Jörg Pilawa

Jörg Pilawa





Mach dich locker, Onkel

Er hat die gerade im Fernsehbetrieb immer seltener werdende Gabe, sich selbst nicht allzu wichtig zu nehmen: Jörg Pilawa, die neue alte Familiensendungs-Allzweckwaffe ist zwar erst 48 Jahre alt, hat aber kein Problem damit, den "Quizonkel" der Nation zu spielen. Dieser Rolle wird er - mit einem Augenzwinkern - auch in der neuen Sommerreihe gerecht: Für die ARD darf er sich in drei neuen Quizshows ausprobieren. Mit "Dein Einsatz, Promi!" am 21. August, "Schlag den Millionär" am 28. August sowie "Die 8 Stufen" am 4. September ist Pilawa an drei Donnerstagen, jeweils um 20.15 Uhr, an der Reihe. Die Shows werden von seiner eigenen Produktionsfirma Herr P. erstellt. Im nächsten Jahr kehrt er dann ins ARD-Vorabendprogramm zurück - ausgerechnet mit dem "Quizduell", mit dem er wegen technischer Probleme beim Testlauf im Mai fast eine Komplett-Bauchlandung hingelegt hätte. Aber selbst dieses Desaster nahm Pilawa - womit wohl? - mit Humor.

teleschau: Herr Pilawa, die neue Reihe heißt "Quizonkel.tv". War das Ihre Idee?

Jörg Pilawa: Ich sehe meine Rolle natürlich mit einem Augenzwinkern. Deswegen stammt der Name auch von mir. Als ich ihn ins Spiel brachte, dachten alle zuerst, ich meine damit einen Arbeitstitel. Aber nein: Ich wollte "Quizonkel.tv" als Sendungsnamen haben. Wenn man über 2.000 Quiz-Sendungen gemacht hat, dann ist man schon ein Quizonkel.

teleschau: Jetzt kokettieren Sie aber.

Pilawa: Ich sehe das mit Humor - gerade nach den Erfahrungen mit dem anfänglich chaotischen "Quizduell", das mir im Rückblick aber viel Spaß gemacht hat. Meine drei neuen Sommer-Quizshows so zu nennen, war ein expliziter Wunsch von mir. Und es war gar nicht so einfach, die Senderseite davon zu überzeugen.

teleschau: Über das "Quizduell" hat sich während der schlimmen Pannen mit der App gefühlt die halbe Nation den Mund zerrissen. Trotzdem war's für Sie eine tolle Erfahrung?

Pilawa: Was sich für die gesamte Branche als wichtige Erkenntnis ergeben hat: Durch die ja nicht geplanten Pannen merkte man erst mal wieder, wie glatt und steril in den letzten Jahren viele Fernsehsendungen geworden sind. Das liegt an der industriellen Produktionsweise, die wir uns nun mal angewöhnt haben. Es ist zuletzt ja nichts mehr passiert. Und wenn Fehler passierten, wurden sie rausgeschnitten. Tatsächlich geschieht aber eigentlich bei jeder Aufzeichnung irgendwas - mal fällt ein Scheinwerfer aus, dann wackelt die Kamera. Normalerweise ruft die Regie aber "Stopp", dann macht man alles noch einmal und schneidet das Ergebnis so, dass kein Zuschauer jemals etwas von den kleinen Pannen mitbekommt.

teleschau: Beim live ausgestrahlten "Quizduell" war das anders.

Pilawa: In der Tat. Dass wir die Pannen zugelassen haben, war aber richtig. Sie mahnen uns, dass wir aufpassen müssen: Wir dürfen nicht unsere Zuschauer dadurch in die Langeweile treiben, dass alles immer perfekt und ruckelfrei über die Bühne geht. Das ist auch ein bisschen mein Ansatz bei "Quizonkel.tv". Wir haben uns mal drei Formate vorgenommen, die ganz anders sind und bei denen wir auch nicht wissen, wie sie über die Bühne gehen werden.

teleschau: Inwiefern?

