Daniel Fehlow

Daniel Fehlow





Ein halbes Leben als Leon Moreno

Sie ist Deutschlands erfolgreichste Daily-Soap und zieht tagtäglich Millionen Zuschauer vor die Fernseher: "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" läuft seit 1992 im Vorabendprogramm von RTL (montags bis freitags, um 19.40 Uhr). Jetzt feiert die Soap wieder mal Jubiläum: Am Montag, 11. August, flimmert die 5.555. Folge über die Bildschirme. In der Jubiläumsfolge ist natürlich auch Daniel Fehlow mit von der Partie. Fast sein halbes Leben hat der 39-Jährige inzwischen der Rolle des Leon Moreno gewidmet. Seit 18 Jahren mimt Fehlow am "GZSZ"-Kiez den Koch und ehemaligen Teilhaber des "Mauerwerks", eines Berliner Restaurants und Clubs, in dem sich immer wieder illustre Gäste aus der echten internationalen Musikszene die Ehre geben - jüngst war US-Popstar Anastacia zu Gast. Die Serie erreicht immer noch Quoten, von denen Vorabendserien wie die gerade abgesetzte UFA-Produktionsschwester "Verbotene Liebe" nur träumen können. Daniel Fehlow nimmt den Erfolg von "GZSZ" gelassen. Ob er in der 6.666. Folge auch noch mit dabei sein wird, weiß er nicht. Aber dagegen hätte er nichts, wie er im Interview verrät.

teleschau: Herzlichen Glückwunsch zur 5.555. Folge. Haben Sie bereits beim Drehen mit der Crew aufs Jubiläum angestoßen?

Fehlow: Nein. Wir werden das nachholen, wenn wir alle gemeinsam auf dem Gelände vom Filmpark Babelsberg die Jubiläumsfolge anschauen.

teleschau: RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger freut sich schon auf die 6.666. Folge von "GZSZ". Haben Sie vor, dann noch mit dabei zu sein?

Fehlow: Ich hätte nichts dagegen. Ich mache das jetzt seit so vielen Jahren mit Pausen, habe den Job lieben und leben gelernt.

teleschau: Sie gehen auf die 40 zu, sind seit 18 Jahren bei "GZSZ". Also fast die Hälfte Ihres Lebens. Nach Wolfgang Bahro, der Fiesling Jo Gerner spielt, sind Sie der dienstälteste noch amtierende Schauspieler ...

Fehlow: (lacht) Genau, Wolfgang Bahro ist der Silberrücken, und ich bin der Alte Hase. Aber seit ein paar Jahren handele ich mir Verträge mit Produktionspausen aus. Zwei Monate im Jahr gehe ich komplett aus der Sendung raus. Ich habe einfach gemerkt, dass ich das Leben da draußen mal wieder ein bisschen ankurbeln und genießen muss - mein Privatleben. Es gibt ja noch was anderes als jeden Tag "GZSZ"!

teleschau: Haben Sie je drüber nachgedacht, ganz auszusteigen?

Fehlow: Das stand häufig zur Debatte - ist aber ganz normal, denke ich, wenn man über so viele Jahre ein- und denselben Job macht. Da entwickelt man Routine und fragt sich: Gibt mir das noch den Kick? Macht mir das noch Freude, oder ist mir nicht schon längst langweilig? Diese Gedanken kommen immer wieder.

teleschau: Sie waren früher nicht nur an der Schauspielerei interessiert, spielten in Bands und hatten sich sogar mal überlegt, Medizin zu studieren.

Fehlow: Ja, aber ich stellte relativ schnell fest, dass mir die Schauspielerei wirklich Spaß macht. Wenn einem eine Sache im Leben Spaß macht und wenn das Team nett ist und man eigentlich rundum glücklich und zufrieden ist, warum dann nicht diesen Weg gehen? Aber mich interessieren viele Dinge. Musik war lange vor "Gute Zeiten" - ich war zehn Jahre lang als Schlagzeuger in Bands aktiv. Für die Rolle des Leon Moreno gab ich meine Band Concrete auf. Wir standen damals vor der Entscheidung: Entweder wir machen das mit der Band professionell oder gar nicht. Unser Sänger ist dann zum LKA gegangen, unser Gitarrist wurde Lehrer und ich ging zu "GZSZ". Ich glaube, der Keyboarder ist der einzige, der heute noch als Berufsmusiker arbeitet.

teleschau: Spielen Sie noch Schlagzeug?

