Sandra Bullock

Sandra Bullock





Elegante Bodenständigkeit

Sollte Sandra Bullocks Lebensgeschichte einige Jahrzehnte nach ihrem 50. Geburtstag, den sie am 26. Juli feiert, einst verfilmt werden, müsste selbstverständlich Hollywood diese Aufgabe übernehmen. Nicht nur, weil die gesellige Brünette in der Filmbranche, bei den Medien und beim Publikum als umschmeichelter Darling gilt, sondern weil sie in ihrer beeindruckenden Vielseitigkeit entgegen jeder Menge Rückschläge immer eloquent, humorvoll und bodenständig daherkommt. Trotz ihrer erlesenen Eleganz deutet bei Bullock nichts auf die versteckte Gekränktheit und Eitelkeit hin, die man von anderen Hollywoodgrößen kennt.

Dass sie mit den oft eigenwilligen Persönlichkeiten jener Stars gut kann, ist bekannt: George Clooney und Renée Zellweger zählen zu ihren besten Freunden, mit Ryan Gosling und Matthew McConaughey lebte sie zusammen, und mit den Kollegen am Set schließt sie schnell Freundschaften, wie man sich erzählt. Popularitätsumfragen gewinnt die Schauspielerin regelmäßig mit Leichtigkeit, schon in der High School wählte ihre Klasse sie zur Person "die am wahrscheinlichsten deinen Tag versüßt". Warum, weiß Sandra Bullock nicht so wirklich: "Ich habe keine Ahnung, was die Leute an mir mögen", erzählt sie mal ernst, mal augenzwinkernd. Dass Bullocks Ausstrahlung und Wirkung auf andere auch gefährlich werden kann, musste sie erst kürzlich erfahren: Ein offensichtlich von ihr besessener Stalker brach in ihr Haus in Beverly Hills ein und blickte ihr direkt in die Augen.

Warum die Frau von Welt, die in diesem Jahr neben dem runden Geburtstag auch das 25-jährige Jubiläum ihrer Filmkarriere und 20 Jahre Karrieredurchbruch mit dem Filmerfolg "Speed" feiern kann, zum Liebling Hollywoods avancierte, kann jedenfalls nicht eindeutig beantwortet werden. Vielleicht, weil sie sich mit abgebrochenem Schauspiel-Studium zunächst als Kellnerin, Putzfrau und Hundefrisörin herumschlug, bevor ihre Karriere so richtig begann, und damit das amerikanische Glücksversprechen par excellence verkörpert. "Wer hätte gedacht, dass alle diese Berufe mich eines Tages auf diese Bühne führen würden? Dass das Publikum heute so toll ist, dass es selbst mir eine Chance gibt?" sagte sie 2000 beim Empfang des Bambis in Deutschland - und sprach dabei so ein herzerwärmendes Deutsch mit fränkischem Akzent, dass man dahinschmelzen wollte.

Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr wohnte die Tochter eines amerikanischen Gesangslehrers und einer deutschen Opernsängerin mit ihrer Familie in Nürnberg, ein großer Teil ihrer Verwandtschaft lebt in Deutschland. Gern lässt sie sich Gummibärchen von dort schicken, "schwieriger verhält es sich mit meinem innigen Verhältnis zu Nürnberger Bratwürsten. Man darf kein Fleisch in die USA schicken, da muss man wirklich mit Tricks arbeiten." Auch wenn sie nach wie vor deutsche Traditionen pflegt und beispielsweise Weihnachten am 24. Dezember feiert, vermeidet es die im Bundesstaat Virginia geborene Bullock lieber, Interviews auf Deutsch zu geben. Der Grund: Wie sie gehört habe, würden "bei Arnold alle lachen".

