Hannes Jaenicke

Hannes Jaenicke





Umweltschutz betrifft jeden!

Mit seinen "Im Einsatz für..."-Dokumentarfilmen macht Schauspieler Hannes Jaenicke auf einzelne vom Aussterben bedrohte Tierarten aufmerksam. Sein Umweltschutzengagement geht jedoch weit darüber hinaus. Der 54-Jährige weiß, vor welchen großen Problemen und Aufgaben die Welt heute steht, und er wird nicht müde, seine Mitmenschen für alle möglichen Missstände zu sensibilisieren. Neben seiner Tätigkeit als Naturschutz-Aktivist ist der gebürtige Frankfurter weiterhin passionierter Schauspieler. Im Interview spricht er über seine neue Doku "Im Einsatz für Elefanten" (Donnerstag, 31.07., 22.15 Uhr, ZDF), seine Erfahrungen während seiner Reisen und darüber, was jeder Einzelne tun könnte oder sogar müsste. Für den engagierten Star steht jedenfalls fest: "Man sollte immer erst mal vor der eigenen Haustür kehren."

teleschau: "Im Einsatz für Elefanten" löst schon beim Zuschauen ein Wechselbad der Gefühle aus - zum einen findet man die Tiere süß und lustig, zum anderen ist ihr Schicksal wahnsinnig traurig. Wie ging es Ihnen bei den Dreharbeiten?

Hannes Jaenicke: Ganz genauso. Der Elefant ist ein absolut faszinierendes Tier - eine Mischung aus total süß und gewaltig: Allein aufgrund der Größe und des Gewichts hat man natürlich schon größten Respekt. Wir wissen allerdings, dass es im Moment in Afrika noch etwa 400.000 Exemplare gibt. Pro Jahr werden knapp 40.000 Tiere geschossen. Jeder Erstklässler kann also ausrechnen, wie lange es dieses Tier noch geben wird.

teleschau: Im Film wird erklärt, dass viele junge Elefanten geradezu traumatisiert sind, weil sie ihre Mütter sterben sahen und die Erinnerung nicht los werden. Haben auch Sie bei ihrer Arbeit für den Tier- und Umweltschutz in den letzten Jahren Dinge gesehen, die Sie bis heute verfolgen?

Jaenicke: Ja, die haben allerdings meistens mit Menschen zu tun. Als wir den Gorilla-Film im Kongo drehten, sahen wir Sachen, die man nicht unbedingt gesehen haben muss. Da tobt seit 17 Jahren ein Bürgerkrieg mit mittlerweile über sieben Millionen Toten, und die ganze Welt schaut weg. Mich wundert es schon, wie wir uns in unserer wohlhabenden westlichen Welt mehr dafür interessieren, was mit "Wetten, dass ..?" oder bei einer Fussball-WM passiert, statt dort hinzuschauen, wo es Leuten wirklich dreckig geht. Natürlich sieht man bei diesen Reisen Dinge, die man lieber nicht sehen würde. Andererseits ist das aber auch eine Bereicherung - man tickt einfach anders danach. Man kann auf den afrikanischen Wilderern beispielsweise so viel rumhacken wie man will, die tun das, was sie tun, oft nur, weil sie nichts zu Essen haben. Wir dagegen werfen 50 Prozent unserer produzierten Lebensmittel einfach weg.

teleschau: Bevor wir lernen, mit den Tieren um uns herum fair umzugehen, müssen wir also erst lernen, mit unseren eigenen Artgenossen fair zu sein?

Jaenicke: Ich mache da keinen großen Unterschied - wir sind auch nur ein Lebewesen unter vielen. Und gerade Elefanten sind uns erschreckend ähnlich in ihrem Verhalten.

teleschau: Aber würde es die Lage der Elefanten nicht erheblich verbessern, wenn die Wilderer nicht das 15-Fache eines Bauern-Jahresgehaltes für einen einzigen Stoßzahn bekämen?

Jaenicke: Das ist wahr. Wir betrachten Afrika immer noch als reine Plünderstätte für Rohstoffe und Agrarprodukte. Wir denken auch nicht darüber nach, warum jede Nacht Tausende Afrikaner versuchen, über Lampedusa nach Europa zu fliehen. Das machen sie ja nicht aus Spaß, sondern weil sie da unten faktisch verhungern. Da wird viel zu wenig unternommen. Es sollte auch nicht nur darum gehen, Nahrungscontainer oder dergleichen zu verschicken. Man müsste den Bewohnern der ärmsten Länder nichts weiter geben als ein Stück Bildung. Die EU investiert 3.5 Millarden Euro im Jahr, um die Afrikaner aus Europa herauszuhalten. Wie wäre es denn, wenn wir dieses Geld in Schulprojekte vor Ort stecken würden? In der Entwicklungshilfe passiert zu wenig und wenn, dann das Falsche.

teleschau: Was macht die Politik, beziehungsweise was müsste von deren Seite aus passieren?

