Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen.

Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen.





Wie schön ist das eigentlich?

Heimattümelnde Hipster mit Dialekt? Melancholische Blasmusiker mit osteuropäischem Einschlag? Bodenständige Buben mit Hang zu elektronischen Sounds? Alles nicht richtig - auf die bayerische Band Kofelgschroa passt kein öffentlichkeitswirksames Label, so sehr es von den Medien auch beschworen wird. Die vier sympathischen Jungs aus Oberammergau haben in den vergangenen Jahren nicht nur einen beispiellosen Aufstieg hingelegt, sondern während ihrer Herumreichung durch angesagte Läden mal eben den Kulturbetrieb entlarvt. Dass jetzt eine Kino-Dokumentation davon erzählt, mag paradox klingen. Doch "Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen." trifft den zurückhaltenden und kritischen Ton der Band perfekt.

Irgendwann inmitten des Films, Kofelgschroa sind an dieser Stelle bereits über Bayerns Grenzen hinaus bekannt, sitzen die vier jungen Männer im Studio eines Berliner Radiosenders und sollen das Bild, das die Moderatorin vom Musikstil der Band hat, bestätigen. Doch die Jungs sagen einfach erst nichts und dann: "Na, des stimmd net". Hilflos versucht die Radiofrau anschließend im typisch affektierten Medienmenschen-Slang zu erklären, wie man im Medienbetrieb zu funktionieren hat - dass sie sich für derlei Interviews etwas zurechtlegen müssten, auch wenn es etwas Ausgedachtes sei. Die unbeeindruckte Antwort: "Un warum kamma sich des net eifach nur anhörn?"

Die Szene ist nicht nur bezeichnend für die Band Kofelgschroa, die in ihrer zurückhaltenden Art mit all dem Trubel nichts anfangen kann. Auch beschreibt sie den Modus von Barbara Webers mal tragisch-schönem, mal amüsant-schwermütigem Dokumentarfilm wunderbar. Die Münchner Filmemacherin nähert sich empathisch und ohne Romantisierung den vier sensibel wirkenden Gestalten, die ausschauen wie dem hippesten Neuköllner Kiez entsprungen, davon aber tatsächlich ferner nicht sein könnten.

Kitschlos verweist Webers intimes Porträt auf die Widersprüche, denen die Band beim Aufeinandertreffen mit einer knallharten Musikbranche ausgesetzt ist. So begleitet der Film die vier Musiker Matthias Meichelböck (Tenorhorn), Martin von Mücke (Helikontuba), Michael von Mücke (Flügelhorn und Gitarre) und Maxi Pongratz (Akkordeon) über sechs Jahre lang: vom Beginn als Combo aus ziegenmelkenden Langhaarburschen und freiheitsliebenden Traktorfahrern, über Krisenzeiten inklusive Trennung der Band bis zum ungläubig verfolgten und nie geplanten Durchbruch.

Sicher ist Webers Film über die Band, die sich nach dem Oberammergauer Hausberg "Kofel" benannte, auch eine Auseinandersetzung mit dem ambivalenten Ding "Heimat". Diesem begegnen die ohnehin dauerhaft zweifelnden Jungs immer unsicher und sarkastisch. Vor allem ist es aber ein inniges Bildnis von zaudernden jungen Menschen, eine intensive Entwicklungsgeschichte im besten Sinne. Es geht um Vertrauen, Freundschaft und die Zukunft.

Die im Streben nach Glück notwendige Naivität der Protagonisten nicht als "Authentisches" misszudeuten, das versteht Webers Doku, die sich in bisweilen trancehaften Bildern an den Kofelgschroa-Sound anpasst, ausgezeichnet. Dass die Suche nach Wahrheit, Schönheit und Freiheit in der Einfachheit jedenfalls wunderbare Musik hervorbringt, haben Kofelgschroa bereits bewiesen. In diesem Sinne: "Die Wäsche trocknet an der Sonne, die Wäsche trocknet auch am Licht, wie schön ist das eigentlich?". Fast so schön wie dieser Film.

Quelle: teleschau - der mediendienst