Rachel Khoo

Rachel Khoo





Mehr als nur ein hübsches Gesicht vom Fernsehen

In ihrer Mini-Küche kocht Rachel Khoo ganz groß auf. Die Britin zaubert in ihrem Pariser Apartment kulinarische Kreationen, wobei sie altbewährte Rezepte der französischen Küche mit einer Lebhaftigkeit aufpeppt, die zum Nachahmen motiviert. Nachdem die 33-Jährige ihr Zuhause spontan zu einem Ein-Tisch-Restaurant umfunktionierte und sich vor Gästen aus aller Welt nicht mehr retten konnte, kam ihr die Idee zur Kochshow in den eigenen vier Wänden. "Little Paris Kitchen" lief so erfolgreich bei der BBC, dass die Sendung inzwischen weltweit ausgestrahlt wird. Rachel Khoo zog aus, um in Frankreich einen beruflichen Neustart zu wagen, und fand mit ihrer Leidenschaft für das Kochen den überbordenden Erfolg. Sixx bringt die Doku-Reihe mit der sympathischen Küchenfee unter dem Titel "Rachel Khoo - Paris in meiner Küche" (ab 26.07., samstags, 12.25 Uhr) jetzt auch ins deutsche Fernsehen.

Das Apartment von Rachel Khoo umfasst gerade mal 21 Quadratmeter. Das Mobiliar wirkt bodenständig, aber liebevoll zusammengesucht. Einige der Schränke hat die britische Köchin selbst aufgebaut oder in günstigen Läden besorgt. Die Wohnung im Pariser Stadtteil Belleville, in der Rachel Khoo ihre farbenfroh abgewandelte französische Küche zelebriert, ist keine Kulisse. Sie ist echt. "Die BBC hat keine Studioküche in Paris", erklärt sie im Interview auf Deutsch mit einem leichten britischen Akzent. "Deswegen haben wir in meiner Wohnung gedreht. Einen Teil des Mobiliars mussten wir wegräumen, und die Kameraleute haben ihre Taschen in die Badewanne gelegt. Es war schon schwierig, aber auch lustig."

Ihrer Kochkunst hat die eingeschränkte Bewegungsfreiheit nicht geschadet: Das wohl kleinste Restaurant von Paris, das sie in ihrem Apartment zur Erprobung ihrer Rezepte eröffnete, war so beliebt, dass die Britin es wegen des ausufernden Interesses wieder schließen musste. Ebenso erfolgreich läuft ihre TV-Kochshow "Rachel Khoo - Paris in meiner Küche". Sie wird, wohl auch aufgrund ihres ungewöhnlichen Konzeptes, inzwischen weltweit ausgestrahlt.

Am Kochen hat Rachel Khoo schon als Kind Spaß gehabt, da half sie Mutter und Großmutter gerne beim Strudel-Backen. Das Interesse an der Profiküche sei dann mit dem Studium gekommen, erzählt Khoo, als sie für Zeitschriften wie "The Sunday Times Magazine" und "The Observer" als Assistentin bei Foodshoots arbeitete. Das abgeschlossene Art & Design Studium in London brachte ihr allerdings nicht die erhoffte Stelle als Foodstylistin. Stattdessen verdiente Rachel Khoo ihren Lebensunterhalt zwei Jahre lang als PR- und Marketing-Referentin eines Modelabels. Eine Tätigkeit, die sie langweilte. Andererseits aber entstand aus diesem Gestrandetsein in der englischen Metropole heraus auch der Impuls, nach Frankreich zu gehen. Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut. Die jetzt 33-Jährige packte ihre Sachen und meldete sich für eine Konditorinnen-Ausbildung am renommierten "Le Cordon Bleu"-Institut in Paris an. Geplant war zunächst, für ein Jahr zu bleiben. Das ist inzwischen acht Jahre her.

Ihr Interesse an der Kunst schlägt sich auch in Rachel Khoos kulinarischen Kreationen nieder. "Weil ich einen künstlerischen Background habe, denke ich viel über die Optik meines Essens nach", sagt sie und verweist auf ein Notizbuch, das ihr ein treuer Begleiter geworden sei. "Wenn ich mir Rezepte ausdenke, fange ich mit einer kleinen Zeichnung in meinem Notizbuch an. Anschließend koche ich und probiere aus. Mein Essen soll appetitlich aussehen, es soll so schön sein, dass die Leute es abschlecken wollen."

