Lizzy Caplan

Lizzy Caplan





Nieder mit der Prüderie

Ein international bekannter Star ist Lizzy Caplan nicht. Das könnte sich allerdings bald ändern. Für ihre Hauptrolle in der Serie "Masters of Sex" wurde die 32-Jährige, die zuletzt auch in den US-Sitcoms "New Girl" und "Party Down" mitwirkte, gerade für den amerikanischen Fernsehpreis Emmy nominiert. Das will was heißen: Immerhin beschäftigt sich die Serie schwerpunktmäßig mit Sex, und die praktizierte Liebe ist bekanntlich kein Thema, über das Amerikaner gerne öffentlich sprechen. Lizzy Caplan verkörpert dieser Tatsache zum Trotz in der auf wahren Begebenheiten beruhenden Serie die selbstbewusste medizinische Assistentin Virginia Johnson, die sich in den 1950er-Jahren gemeinsam mit dem Gynäkologen William Masters (Michael Sheen) äußerst praxisnah der Erforschung menschlicher Sexualität hingab. Das mit der Praxisnähe sorgte seinerzeit natürlich für einen handfesten Skandal. Und heute? Ist die Serie ein Hit - zumindest in den USA. Wie erfolgreich der zeitgeschichtliche Stoff in Deutschland läuft, wird sich demnächst herausstellen: ZDFneo zeigt "Masters of Sex" ab 5. August immer dienstags, um 22.45 Uhr, in Doppelfolgen als Free-TV-Premiere, und der Pay-TV-Sender Sky Atlantic HD präsentiert ab 2. September immer dienstags, um 21.00 Uhr, bereits die zweite Staffel der Erfolgsserie in deutscher Erstausstrahlung.

Lizzy Caplan hat hart gekämpft, um die Rolle der Virginia Johnson zu bekommen. Die Amerikanerin aus Los Angeles ist bislang vorwiegend in Komödien und Sitcoms in Erscheinung getreten und rechnete aufgrund ihres schauspielerischen Portfolios nicht damit, tatsächlich für die Produktion berücksichtigt zu werden. Dabei habe sie die weibliche Hauptrolle in "Masters of Sex" sofort fasziniert, wie sie im Telefoninterview verrät. "Eine Schauspielerin, und ganz besonders eine Schauspielerin aus dem komödiantischen Bereich, erhält nicht oft die Gelegenheit, eine derart vielschichtige und differenzierte Person zu verkörpern", sagt eine erfrischend sympathisch und selbstbewusst antwortende Lizzy Caplan.

Die US-Schauspielerin lässt im Gespräch nicht nur einmal durchblicken, dass sie mit so manchen Seiten des noch immer männerdominierten Filmgeschäftes nicht einverstanden ist. Geschadet hat ihr eine gewisse Skepsis gegenüber Hollywood bislang nicht. Den Zuschlag für die Rolle bekam sie trotzdem. Und falls ihr Ende August in Los Angeles der Emmy verliehen wird, dann darf sich die Amerikanerin wohl endgültig darin bestätigt sehen, die richtige Wahl für die Besetzung der ebenso selbstbewussten Virginia Johnson gewesen zu sein.

In der Serie, die auf der gleichnamigen von Thomas Maier verfassten Biografie über Dr. William Masters und Virginia E. Johnson beruht, lassen sich die beiden Pioniere der menschlichen Sexualforschung zunehmend auf physische Selbstversuche ein. Sex-Szenen zwischen den Hauptfiguren sind fester Bestandteil der Serie. Für die Kalifornierin, die im Interview erstaunlich entspannt mit dem Thema Sex umgeht, stellten diese Einstellungen keine sonderliche Herausforderung dar. Vielmehr sah sich Lizzy Caplan von Anfang an in der Verantwortung, Virginia Johnsons Sinnlichkeit und ihrer selbstbewusst ausgelebten Sexualität authentisch Ausdruck zu verleihen. "Unsere Serie handelt nur oberflächlich von Sex. Eigentlich geht es dabei um so viel mehr: um Intimität, menschliche Beziehungen, Liebe und die Schwierigkeiten, die aus sexuellen Erfahrungen heraus entstehen können." Die wirkliche Spannung liege in der Beziehung zwischen Masters und Johnson, die keine Liebesbeziehung sei, aber beide Charaktere doch unabdingbar aneinanderbinde.

"Masters of Sex" möchte keineswegs den Voyeurismus bedienen, sondern hinterfragt ohne Scheu, aber mit viel Humor den Umgang mit Sex und Erotik seit den 1950er-Jahren. Angesichts der Tatsache, dass Sexualität in den USA immer noch als Tabu-Thema gilt und Jugendlichen kaum Aufklärung in Schulen oder von Seiten der Familie angeboten wird, scheint eine solche Aufarbeitung auch nötig zu sein. Die thematischen Schwerpunkte der vor über 60 Jahren angesiedelten Handlung sind heute kurioserweise noch aktuell wie eh und je. Jede einzelne der Sex-Szenen sei im Handlungsablauf begründet und ein Werkzeug des narrativen Plottes, bekräftigt Lizzy Caplan, die nach eigener Aussage das Glück gehabt habe, als Teenager sowohl in der Schule als auch zu Hause aufgeklärt worden zu sein. Geradeheraus benennt die Schauspielerin den "puritanischen" Charakter Amerikas als ihrer Meinung nach wesentliches gesellschaftliches Problem, das in "Masters of Sex" auch benannt werden soll. Der Fortschritt seit den 50er-Jahren müsse erkannt, aber kritisch hinterfragt werden.

Die erste Staffel der US-Serie wurde in den Vereinigten Staaten bereits im Sommer 2013 auf dem Pay-TV-Sender Showtime ausgestrahlt. Das Feedback für die Serie und insbesondere für Lizzy Caplan fiel überschwänglich aus. Virginia Johnson zu spielen, die ihrer Zeit so weit voraus war, hat die Schauspielerin verändert. Inzwischen, sagt sie, genieße sie es, Presse-Termine wahrzunehmen und mit den Leuten auf der Straße über die prüden Verhältnisse der 1950er-Jahre zu diskutieren. Das sei nicht immer so gewesen, verrät die Kalifornierin. "Früher mochte ich nur den Teil meiner Arbeit, der sich am Set direkt abspielte. Aber allmählich fange ich an, auch an all den Dingen drumherum Spaß zu haben." Spaß hat Lizzy Caplan auch an der Arbeit hinter der Kamera. Am Set von "Masters of Sex" einmal Regie zu führen, würde sie sehr reizen, wie sie lachend erklärt.

Quelle: teleschau - der mediendienst