Louis de Funès

Louis de Funès





Der lustigste Charakterkopf der Filmgeschichte

"Nein!" - "Doch!" - "Ooooh!" Mit seiner unvergleichlich hektischen Art wirbelte sich Louis de Funès in die Herzen der Zuschauer. Monsieur "Fufu" wurde er zärtlich von den Franzosen genannt, und nicht nur sie liebten "ihren" glatzköpfigen Grimassenschneider, dessen körperbetontes Spiel auch heute noch gerne adaptiert wird. Als "Balduin", "Oscar" oder einfach "Louis" strapazierte er die Zwerchfelle aller Nationen. Filme wie "Der Gendarm von St. Tropez" oder "Fantomas" feierten Welterfolge. Der "gallische Zappelphilipp" nahm sich als Filmfigur der unsympathischen Charaktere an: Immer war er klein und gemein, mies und fies. Die Untertitel seiner Filme verraten es: "Der Geizkragen", "Der Querkopf", "Der Ferienschreck". Am 31. Juli vor genau 100 Jahren wurde der französische Starkomiker in Courbevoie im französischen Département Hauts-de-Seine geboren. Anlässlich des Ehrentages wiederholen einige Sender die schönsten Filme des 1983 verstorbenen Lous de Funès.

Am 31.07.1914, einen Tag vor Beginn des Ersten Weltkrieges, kam de Funès im Pariser Ballungsraum zur Welt. Die Schule war eine einzige Katastrophe. Statt dem Unterricht zu folgen, zog es der quirlige Fratz vor, den Kanarienvogel des Direktors mit Gummiband und Haarnadeln zu beschießen. Ein tödlicher Treffer besiegelte seinen Rausschmiss.

Seine darauf folgende Berufslaufbahn war so grotesk wie später seine Filme: Er arbeitete als Buchhalter in einer Papierfabrik, als kein Papier produziert wurde (1939), war Karosseriezeichner, als keine Autos fuhren (1940), und Gemischtwarenhändler, als es nichts mehr zu kaufen gab (1941). Danach schlug er sich als Barpianist durch, bevor er seine erste Minirolle in einem Film bekam. "Edelstatist" blieb er danach jahrelang: Kellner, Liftboy, Chauffeur, Diener. Früher als im Film hatte er Erfolg im Privatleben: Die Ehe zwischen Louis und seiner Frau Jeanne hielt ein Leben lang.

Anfang der 60-er konnte de Funès völlig unvorhergesehen die Schlinge der Erfolglosigkeit zerschneiden: Mit den Filmen "Fantomas" (1964), "Der Gendarm von St. Tropez" (1964) und "Oscar" (1967) katapultierte er sich in die Reihen der international erfolgreichen Komiker. Den Erfolg seiner kleinen, miesen, unsympathischen Filmfiguren erklärte er sich so: "Das ist der moderne Mensch! So ist er! Stellen sie sich nur mal vor, jeder hätte eine Pistole. Es würde unentwegt knallen, bum, bum!"

Seine Komödien, die er mit einem unverwechselbaren Stempel prägte ("Oooh!"), drehte er vor allem für "Kinder und für die ganze Familie". Selbst als sich der Wirbelwind Molières Lustspiel "Der Geizige" annahm, wurde daraus "Louis, Der Geizkragen" (1980). Über die "ernsthafte" Schauspielkonkurrenz der ehrwürdigen Comedie Française urteilte er: "Der traditionelle Musentempel ist über der jahrhundertelangen Klassiker-Pflege sanft entschlummert. Ich aber mache Molière fürs Volk."

Nach zwei Herzinfarkten musste Louis de Funès 1975 kürzer treten. Nur noch einen Film pro Jahr machte er: "Dann habe ich meine ärztlich kontrollierten, kleinen Explosionen." Mit Jeanne zog er sich mehr auf sein Loire-Schloss in Cellier zurück, angelte, spazierte herum und züchtete Rosen, unterbrochen von Besuchen seiner Söhne, dem Piloten Olivier und dem Arzt Patrick. Hier fand er das Glück, das er anderen durch seine Filme bereitete, bevor er 1983 im Alter von 68 Jahren an den Folgen eines erneuten Herzinfarkts in seinem Garten in Nantes starb.

Zum 100. Geburtstag begegnet der quirlige Glatzkopf den TV-Zuschauern gleich mehrmals auf den heimischen Bildschirmen: Das ZDF zeigt am Sonntag, 27.07., die Feinschmecker-Parodie "Brust oder Keule" (15.20 Uhr), welcher 1976 das Kino-Comeback de Funès' nach seinen ersten Herzattacken markierte. Der MDR zeigt das Frühwerk "Wenn Louis eine Reise tut" (Donnerstag, 31.07., 12.35 Uhr), sowie "Louis, das Schlitzohr" (Sonntag, 03.08., 11 Uhr). Das Bayerische Fernsehen widmet Monsieur "Fufu" sogar einen ganzen Themen-Abend: Am Samstag, 09.08., laufen ab 20.15 Uhr de Funès' Erfolge "Scharfe Kurven für Madame" (20.15 Uhr), "Fantomas" (21.55 Uhr). Im Anschluss läuft die Dokumentation "Louis de Funès - Alles tanzt nach seiner Pfeife" (23.35 Uhr) aus dem Jahr 2013.

Quelle: teleschau - der mediendienst