Drachenzähmen leicht gemacht 2

Drachenzähmen leicht gemacht 2





Zahm ist anders

Ein Zusammenleben mit Drachen birgt eigentlich nur Vorteile. Die feuerspeienden Lindwürmer in Dreamworks' "Drachenzähmen leicht gemacht"-Franchise wandelten sich schon im ersten Teil von verbitterten Feinden zu treuen Freunden der Wikinger von Berk. Wobei "wandeln" das falsche Wort ist. Schließlich war es der schmächtige Häuptlingssohns Hicks (gesprochen von Daniel Axt), der auf ein solches Ungetüm einfach zuging und bemerkte, dass es sich besser als Haustier denn als Gegner eignete. Im zweiten Teil ist die Mensch-Drachen-Beziehung mittlerweile so eng, dass man füreinander Kopf und Kragen riskiert.

Alleine für solch wunderschöne Flugeinlagen wie zu Beginn des Filmes lohnt es sich, für seinen Drachen bis aufs Letzte einzustehen. Denn 3D-Animationsfilm hin oder her: Wenn Hicks und sein Nachtschatten Ohnezahn das Himmelblau, das Meer und die Wolken an sich vorbeiziehen lassen, packt es Groß und Klein im Kinosessel. Dieser alte, durch Hollywoods Reizüberflutung eigentlich schon längst vergessene Traum vom Fliegen - "Drachenzähmen leicht gemacht 2" lässt ihn wieder aufleben.

Dabei ist das atemberaubend in Szene gesetzte Schweben und Schwingen nicht der einzige positive Aspekt, den der bereits fünf Jahre andauernde Friede zwischen Wikinger und Drachen mit sich bringt. Wenn die Tiere von ihren Haltern gepflegt, gefüttert und umsorgt werden, eignen sie sich auch als Anheizer für den Werkstatt-Glutofen, als Sportgerät für das Quidditch-ähnliche Spiel Drachenrennen und vor allem als Kuschelfreund. Das Zusammenleben kann kaum idyllischer sein.

Doch all die Idylle rettet natürlich nicht vor den Pflichten, die ein Häuptlingssohn in Berk hat. Denn Hicks' Vater Haudrauf (Dominic Raacke) würde die Verantwortung für den Stamm lieber früh als spät übertragen. Doch Hicks weiß nicht so recht, ihm liegt der nötige Drang zum Chef-sein fern. Er will vielmehr neue Ländereien entdecken, gemeinsam mit seinem Freund Ohnezahn und Freundin Astrid (Emilia Schüle).

Und es gibt nicht nur viel zu erforschen, sondern auch viel richtig zu stellen in der weiten Welt. Dass außerhalb von Berk die Uhren noch anders ticken, muss Hicks schmerzhaft feststellen, als er auf Eret trifft, einen jungen Drachenjäger. Der sammelt für Drago - einem Namen, bei dem sogar Haudrauf die Nackenhaare zu Berge stehen - Feuerspeier für dessen Armee. Dass sich weder Eret und vor allem nicht Drago mit Worten zähmen lassen, wie es Hicks einst mit seinem Drachen gelungen ist, macht ihn stutzig. Auch die Begegnung mit einem geheimnisvollen Drachenreiter bringt die Welt des jungen Wikingers ins Wanken.

Liebevolle bis schräge Figuren und eine kindgerechte doch unpeinliche Ansprache der Themen: Alles, was bei Teil eins gesessen hat, sitzt nun auch. Spielerisch vermittelt der Film, dass nicht alles so funktioniert, wie man es gerne hätte, dass Zweifel zum Leben gehören, man aber seiner Verantwortung stets nachkommen muss. Ebenso hebt er Familie als das höchste Gut hervor und scheut sich nicht vor Romantik und sogar Trauer. Für einen Kinder-Animationsfilm ist "Drachenzähmen leicht gemacht 2" also durchaus facettenreich. Vordergründig wird es deshalb aber bei weitem nicht fad und dröge. Denn es geht richtig zur Sache. Egal ob während der Sozialstudien in Berk, den Flugshows oder schlussendlich bei den Schlachten von "Herr der Ringe"-Ausmaß - das erfolgreiche Drachenzähmen aus Teil eins macht sich nun erst richtig bezahlt.

Quelle: teleschau - der mediendienst