Kochen ist für Rachel Khoo aber nicht nur eine Kunstform, sondern immer auch eine kulturelle Entdeckungsreise, die ein Gefühl von Zusammensein und Zugehörigkeit schafft. Als Tochter eines malaysischen Chinesen und einer Österreicherin wurde sie in Croydon geboren, verbrachte Teile ihrer Jugend auf einer Klosterschule im bayerischen Landsberg am Lech und lebt inzwischen in Paris und London. Ihr persönlicher Kochstil sei deswegen ein Mischmasch aus Kulturen und Essensarten - von Malaysisch und Chinesisch über Deutsch, Englisch und Französisch, alles sei dabei. Sie kocht durcheinander, und das Ergebnis ist so sympathisch bunt wie sie selbst.

"Kultur ist superwichtig für mich. Als Kind war ich zum ersten Mal in Malaysia, und ich erinnere mich, dass man mich dort zur Begrüßung nicht etwa fragte 'Wie geht es dir?', sondern 'Hast du schon gegessen?'. Essen ist in Malaysia das Wichtigste. Man sitzt zusammen, hat eine schöne gemeinsame Zeit." Diese frühe Erfahrung von der Nahrungsaufnahme als Social Happening hat Rachel Khoo nachhaltig geprägt.

Nachdem sie ihr kleines französisches Restaurant eröffnet und ihr erstes englischsprachiges Kochbuch mit dem Titel "Little Paris Kitchen" ("Paris in meiner Küche", DK Verlag 2012) erfolgreich beim Penguin Verlag veröffentlicht hatte, träumte Rachel Khoo von einer eigenen TV-Kochshow, um ihre Ideen und Rezepte mit anderen zu teilen. Ein Traum, der verblüffend schnell wahr wurde. Eine kleine Indie-Produktionsfirma ließ sich vom selbsterdachten Show-Konzept begeistern, und wenig später fand der erste Dreh in Belleville statt.

Die Show "Rachel Khoo - Paris in meiner Küche" beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der französischen Küche. Auf die Frage, ob sie Angst davor gehabt habe, sich an diese als äußerst anspruchsvoll geltende Küche zu wagen, lacht die 33-Jährige. "Nein, ich war ganz entspannt. In meinem kleinen Restaurant habe ich alle meine Rezepte vorab getestet." Das Geheimnis ihres Erfolges könnte vor allem in der Lebhaftigkeit ihrer Kochkunst liegen. Rachel Khoo verwendet für ihre Gerichte die für die Klassiker charakteristischen Zutaten, wandelt ihre Komposition aber ab und interpretiert sie so neu. Ihre Rezepte sollen einfach nachzukochen und fantasievoll sein.

Trotz der Vorurteile, mit denen sie als britische Köchin besonders in ihrer Pariser Anfangszeit konfrontiert war, fühlt sie sich inzwischen längst in der Metropole an der Seine angekommen. Ihre TV-Sendung läuft so erfolgreich, dass bereits ein neues Koch-Show-Format in Planung ist. "Rachel Khoo's Kitchen Notebook" wird unter dem Titel "Rachel Khoo - London in meiner Küche" auch bei Sixx zu sehen sein. Die ersten zehn Folgen sollen sich mit der Londoner Esskultur beschäftigen. In weiteren zehn Episoden bereist Rachel Khoo dann die Metropolen Europas - immer auf der Suche nach neuen kulinarischen Ideen, die sie in ihrem Notizbuch festhalten kann.

Bei diesem Eifer verwundert es nicht, dass sich die Britin als Geschäftsfrau begreift. "Ich bin nicht nur ein hübsches Gesicht vom Fernsehen, ich bin auch hinter der Kamera", sagt sie bestimmt. Zugleich aber ist es ihr wichtig, sich treu zu bleiben. "Ich möchte eine Fernsehsendung machen, die meine persönliche Sendung ist." Mit "Rachel Khoo - Paris in meiner Küche" ist ihr das auf sympathische Weise und äußerst überzeugend gelungen.

Quelle: teleschau - der mediendienst