Jaenicke: Obama hat bereits öffentlich den Elfenbeinbestand der USA vernichtet. Frankreich ebenso. Selbst die Chinesen, die weltweit größten Abnehmer auf dem Elfenbeinmarkt, haben öffentlich knapp sieben Tonnen Elfenbein vernichtet. In Deutschland sagt man nur, wir hätten kein Elfenbein. Das ist aber vollkommener Quatsch. Wir lassen auch nach wie vor auf brutalste Art abgerichtete Elefanten in Zirkussen auftreten. Zirkus Krone wirbt mit einer Elefantennummer, bei der dressierte Elefanten mit einem Krönchen auf dem Kopf Handstand machen. So etwas ist hierzulande erlaubt, im Gegensatz zu Österreich beispielsweise. Das zeigt, dass wir keinerlei Respekt vor diesen Tieren haben. Du darfst Raubkatzen durch brennende Reifen springen lassen und sie nach der Show in einen winzigen Käfig sperren. Es müsste an der gesamten Umwelt- ,Tier- und Naturschutzfront viel mehr passieren.

teleschau: Was genau?

Jaenicke: Wir reden unentwegt von einer Energiewende, die nicht stattfindet. Wir heizen dem Eisbären, den wir alle unheimlich süß finden, wenn er in Form von Knut im Berliner Zoo herumtanzt, den Lebensraum weg. Warum? Weil wir alle Klimaanlagen benutzen, möglichst dicke Geländewagen fahren und im Winter heizen, bis der Doktor kommt. Es gäbe so unendlich viel zu tun. Man sollte nur nicht darauf warten, dass die Politik etwas tut. Die hat genug Baustellen. Es ist viel zu einfach und bequem zu sagen, die Industrie oder die Politik sollen da mal was machen. Der Endverbraucher sollte etwas tun. Wir treiben doch den Markt voran. Man sollte immer erst mal vor der eigenen Haustür kehren.

teleschau: Viele Leute misstrauen Umweltschutz-Organisationen, weil undurchsichtig ist, wohin die Gelder gehen...

Jaenicke: Wo Menschen im Spiel sind, werden auch Fehler gemacht werden. Aber wenn man immer nur die faulen Äpfel betrachtet, dann haben die anderen natürlich gar keine Chance mehr. Ich bin bei meinem ersten Dokumentarfilm auch tierisch auf die Fresse gefallen: Nach dem Film wurden über eine Millionen Euro an eine Organisation zum Schutz von Orang-Utans gespendet - von 11.000 Euro wissen wir, dass sie am richtigen Ort angekommen sind. Ein Debakel! Seitdem schaue ich mir jede Organisation ganz genau an. Ich fahre zu denen und lasse mir zeigen, was sie genau machen.

teleschau: Könnten Sie sich vorstellen, einen Film in Deutschland zu drehen? Beispielsweise ein "Im Einsatz für Zirkustiere"?

Jaenicke: Lustig, dass Sie das fragen: Ich versuche gerade, genau dieses Thema im ZDF unterzubringen und hoffe, den Film nächstes Jahr machen zu können. Im Endeffekt ist es genau das Gleiche: Der Stoßzahn wird dem Elefanten rausgehackt, um Geld zu verdienen. Der Zirkus-Elefant wird aus keinem anderen Grund grausam abgerichtet. Ich bin sogar der Meinung, dass der Elefant, der in der Serengeti geschossen wird, es wohl besser hat, als derjenige, der lebenslang in einem viel zu kleinen Gehege im Zoo oder Zirkus gehalten wird und im letzteren Fall jeden Abend auch noch auftreten muss.

teleschau: Im Film sagen Sie aber, dass Ihr eigener Zugang zu Elefanten auch durch Zoos und Zirkusse entstanden sei. Schließlich tragen diese Einrichtungen ja auch ihren Beitrag zur Arterhaltung bei...

Jaenicke: Ich bin definitiv kein radikaler Zoo-Gegner, so lange man die Tiere halbwegs artgerecht hält! Es gibt Tiere, die haben dort nichts zu suchen: Delfine zum Beispiel. Der Zoo ist andererseits eine großartige Einrichtung, um zu informieren und Kinder an Natur- und Umweltthemen heranzuführen. Und Zirkus ist wunderbar, so lange dort keine Tiere auftreten müssen.

teleschau: Fühlen Sie sich durch ihre vielfältigen Tätigkeitsbereiche nicht manchmal überlastet?

Jaenicke: Ich würde das alles nicht machen, wenn es mir keinen Spaß machen würde. Ich drehe seit 30 Jahren Filme und werde das auch weiterhin machen, einfach weil ich die Schauspielerei liebe. Nach einer Weile bekommt man aber das Bedürfnis, neben den Unterhaltungsfilmen auch etwas Sinnvolles fürs Fernsehen zu machen. Ich mag Unterhaltung, wollte dieses Medium aber auch noch anders nutzen. Und wenn ich selber mal nachts durch die Kanäle zappe, bleibe ich meistens bei Dokumentationen hängen, häufiger als bei Filmen. Das Genre ist einfach toll: informativ, spannend und qualitativ oft besser als viele Filme. Deutsche Dokumentation sind fast immer auf internationalem Niveau, was man vom deutschen Spielfilm nicht unbedingt immer behaupten kann.

teleschau: Für ihr neues ARD-Spielfilm-Projekt "Kleine Familie, große Baustelle" hatten Sie selbst die Idee ...

Jaenicke: Der Titel ist nur ein Arbeitstitel. Eigentlich soll der Film "Alles Gute kommt aus Polen" heißen. Es ist eine Komödie zum Thema Osterweiterung. Spätestens seit Horst Seehofers Spruch "Wer betrügt, der fliegt" ist es an der Zeit, etwas Lustiges über die uns angeblich immer abzockenden Osteuropäer zu machen.

Quelle: teleschau - der mediendienst