Palina Rojinski

Palina Rojinski





Der Reiz des Skurrilen

Palina Rojinski hat den Sprung in die seriöse Fernsehunterhaltungsbranche geschafft - na ja, fast. Denn wenn sich die Schauspielerin und Moderatorin heute auch nicht mehr als Sidekick von Joko und Klaas an Peinlichkeiten à la den eigenen Pups anzünden wagt, führt sie doch weiter durch mitunter skurrile TV-Formate wie zuletzt "Crazy Dates", eine Sendung, in der junge Frauen Männer in Tierkostümen kennenlernen. Und es geht weiter. Die umtriebige 29-Jährige kommt in "Offline" (ab 17. Juli, donnerstags, 22.30 Uhr, ProSieben) und "Got To Dance" (auch ab 17. Juli, donnerstags, 20.15 Uhr, ProSieben und freitags, 20.15 Uhr, SAT.1) zum Zug und hat das Zeug, zum Sommermädchen dieses Jahres zu avancieren. Im Interview spricht Palina Rojinski über ihre Jugend als rhythmische Sportgymnastin, ihre plötzliche Fernsehkarriere und ihre schärfste Waffe auf dem Weg nach oben: Schmerzfreiheit.

teleschau: Palina Rojinski, nehmen wir an, wir wären in einem Bewerbungsgespräch, einem Casting für den weltbesten Entertainment-Job beim weltbesten Fernsehsender zur Prime-Time. Sie wollen den Job unbedingt. Wie preisen Sie sich an?

Palina Rojinski: Oh, das würde ich gar nicht machen. Zu solch einem Bewerbungsgespräch gehe ich gar nicht erst hin.

teleschau: Weil Sie finden, dass längst jeder Ihre Vorzüge kennen sollte?

Rojinski: Nein, ich finde es einfach schwierig, irgendwo hinzukommen und zu sagen: Ich bin so und so, ich kann das und das - ihr braucht mich!

teleschau: Dann anders: Was sind Ihre negativen Eigenschaften?

Rojinski: Ich bin gleichzeitig geduldig und ungeduldig, wobei ich weder das eine noch das andere wirklich als negative Eigenschaft betrachte. Aber: Ich bin gerne mal zu spät, weil ich noch irgendwas erledige - einen Text verändern, einen Nagel anmalen, irgendwas halt. Zeitmanagement ist etwas, das ich gerne besser können würde.

teleschau: Empfinden Sie sich als sehr selbstkritisch?

Rojinski: Ich glaube, ich habe eine gesunde Portion Selbstreflexion. Ich kriege schon mit, wenn ich etwas verkacke, und zwar schon im Prozess des Verkackens.

teleschau: Wie verarbeiten Sie Ihre Fehler dann?

Rojinski: Ich nehme sie an. Fehler gehören dazu, niemand ist frei davon. Und: Ohne Fehler würde man ja auch nichts lernen.

teleschau: Was ist mit Selbstdisziplin?

Rojinski: Die ist vorhanden, aber die beinhaltet bei mir auch, dass ich mal undiszipliniert sein darf.

teleschau: Stammt Ihre Disziplin noch aus der Zeit vor der Fernsehkarriere? Aus dem Leben als Leistungssportlerin in der Kindheit und Jugend?

Rojinski: Na ja, damals war es so, dass ich immer dann, wenn ich die Wettkampfphase hinter mir hatte, leben wollte wie im Schlaraffenland. Ich habe mir sehr viel Eiscreme gekauft und mich zusätzlich mit Schokolade vollgestopft. Ich wollte halt beides: Sport und Süßes. Ich erinnere mich noch gut an eine Szene: Ich stehe auf der Straße mit meinem eben gekauften Eis, will mich ans Essen machen und sehe gerade noch, wie meine Trainerin um die Ecke kommt.

teleschau: Wie haben Sie reagiert?

Rojinski: Ich habe mir das Eis in die Jackentasche gesteckt und so getan, als wenn nichts wäre.

teleschau: Was hat Sie damals eigentlich angetrieben, so streng zu sich zu sein und jeden Tag hart zu trainieren?

Rojinski: Ich wollte das Talent, das ich hatte, auch nutzen. Ich wollte einfach gut sein in dem, was ich mache.

teleschau: Und Sie wollten unbedingt zu Olympia, heißt es. Bis Sie sich schließlich für eine andere Karriere entschieden. Wann wurde das Fernsehen zu Ihrem Olympia?

Rojinski: Erst, als ich bei "MTV Home" mitgemacht habe. Wobei selbst das nicht wirklich geplant war. Ich wurde irgendwann angerufen, bin da hingegangen, und dann ging's los.

teleschau: Wollten Sie danach auch gleich mehr? Mehr Auftritte? Mehr Sendezeit?