Vielleicht rührt die Beliebtheit des charmanten Stars auch von jener ehrlichen und selbstironischen Art, mit der sie die Menschen einzunehmen versteht. Zuvor bereits einmal für die Goldene Himbeere nominiert, nahm sie 2010 die Witz-Auszeichnung für besonders schlechte schauspielerische Leistungen als eine der Wenigen persönlich entgegen und verteilte DVDs der Flop-Komödie "Verrückt nach Steve" im Publikum. Einzigartig machte sie sich am direkt darauf folgenden Tag mit dem Gewinn des Oscars als beste Hauptdarstellerin in dem Drama "Blind Side - Die große Chance", für das sie auch mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde. Oscar und Himbeere wolle sie nebeneinander ins Regal stellen, juxte sie damals, "den Razzie aber vielleicht ein wenig tiefer". Auch wenn ihr schauspielerisches Renommee zuvorderst wohl auf der Mitwirkung in seriösen Dramen wie "L.A. Crash" oder "Gravity" beruht - bei der Wahl ihrer Rollen ist die unkomplizierte Alleskönnerin wenig überheblich. Neben ansehnlichen Komödien wie "Miss Undercover" ist sie auch für Albernheiten wie "Ein Chef zum Verlieben" oder "Taffe Mädels" zu haben.

Vielleicht punktet Bullock aber auch, weil sie in der High Society als großherziges Vorbild gilt und für ihre Wohltätigkeiten bekannt ist: Sowohl nach den Anschlägen des 11. September als auch nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien 2004 spendete sie dem Roten Kreuz je eine Million Dollar, nach dem schweren Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 bedachte sie die "Ärzte ohne Grenzen" ebenfalls mit einer Million. Nachdem der Hurrikan Katrina Zerstörung hinterlassen hatte, unterstützte sie die Renovierung von Schulen in New Orleans, wo sie mittlerweile ein Haus besitzt. In der Südstaatenmetropole wurde zudem ihr Adoptivsohn Louis geboren.

Als soziale Instanz des Geschäfts weiß Bullock sich mit ihrem halben Jahrhundert mittlerweile exzellent zu verkaufen, ist gewissermaßen zur Marke geworden. Sie kann es sich erlauben, moralische Kritik zu üben: "Es ist wirklich nicht klug, jungen Mädchen im Kino beizubringen, dass sie ohne einen tollen Jungen nicht glücklich werden können.", sagt sie beispielsweise. "Nur wer sich als Individuum begreift, kann glücklich werden." Nach der schweren Scheidung von Jesse James 2010 nahm sie sich das auch privat zu Herzen: "Da, wo ich jetzt bin, bin ich genau richtig. Ich will nicht zurückgehen", sagte sie damals einem Modemagazin.

Während die Europäer sie für ihre liebenswerte Humanität verehren, gefällt den Amerikanern wohl vor allem die freche self-made Attitüde und ihr ausgeprägter Geschäftssinn. Der ist in der Tat beeindruckend: Durch ihre auch finanzielle Beteiligung am Oscargewinner "Gravity" durfte sich Bullock nach dem Riesenerfolg über 70 Millionen Dollar Gewinn freuen - eine Genugtuung insbesondere, weil sie lediglich als sechste Wahl für das Weltraum-Drama galt. In ihrer Wahlheimat Austin, wohin sie nach dem beängstigenden Stalker-Einbruch endgültig ihren Wohnsitz verlegen will, betreibt die überzeugte Umweltschützerin Sandra Bullock zudem ein Öko-Nobelrestaurant und besitzt gemeinsam mit ihrer Schwester ebenfalls in der texanischen Hauptstadt eine Konditorei, die bayerischen Zwetschgenkuchen anbietet. Nur konsequent also, dass die Vielbegabte, die nebenher spezielle Sicherheitsgurte für ihre Hunde entwirft und lateinamerikanisch tanzt, in ihrer kommenden Rolle wohl eine Geschäftsfrau spielt: die Dame, die einst das Geschäft mit Tupperware groß machte. Das passt.

Sandra Bullock im TV:

Fr., 25.08., Kabel eins, 20.15 Uhr: "Speed 2: Cruise Control" (1997)

So., 27.07., RTL II, 22.00 Uhr: "Mord nach Plan" (2002)

Do., 14.08., vox, 20.15 Uhr: "Verrückt nach Steve" (2009)

Do., 14.08., vox, 22.10 Uhr: Reportage "Sandra Bullock - Hollywoodstar aus Nürnberg" (2014)

Quelle: teleschau - der mediendienst