Fehlow: Schon seit Jahren nicht mehr. Auch wenn es blöd klingt: Die Zeit war nicht da. Mein Schlagzeug hab ich schon vor einiger Zeit einem meiner besten Freunde übergeben, Ansgar Freyberg, dem Schlagzeuger von The BossHoss.

teleschau: Sie waren mal in Madonna verknallt...

Fehlow: (lacht) Ja, das stimmt. Ich war in Madonna verknallt. Aber das ist über 20 Jahre her, und der Musikgeschmack verändert sich im Laufe des Lebens extrem.

teleschau: Was hören Sie heute?

Fehlow: Ich höre hauptsächlich Reggae. Ist für mich Sonnenschein-Musik, positive Gute Laune-Musik, das finde ich entspannend. Ab und zu höre ich alte Heavy-Geschichten, wenn ich es mal knallen lassen möchte. Und eben Chillout-Sachen. Für die Urlaubsstimmung, zum Relaxen ... - Einfach wegen der positiven Vibrations. Ich hab mich vor Kurzem dabei erwischt, wie ich einen Peter Maffay-Song runtergeladen habe. Ich habe dieses Lied gehört, "Gelobtes Land", und hatte einfach ein tolles Gefühl. Mein Musikgeschmack ist sehr variabel.

teleschau: Das klingt so, als fallen Ihnen durchaus Dinge ein, mit denen Sie sich jenseits von "GZSZ" beschäftigen könnten...

Fehlow: Ich hab vor ein paar Tagen erst wieder darüber nachgedacht, was ich machen würde, wenn ich heute bei "GZSZ" aufhören würde. Da fragt man schon so seine Talente ab. Vor drei Jahren fing ich an, die Natur und den Garten meiner Eltern neu zu entdecken. Über den Garten geriet ich schließlich in die alte Werkstatt meines Opas, der ein Bastler war. Und jetzt bin ich selbst seit zwei Jahren ein begeisterter Tischler. Ich baue schöne Sachen: Tische, Schränke für die Küche, Bilderrahmen.

teleschau: Sie sind Synchron- und Werbesprecher und haben schon bei so mancher Hollywoodproduktion mitgewirkt ...

Fehlow: Das Synchronsprechen ist seit vierzehn Jahren mein zweites berufliches Standbein. Hat sich super entwickelt. Aus Zeitgründen muss ich leider häufiger Jobs absagen, als dass ich sie annehmen kann. Aber Channing Tatum ("White House Down", d. Red.) beispielsweise spreche ich jetzt relativ fest. Wenn ich mit "GZSZ" aufhören würde, würde ich das mit dem Synchronsprechen sicherlich intensivieren. Und gerne noch was anderes dazu, etwas Neues. So in Richtung Bauen, Konstruieren, Designen. Das wäre mein Ding.

teleschau: Sie könnten sich vorstellen, ganz aus dem Medienbereich auszusteigen?

Fehlow: Absolut. Und das ist in keinster Weise abwertend gemeint. Ich hab die Branche und alles, was dazu gehört, jetzt schon 20 Jahre meines Lebens miterleben dürfen, und das ist alles toll. Aber die Medaille hat immer zwei Seiten, und ich glaube nicht, dass ich ein großartiges Problem damit hätte, nicht mehr vor der Kamera zu stehen.

teleschau: Aber momentan steht das nicht zur Debatte. Was lieben Sie am Job bei "GZSZ"?

Fehlow: Wenn man das 20 Jahre lang macht, jeden Tag hierher zum Drehen kommt, dann ist es ein bisschen wie nach Hause fahren. Ich mache das immerhin schon mein halbes Leben lang. Die Kollegen und das gesamte Ensemble und Drumherum, das Team ... Das sind gute Gründe für mich, dabeizubleiben.

teleschau: Haben Sie noch Kontakt zu früheren Kollegen, die inzwischen ausgestiegen sind?

Fehlow: Eigentlich relativ wenig. Selbst mit den Kollegen, mit denen ich hier in der Firma, am Set, freundschaftlichen Kontakt hatte, hatte ich privat kaum zu tun. Meine Freunde haben mit dieser Branche größtenteils nichts am Hut. Eigentlich gibt es nur einen aus der alten Zeit, mit dem ich wiederum beim Dreh nicht so viel zu tun hatte, der dann danach einer meiner besten Freunde wurde - Hendrik Borgmann. Der ist aber schon lange Jahre aus der Serie raus. Heute dreht er nur noch ab und zu. Er ist ein sehr attraktiver und hübscher junger großer Mann (lacht), und deswegen hat er einige Fotoshootings und macht einiges in diese Richtung.

teleschau: Neben dem Tischlern könnten Sie sich dann ja noch auf andere Teile Ihres Privatlebens konzentrieren. Auf eine eigene Familie zum Beispiel?