Rojinski: Damals war ich zumindest nicht so drauf, dass ich unbedingt eine eigene Sendung haben wollte. Ich hatte auch noch nie so eine Höher-Schneller-Weiter-Einstellung. Ich habe immer sehr darauf geachtet, dass alles gesund wächst.

teleschau: Gar nicht so leicht, in der Medienbranche gesund zu wachsen, oder?

Rojinski: Ach, es bleibt ja letztlich einem selbst überlassen, was man in diesem Geschäft macht und was nicht. Bei mir lief es jedenfalls ganz okay.

teleschau: Was Ihnen auf Ihrem bisherigen Karriereweg sicher geholfen hat, ist Ihre vermeintliche Schmerzfreiheit.

Rojinski: Ja, das stimmt. Ich bin schon schmerzfrei. Aber manchmal bin ich auch ganz schüchtern.

teleschau: Schüchtern?

Rojinski: Ja, bin ich wirklich.

teleschau: In welcher Situation zuletzt?

Rojinski: Zum Beispiel, als ich in einem Hotdog-Kostüm durch Reykjavik gelaufen bin. Oder als ich in London auf einer Gay-Party in einem Fat-Suit die Bühne gestürmt und eine Performance hingelegt habe. Ich habe mich paniert. Ich habe mich von links nach rechts über die Bühne gerollt.

teleschau: Wie schaffen Sie es, solche Situationen auszuhalten?

Rojinski: Vorher denke ich immer: Das geht gar nicht, das kann ich nicht bringen. Und dann denke ich plötzlich doch: Augen zu und durch!

teleschau: Viele Leute gucken sich das im TV gerne an, haben geradezu Lust, sich fremdzuschämen. Sie eigentlich auch? Gucken Sie sich gerne Sendungen an wie jene, die Sie selbst machen?

Rojinski: Bei Joko und Klaas denke ich mir schon manchmal: Auweia! Aber ich gucke es mir an, weil ich die beiden mag, weil sie mich gut unterhalten, und weil ich einfach neugierig bin, was sie als nächstes anstellen.

teleschau: Gibt es Dinge, die Sie bei den beiden gesehen haben, und die Sie selbst auf keinen Fall machen würden?

Rojinski: Ich würde mir weder den Mund zunähen, noch einen Donut in die Stirn spritzen lassen.

teleschau: Kaum bis gar kein Fremdschampotenzial ist nun in den aktuellen Sendungen mit Ihnen zu finden, angefangen mit "Got To Dance" über die Date-Doku "Crazy Dates" bis "Offline", einen Format, in dem Sie in fremden Ländern Aufgaben ohne Internetzugang erledigen. Wollen Sie womöglich ganz raus aus der TV-Trash-Ecke?

Rojinski: Ich sehe das eigentlich nicht wirklich als Trash-TV. Es ist halt zum Teil etwas skurril, was wir bei "Circus HalliGalli" machen. Und na ja, "Crazy Dates" ist ja schon auch ein bisschen verrückt - ein Date mit einem Esel oder einem Hahn, das gab es so noch nicht. Das hat mich gereizt, genau wie das Rumreisen mit den Kandidatinnen, die sich mit Jungs in Tierkostümen treffen. Das ist, als würde ich gute Freundinnen in Männersachen beraten.

teleschau: Und warum sollten Zuschauer "Offline" einschalten?

Rojinski: Weil es wie ein City-Trip ist. Ich reise für ein Wochenende ohne Handy und Kreditkarte in eine neue Stadt. Für die Zuschauer ist es, als würden sie neben mir durch diese Stadt spazieren, und als würden ihnen genau dieselben Dinge passieren wie mir. Und auch die sind zum Teil ziemlich schräg, weil man sich ganz schön was einfallen lassen muss, um in einer fremden Stadt ohne Kohle und eben ganz ohne die vielen technischen Geräte, die für uns im Alltag selbstverständlich sind, auszukommen.

teleschau: Wie war das für Sie?

Rojinski: Voll cool! Wobei: Ich gebe zu, ich hätte das ein oder eine schon gerne gepostet. So was wie: "Ey, ich bin gerade in Reykjavik und die Sonne geht nicht unter!" Ging ja aber nicht.

teleschau: Was haben Sie durch die Zeit ohne Internet gelernt?

Rojinski: Anders Leute kennenzulernen - mal abgesehen davon, dass ich sowieso viel mehr Menschen kennengelernt habe also sonst. Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass ich und die Leute um mich herum die Handys ab und zu mal beiseite legen und es zumindest in Momenten wie einem gemeinsamen Abendessen nicht beachten. Das wäre doch sehr schön.

Quelle: teleschau - der mediendienst