Rise Against

Rise Against





Im Mainstream gegen den Strom

Zum Interviewtermin sitzt Zach Blair in Milwaukee, Wisconsin. Mit seiner Band Rise Against tritt der Gitarrist hier beim Summerfest auf, dem nach eigenen Angaben "größten Musikfest der Welt". Das passt. Denn auch Rise Against gehören mittlerweile zu den ganz Großen des Punkrock-Business. "The Black Market" nennt sich ihr neues Album, und es wird diesen Stand noch weiter festigen. Ein Gespräch über Ehrlichkeit, Ethik und Eigeninitiative.

Milwaukee also. Gar nicht so weit entfernt von Chicago, der offiziellen Band-Basis. Zach Blair jedoch stammt aus Texas. Und lebt bis heute dort. Angesichts der konservativen Ausrichtung des Bundesstaates etwas verwunderlich: "Ja, es ist ein roter Staat, also ein republikanischer. Und ich teile die Meinung vieler Leute nicht. Aber ich komme nun einmal von hier. Hier fühle ich mich wohl." Er überlegt kurz, dann fügt er hinzu: "Außerdem mag ich es, den Leuten ein Dorn im Auge zu sein. Vielleicht wäre es in Portland, New York oder Los Angeles einfacher, wo die Mehrheit der Menschen meiner Meinung ist. Aber es kann auch Spaß machen, die Menschen herauszufordern und gegen den Strom zu schwimmen. Wobei es schon eine konstante Quelle der Frustration ist, wenn du hier die regionalen Nachrichten liest."

Dieses "Gegen-den-Strom-Schwimmen" ist eine zentrale Botschaft des Gesprächs. Dabei sind Rise Against längst Teil des Business. Ihr letztes Album "Endgame" (2011) landete in Deutschland auf Platz eins, und auch in vielen anderen Ländern spielen die Punkrocker ganz oben mit. "The Black Market" bezeichnet Blair im direkten Vergleich als "noch dunkler, härter und schneller", weiß diese Aussage jedoch im nächsten Augenblick zu relativieren: "Sicher, es hat auch hellere und melodische Momente. So wie jedes Rise-Against-Album. Aber es gibt definitiv mehr Gitarren-Riffing, mehr Härte. Gitarrenrock verschwindet mehr und mehr aus der populären Musik. Und das ist eine Schande."

Denn trotz aller Entwicklungsstufen, trotz aller Massentauglichkeit, verstehen sich Rise Against bis heute als Punk-Band. Im weiteren Sinne, denn: "Leider wurde Punk in den 90-ern als sehr begrenzter Begriff verwendet. In den 70-ern dagegen, als er zum ersten Mal aufkam, bedeutete er, was immer du wolltest. Er bedeutete Blondie und X, er bedeutete The Dickies und die Circle Jerks und Black Flag. Ja, er bedeutete sogar die Talking Heads. Und alle klangen unterschiedlich. Ich mag das Gefühl, dass wir genau diese Tradition ein Stück weit fortführen. Du nimmst ein Rise-Against-Album und findest darauf eine akustische Ballade, einen wirklich schnellen, wütenden Punk-Song, einen harten, Metal-artigen Song, einen eingängigen, melodischen Power-Pop-Song. Und alles kommt von einer Punk-Band. Und ich sage das mit Stolz."

Stolz auch, weil Punk nicht nur durch die Musik definiert wird, sondern auch durch die Attitüde. "Wenn du ein Problem mit der Wahrheit hast, hast du ein Problem mit Rise Against", gab die Band auf ihrer DVD "Another Station: Another Mile" (2010) zu Protokoll. Und daran hat sich nichts geändert. "Du hast vollkommen Recht", kommt die Zustimmung aus dem Munde des Gitarristen. "Es steckt ebenso sehr in der Ethik und der Message wie in der Musik. Es geht darum, nicht klein beizugeben, sich nicht zu fürchten, sich mit seiner kleinen Stimme hinzustellen und zu versuchen, etwas zu bewegen. Und diese Einstellung wird sich bei Rise Against niemals ändern."

Und so ist das Quartett weiter auf breiter Front aktiv. Bei ihnen geht es um Pussy Riot und den Widerstand gegen Homophobie, um die Rechte von Flüchtlingen und Gefangenen, um Tierschutz und Occupy. "Es ist ein zweischneidiges Schwert. Es gibt dort draußen jede Menge Wege, auf denen du als Aktivist tätig werden kannst. Aber das heißt auch, dass es jede Menge hässliche Dinge gibt, welche es zu bekämpfen gilt." Die Botschaft ist deutlich: "Du wirst dazu angehalten, faul zu sein. Den ganzen Tag herumzusitzen und Fernsehen zu schauen. Aber schalt die Glotze aus und steh auf. Tu etwas für dich oder irgendeine großartige Organisation. Dann schwimmst du gegen den Strom."

Damit nähert sich das Gespräch dem Ende. Zach Blair, das Energiebündel mit Straight-Edge-Lebensstil, war ein ausgesprochen sympathischer Gesprächspartner. Ein Eindruck, der sich auch in der Allgemeinheit verankert zu haben scheint. Als "nettester Gitarrist des Punk" wurde er einmal bezeichnet. Blair lacht: "Das nehme ich definitiv als Kompliment. Und ja, ich versuche, allen Menschen aufrichtig und freundlich zu begegnen. Ich behandle Menschen nicht anders, nur weil sie zum Beispiel Rise Against mögen oder nicht. Ich behandle alle so, wie ich behandelt werden möchte." Sagt es und fügt schmunzelnd hinzu: "Vielleicht hat das auch mit meiner texanischen Erziehung zu tun."

Rise Against auf Deutschland-Tournee:

16.11., Frankfurt, Festhalle

17.11., Düsseldorf, Mitsubishi-Electric-Halle

19.11., Hamburg, O2 World

20.11., Berlin, Velodrom

Quelle: teleschau - der mediendienst