, und als er mehr wollte und nur kurz das Messer beiseite gelegt hat, habe ich ihm eine reingehauen. Ich habe ihn mit dem Ellenbogen einfach ausgeknockt und bin mit meinen Sachen weggelaufen.

teleschau: Klingt heldenhaft.

Wink: Naja, in erster Linie war es sehr dumm von mir, mich auf diesen Typen einzulassen. Irgendwie habe ich schon alles so kommen sehen. Ich habe geahnt, dass es auf einen Überfall hinauslaufen würde. Aber ich war einfach neugierig und suchte das Abenteuer.

teleschau: Definitionsfrage Nummer zwei: Wann ist ein Mann nicht nur männlich, sondern hat auch noch Geschmack?

Wink: Ich persönlich finde die Klassiker sehr geschmackvoll: Motorradstiefel, Levi's 501, Lederjacke.

teleschau: Also der Marlboro-Mann?

Wink: Ja, aber ohne Cowboyhut.

teleschau: Muss ein Mann eigentlich ein Fleischesser sein, um für Sie männlich und geschmackvoll zu sein?

Wink: Nein, überhaupt nicht. Fleisch zu essen, ist nicht männlich. Klar, wenn ein Grillfest ansteht, denken Männer meistens eher ans Fleisch und Frauen vielleicht an Salate. Aber Vegetarier können genauso richtige Männer sein wie Fleischesser.

teleschau: Was zeichnet einen guten Fleischesser aus?

Wink: Dass er auf Qualität achtet. Ich bin zum Beispiel ein leidenschaftlicher Fleischesser, würde aber niemals ein Produkt aus der Massentierhaltung kaufen. Ich leiste es mir lieber einmal die Woche, ein Dry Aged Beef vom Metzger meines Vertrauens zu holen und es dann selbst zuzubereiten. Ich kaufe Fleisch, von dem ich weiß, dass es von den Rindern auf der Weide nebenan kommt, die nach Möglichkeit ökologisch und artgerecht aufgewachsen sind.

teleschau: Sie essen also am liebsten Fleisch von Tieren, die Sie kennen?

Wink: Ja. Ich finde sogar: Wenn man Fleischesser ist, muss man in der Lage sein, das eigene Tier zu töten, es auszunehmen und zu häuten.

teleschau: Schon mal gemacht?

Wink: Ja. 2005 und 2006 war ich für einige Monate in Australien, da schoss ich mit einem Freund zusammen ein Känguru im Outback. Das haben wir später auch selbst geräuchert und auf den Grill geworfen.

teleschau: Jagen Sie öfter?

Wink: Nein, daran habe ich kein Interesse.

teleschau: Aber am Grillen.

Wink: Ja, wobei ich das auch nicht so oft mache. Als ich noch in den Chiemgauer Alpen wohnte, warf ich öfter mal den Grill an. Jetzt, da wir mit der Familie wieder in der Stadt wohnen, fahren wir nur ab und an mal mit dem VW-Bus raus und grillen unter freiem Himmel.

teleschau: Wie muss man sich so ein Grillfest bei Ihnen vorstellen? Was ist alles auf dem Tisch?

Wink: Schöne, dicke Steaks, etwa zwei Finger breit. Die werden gut gewürzt und von beiden Seiten angebraten - von Marinaden halte ich nicht viel, höchstens bei einer langweiligen Pute. Gutes Fleisch hat genug Eigengeschmack. Dazu einen Salat, gerne Avokado und Schafskäse, vielleicht noch ein paar Kartoffeln.

teleschau: Und was wird getrunken?

Wink: Ein schöner Rotwein oder, zum Durstlöschen, ein klares, herbes Bier.

Quelle: teleschau - der mediendienst