Nick Wechsler

Nick Wechsler





"Jeder kennt Rachegelüste"

"Wenn dir alles genommen wurde, ist das Einzige, was dir bleibt, die Rache!" Diese Lebensmaxime von Hauptcharakter Amanda Clarke (Emily VanCamp) zieht sich blutrot durch die VOX-Serie "Revenge". Darsteller Nick Wechsler entkommt ihr in der Rolle des Jack Porter (noch), da er einen der wenigen Sympathieträger spielt. Oder vielmehr spielen darf. Wie der 35-Jährige im Interview einräumt, biete ein Serien-Job im Fernsehen für Schauspieler auch so etwas wie eine Einkommensgarantie und damit Sicherheit. Jetzt ist er mit neuen Folgen von "Revenge" zurück im deutschen Fernsehen (ab 23. Juli, mittwochs, 20.15 Uhr, VOX).

teleschau: Nick, in "Revenge" spielen Sie zwischen vielen Intrigen und Bösartigkeiten den sympathischen Jack Porter. Zählen Sie sich privat auch zu den Guten?

Nick Wechsler: Das kann ich schwer sagen, es müssen wohl andere beurteilen. Ich weiß aber, wie es ist, wenn man von jemand anderem ein Arschloch genannt wird. Ich bin mit sieben Brüdern aufgewachsen. Zwischen uns gab es immer wieder Streit. Dabei fiel auch das ein oder andere Schimpfwort, und es gab weitere Bösartigkeiten.

teleschau: Das Hauptmotiv Ihrer Serie ist Rache. Kennen Sie das Gefühl, es jemandem richtig heimzahlen zu wollen?

Wechsler: Aber natürlich, immer wieder. Rachegelüste stecken doch in jedem. Nehmen wir den Alltag im Straßenverkehr. Wie oft fluchen wir über andere, wenn einem die Vorfahrt genommen oder man geschnitten wird? Der böse Blick durchs Seitenfenster hinein ins Auto des anderen ist schon so etwas wie Rache.

teleschau: Die den anderen aber kaum wirklich schmerzt.

Wechsler: Okay, persönlich hole ich zum Gegenschlag aus, wenn ich rassistische Bemerkungen mitbekomme. Früher bei Konzerten zum Beispiel bin ich immer wieder mal auf totale Idioten gestoßen. Diese dann, wenn auch nur verbal, vor anderen bloßgestellt zu haben, bereue ich nicht. Ganz im Gegenteil!

teleschau: Sind Sie etwa ruhiger geworden?

Wechsler: Das liegt wohl am Alter. Eine laute Auseinandersetzung hatte ich tatsächlich schon länger nicht mehr. Und es stimmt schon, auch am Steuer rege ich mich nicht mehr so schnell auf.

teleschau: Anders als viele Schauspieler gerade in Los Angeles haben Sie eine feste Rolle in einer Serie. Gibt das eine nötige Sicherheit und damit mehr Ruhe?

Wechsler: Gut möglich. Tatsächlich komme ich mit der Gage für die Rolle ordentlich über die Runden, da ich den Großteil des Jahres arbeite und vor der Kamera stehe. Wäre ich dagegen immer wieder auf eine neue Rolle angewiesen, für die ich gegen eine große Konkurrenz vorspielen müsste, sähe das möglicherweise anders aus.

teleschau: Drängen wegen der festen Jobs immer mehr Schauspieler in die Fernsehserien - auch namhafte?

Wechsler: Wie viele gibt es denn, die wie - sagen wir Brad Pitt - Millionen an Dollars mit jedem ihrer Filme verdienen? So viele sind das nicht mehr. Selbst für bekanntere Schauspieler, die sich bereits einen Namen erarbeitet haben, ist es inzwischen schwer, viel Geld nur mit Filmen zu verdienen. Eine feste Rolle in einer Serie dagegen garantiert geregelte Arbeit.

teleschau: Ist die große Leinwand für einen Serien-Schauspieler denn kein Ziel mehr?

Wechsler: Ja und nein. Nur für mich kann ich sagen, dass ich wegen eines tollen Filmangebots die Serie bestimmt nicht freiwillig verlassen werde.

teleschau: Erst kürzlich wurde "Revenge" um eine weitere, vierte Staffel verlängert.

Wechsler: Ja, das ist eine großartige Neuigkeit. Allerdings weiß ich nicht, wohin genau die Serie steuern wird.

teleschau: Schreiben Sie doch die Fortsetzung. Es heißt, Sie hätten Ambitionen als Autor.

Wechsler: Bei einem Interview habe nur einmal erwähnt, dass ich möglicherweise gerne schreiben würde. Ob ich darin allerdings wirklich gut bin, weiß ich nicht. Als Schauspieler habe ich derzeit genug zu tun.

teleschau: Es käme auf einen Versuch an.

Wechsler: Am Set unterhalte ich mich sehr gerne mit den Autoren, die einen hervorragenden Job machen. Wenn sie eine meiner Ideen loben, macht mich das stolz, motiviert und inspiriert mich.

teleschau: Wie würde eine Nick-Wechsler-Story denn aussehen?

Wechsler: Fürs Fernsehen würde ich eher eine Komödie schreiben, fürs Kino ein Drama. Beides aber hätte viel schwarzen Humor.

Quelle: teleschau - der mediendienst