The Raid 2

The Raid 2





Die Knochenbrecher-Paten von Jakarta

In welcher Kunstgalerie hat man diese Geometrie schon mal gesehen? Auf anthrazitfarbenem Untergrund unten ein graues Rechteck mit rotem Quadrat darauf, links lotrecht dazu ein schwarzes, kleineres Rechteck, und rechts noch etwas Undefinierbares. Erst wenn ein beweglicher Punkt hinzukommt, merkt man, dies ist kein eingeschobenes abstraktes Gemälde von Mondrian oder Klee, sondern weiterhin "The Raid 2": Hauptfigur Rama (Iko Uwais) verlässt gerade den Knast, Ansicht von oben auf Gebäude und Fahrzeuge. "The Raid 2" fällt mit seinen Schädel spaltenden Hämmern vielleicht noch gewalttätiger aus als der erste Teil, aber auf jeden Fall visuell wesentlich exzentrischer. Das ist wohl unvermeidlich bei einem - recht gewollt - tragisch angehauchten indonesischen Gangsterepos à la "Der Pate" und "Infernal Affairs", Scorsese und Tarantino.

Die regengesättigte Tristesse eines mit toten Elitepolizisten gefüllten Transporters erinnert an den Vorgängerfilm und setzt Signale. Erzählerisch macht Regisseur und Autor Gareth Evans weiter, wo er vor knapp zwei Jahren aufgehört hat. Stilistisch folgt er jedoch einem ambitionierteren Weg, den er damals nur andeutete.

Im ersten Teil trafen die ungleichen Brüder Andi (Donny Alamsyah), Krimineller, und Rama, Polizist, bei der Erstürmung eines Verbrecher-Hochhauses aufeinander und verbündeten sich. Im zweiten Teil lässt der kränkelnde Dandy-Gangsterboss Bejo (Alex Abbad) Andi per Pumpgun den Kopf wegblasen, und Rama schwört Rache. Der Auftrag, Jakartas Unterwelt zu unterwandern, um Polizeikorruption ungeheuren Ausmaßes aufzudecken, kommt ihm da natürlich sehr recht.

"The Raid 2" absolviert die Stationen, die das Genre Gangsterfilm vorzeichnet. Unter falscher Identität im Gefängnis, gewinnt Rama, der sich jetzt Yuda nennt, das Vertrauen des Mafiaboss-Sprösslings Uco (Arifin Putra). Als Rama sogar Ucos Leben rettet, paukt ihn dessen Vater Bangun (Tio Pakusadewo) nicht nur früher aus der Haft, sondern nimmt ihn auch in seine Reihen auf. Rama bekommt so die Frustration des Hitzkopfs Ucos zu spüren, dass sein Vater ihm keine größere Rolle in seiner Organisation gibt. Uco beginnt gegen den Patriarchen zu intrigieren und tut sich mit Bejo zusammen. Ein gnadenloser Bandenkrieg soll ihm den Weg zur Spitze ebnen.

Das Drama um Vergeltung und Verrat mit viel Ödipuskomplex-Anteil gibt große Gelegenheiten, die vielfältig schillernde indonesische Kampfkunst Pencak Silat knochenbrecherisch zu zelebrieren und brutalstmöglich choreographiert mit anderen Stilen und Waffengebrauch aller Art zu kombinieren. Anders als der in dieser Hinsicht rustikale erste "Raid"-Film richtet der zweite mit viel Pomp das Massakrieren als opulentes und dekadentes gastronomisches Event an. Man zerfetzt und durchbohrt sich bevorzugt im Nachtclub, im Imbiss und schlussendlich in der Küche eines Edelrestaurants, wo sich besonders gut ins Fleisch schneiden lässt.

Evans Geschöpfe sind dabei nicht mehr dumpf und archaisch, sondern haben Empfindungen. Diese in outrierten Kamerablicken, Zeitlupen und Freeze-Einstellungen mit Hintergrund-Grollen darzustellen, ist des Pathos und des Manierismus aber oft zu viel. Überdies müsste, wie im gemetzelstarken und ästhetisch verwandten Trauerspiel des deutschen Barock, mal der generell unbefriedigende Charakter von Gewalt hervortreten, damit, wie vielfach gefordert, von Kult oder gar Kunst der "Raid"-Filme die Rede sein kann.

Quelle: teleschau - der mediendienst