Fehlow: Ich hab so ein Bild vor Augen: Man hat seine Familie und vier tolle kleine Kinder - im Idealfall zwei Jungs und zwei Mädchen. Aber natürlich geht das nicht auf Bestellung. Ich bin mir sehr sicher, dass ich irgendwann anfangen werde, daran zu arbeiten.

teleschau: Und was ist mit Berlin? Sie sind da geboren, leben dort. Wollen Sie in der Stadt bleiben auf Dauer?

Fehlow: Jetzt bin ich fast 40 Jahre in Berlin, bin in der Stadt und mit meinem Umfeld sehr verwurzelt. Mittlerweile lebe ich auch wieder in der Wohnung, in der ich aufgewachsen bin. Stark verwurzelt zu sein, gehört zu meinem Leben dazu. Ich bin auch stolz darauf, ein Urberliner zu sein. Das darf man ja nur sagen, wenn die Eltern und auch die Großeltern Berliner waren. Und trotzdem denke ich darüber nach, ob ich mir nicht irgendwann ein Domizil in einem anderen Land suche. Irgendwo auf Hawaii, das könnte ich mir vorstellen (lacht).

teleschau: Und was würden Sie Ihrem Soap-Charakter Leon für die nächsten 1.111 Folgen von "GZSZ" persönlich wünschen?

Fehlow: Ich wünsche mir für Leon, dass eine vernünftige und tolle Frau mit Ecken und Kanten in sein Leben tritt. Damit er wieder jemanden hat und nicht allein ist. Er hat zwar seine Kinder, das ist toll, und das funktioniert mittlerweile ganz gut. Aber eine Frau an seiner Seite wäre 'ne schöne Sache. Ansonsten wünsche ich mir für ihn viele positive Geschichten, damit man als Zuschauer eben auch was Schönes vor Augen hat, wenn man den Fernseher anschaltet. Von diesen ganzen Negativnachrichten haben wir ja genug. Ich bin ein Freund von positiven Geschichten, von Problemen, die sich lösen.

teleschau: Sehen Sie "GZSZ" in der Verantwortung, für so etwas Positives zu sorgen?

Fehlow: Na ja, "GZSZ" hat schon einen gewissen Bildungsauftrag: Gerade Jugendliche schauen sich die Serie gerne an, das habe ich schon immer im Hinterkopf. In meinem Privatleben sehe ich auch zu, dass ich mich in der Öffentlichkeit zumindest ansatzweise wie ein Vorbild verhalte, nicht rumpöbele und blöde Sprüche von mir gebe. Mit der Serie ist es genauso: Natürlich ist das etwas, woran sich junge Menschen orientieren. Klar schauen die sich die Folgen zur Unterhaltung an, aber das Gehirn nimmt auf, was es erzählt bekommt. Daran denke ich oft.

teleschau: Ist das nicht anstrengend? Wenn Sie auch nach Feierabend nicht richtig trennen können zwischen Privat und Beruflich?

Fehlow: Manchmal schon. Die Serie ist die meistgesehene in unserem Land, in Österreich und der Schweiz auch. Ich bin schon so lange dabei, mit einem prägnanten Gesicht, da vergeht kein Tag, an dem ich nicht mindestens dreimal erkannt werde. Daran muss man sich irgendwann gewöhnen. Wenn ich eine Phase habe, in der alles easy und ausgeglichen ist und die Leute kommen und sprechen mich an nach dem Motto: "Mensch Daniel, das ist so toll, wie du das machst!", dann freu ich mich und antworte denen: "Ja super, guck weiter!" Wir Schauspieler sind auch nur Menschen. Menschen eben, die man aus dem Fernsehen kennt. Aber jenen, und das sind leider die meisten, die ankommen und sagen: "Hallo, Leon!", muss ich antworten: "Tut mir leid, ich bin nicht Leon". Meistens verstehen sie es nicht, und das ist sehr schade, dass einige Zuschauer die Trennung zwischen Rolle und Schauspieler nicht erkennen.

teleschau: Ihnen selbst scheint die Trennung zwischen Rolle und Realität noch ganz gut zu gelingen.

Fehlow: Mir selber gelingt die noch sehr gut. Zumindest ist es nicht so, dass ich abends denke, ich muss noch das Mauerwerk abschließen, bevor ich nach Hause fahre.

Quelle: teleschau - der mediendienst