Pilawa: Bei "Dein Einsatz, Promi!" etwa müssen bekannte Persönlichkeiten für den Quizeinsatz ihr eigenes Geld mitbringen. Wir wissen, dass nur einer der acht Mitspieler gewinnen wird, um die gesamte Kohle für einen guten Zweck zu spenden. Ob das so glatt und friedlich funktionieren wird, kann ich noch nicht absehen. Wir trauen uns das einfach mal.

teleschau: Spekulieren Sie darauf, dass den einen oder anderen sein Einsatz letztlich doch ein wenig wurmt?

Pilawa: Ein Spiel ums eigenes Geld ist eben doch ein wenig anders. Am Ende des Tages ist es wie Pokern. Man hat die Chance, ganz viel zu gewinnen - aber auch das Risiko, ganz viel zu verlieren. Mich reizt das, einfach mal mitzuerleben, wie spannend so ein Prozess ablaufen wird.

teleschau: Die Shows wurden von Ihnen und Ihrer Produktionsfirma mitentwickelt. Wie kommen Sie eigentlich auf solche Ideen?

Pilawa: Wir sitzen natürlich viel zusammen und spielen uns in Kreativ-Workshops die Bälle zu. Mit einigen meiner Mitarbeiter mache ich das nun schon seit 12 bis 15 Jahren - und der Austausch klappt immer wieder bestens. Gemeinsam haben wir deutschlandweit wohl die größte Kompetenz im Quiz-Bereich. Normalerweise schauen wir uns auch viel aus dem Ausland an. Diese Idee kam allerdings einem meiner Kollegen, als er mal wieder an einer dieser Poker-Partien im Fernsehen hängengeblieben war. Irgendwann ist die Idee fertig ausgebrütet, wir stellen sie dem Sender vor - und freuen uns, wenn sie einfach mal eine Chance bekommt. Manchmal dauert es allerdings viele Monate von einer ersten Idee bis hin zum fertigen Sendekonzept.

teleschau: Die Show lebt davon, dass Prominente bereit sind, sich selbst finanziell aus dem Fenster zu lehnen. Laufen Sie nicht Gefahr, dass der eine oder andere aus Ihrem Netzwerk an Bekannten und Freunden nach einem Totalverlust künftig nicht mehr abhebt, wenn "Pilawa" im Telefon-Display steht?

Pilawa: (lacht) Das Risiko gehe ich gerne ein. Unterm Strich machen wir aber Unterhaltung. Die Zuschauer sollen ihren Spaß haben - und die Beteiligten auch. Wer mit einer gewissen Geldsumme kommt und sich dann fürchterlich ärgert, wenn sie später weg ist, der hat den Sinn des Spiels nicht ganz verstanden. Oder ich hab's ihnen nicht richtig erklärt. Wer mitmachen wird, weiß schon, worauf er sich einlässt.

teleschau: Beim "Quizduell" konnte man verfolgen, wie elegant Sie sich aus den Pannen-Situationen herausmanövrierten. Haben Sie für die neuen Shows die Sicherungen im Studio vorsichtshalber noch einmal vorher ein wenig gelockert?

Pilawa: Wir dürfen jetzt nicht vor jeder Sendung Stoßgebete gen Himmel schicken, dass doch bitte eine Panne passiert. Aber ich habe allen gesagt, dass wir Zwischenfälle künftig nicht einfach ausblenden sollten. Wenn mal ein Scheinwerfer ausfällt, dann sollte das für die Zuschauer eben sichtbar gemacht werden. Das müssen wir uns wieder trauen.

teleschau: Ungewöhnlicher Mut.

Pilawa: Wir sind doch zum Glück nicht perfekt. Wenn man die Leute nach ihren beliebtesten Fernseherlebnissen fragt, landet man recht schnell beim zusammengebrochenen Fußball-Tor, über das sich Marcel Reif und Günther Jauch unterhalten mussten, bei Versprechern bei der "Tagesschau" oder eben bei den Momente in der "NDR Talkshow", in denen mal wieder ein Zuschauer aus dem Publikum ins Bild lief. So was kann man nicht planen. Aber wenn es passiert, muss man es zulassen. Aber wir sollten nicht traurig sein über eine Sendung, die sauber läuft. Auch die kann sehr schön sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst