Wayne Carpendale

Wayne Carpendale





No risk no fun

Obwohl Wayne Carpendale bisher nur sehr wenig Erfahrung als Moderator gesammelt hat (2006 für die RTL-Show "Dancing on Ice") und hauptsächlich als Schauspieler in Serien wie der "Der Landarzt" oder für Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen vor der Kamera stand, hat der 37-Jährige keine Angst vor der neuen Herausforderung. Ab Mittwoch, 30. Juli, wird der gebürtige Kölner die Neuauflage von"Deal or no Deal" präsentieren, und er ist überzeugt, dass die 2008 abgesetzte Spielshow rund um 25 Geldkoffer gute Chancen hat, ein gelungenes Comeback zu erleben. Am Rande der Proben für die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg berichtet der Schauspieler und Moderator von seinem Bühneneinsatz als "Old Shatterhand", von seiner Ehe zur ProSieben-Moderatorin Annemarie Carpendale (geborene Warnkross) und erklärt, warum er an das Konzept des angestaubten Klassikers "Deal or no Deal" glaubt und wie es um sein persönliches Zockerverhalten bestellt ist.

teleschau: Gibt es Änderungen in der Show "Deal or no Deal", die bereits 2005 bis 2008 von Guido Cantz moderiert wurde, oder wird das Konzept eins zu eins übernommen?

Wayne Carpendale: Es wird einige Änderungen geben, weil sich die Show natürlich weiterentwickeln soll. Ich musste vor allem erst mal verarbeiten, dass die Koffer-Models nicht mehr dabei sind. (lacht)

teleschau: Was ist noch neu?

Carpendale: Neu ist auch, dass es mehrere Kandidaten pro Show geben wird. Und obwohl wir das Tempo steigern, wird der Zuschauer mehr über unsere Kandidaten erfahren, als bisher. Das Bild mit den 25 Models auf der Treppe war zwar schön, aber in den letzten Jahren hat sich das Fernsehen mehr in Richtung Gefühle und persönliche Geschichten entwickelt.

teleschau: Wie werden die Geldkoffer denn in Zukunft hereingetragen, wenn dies nicht mehr von den Models erledigt wird?

Carpendale: Lassen Sie sich überraschen, ein paar Geheimnisse muss es ja noch geben (lacht). Aber das Grundgerüst der Sendung, dass man 250.000 Euro gewinnen kann, dass man zocken muss und dass der Bänker alles tun wird, um den Kandidaten ihre Koffer abzukaufen, damit sie vorzeitig aussteigen, bleibt bestehen. Darüber hinaus geht es noch um das Menschliche: Warum will der Kandidat das Geld gewinnen? Was sind seine Träume und Ziele? Seine Familie und Freunde werden auch wie damals mit im Studio sein. Dadurch lernt man den Kandidaten besser kennen. Und natürlich erfährt man durch die Entscheidungen, die er nach jeder Runde trifft, also durch sein Zockverhalten, eine Menge über ihn. Das macht ja die Show aus. Macht er einen sicheren Deal oder geht er auf Risiko?

teleschau: Wie sieht es denn mit Ihrem Zockverhalten aus?

Carpendale: Statistik war in der Schule und im Studium mein Lieblingsfach, also bin ich da eher analytisch veranlagt, als mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Gerade beim Pokern mit meinen Kumpels schaue ich ruhig dabei zu, wie die anderen sich gegenseitig rauskicken und versuche dann am Ende aufzutrumpfen. Ja, das ist langweilig, aber erfolgversprechender. Bei uns geht es da nicht um extrem hohe Einsätze, aber ein bisschen wehtun muss es schon, sonst ist es ja kein Zock. Und das wiederum ist das Schöne an "Deal or no Deal". Der Kandidat setzt nicht sein eigenes Geld, aber es fühlt sich an, wie das eigene, wenn der Bänker dir 10.000 Euro sicher in die Hand verspricht, aber 250.000 Euro in deinem Koffer drin sein könnten.

teleschau: Ein bisschen Nervenkitzel muss also sein. Den bekommen Sie ohnehin automatisch mit "Deal or no Deal" mitgeliefert, da es sich um ein altes Showformat handelt, das aus der Schublade geholt wird. Es wird gemunkelt, dass die Sendung damals wegen schlechter Quoten eingestellt wurde. Haben Sie Angst, zu scheitern?

Carpendale: Nein. Es stimmt natürlich, dass es die Show schon mal gab. Fakt ist aber auch, dass sie sehr erfolgreich war. Man kann natürlich immer so tun, als würde man brandneue Shows auf den Markt bringen. Aber um ehrlich zu sein, ist es meistens eine neue Verpackung mit schon dagewesenem Inhalt. Da präsentiere ich doch jetzt lieber das Original. Zumal die Marke "Deal or no Deal" nach wie vor sehr stark ist. Das merkt man an den positiven Reaktionen auf das Comeback. Es ist eine Show, auf die sich die Menschen freuen, vielleicht sogar gerade, weil es sie eine Zeitlang nicht gab. Manchmal brauchen Dinge einfach eine kleine Pause.

teleschau: Sie konzentrieren sich jetzt erst einmal auf Bad Segeberg und "Deal or no Deal" - oder sind schon weitere Projekte geplant, wie zum Beispiel ein Film?

Carpendale: Zum Ende des Jahres werde ich noch kleinere Rollen in einem Kinofilm, einer Serie und einem Fernsehfilm übernehmen, aber das fühlt sich alles noch weit weg an. Während der Proben in Bad Segeberg haben wir zwölf Stunden am Tag durchgeackert. Man wird körperlich sehr stark gefordert, sitzt den ganzen Tag auf Pferden, läuft durch den Sand der Arena, kämpft, macht Schauspieldurchläufe ... Jetzt haben wir die Premiere hinter uns, sind im ganz normalen Spielbetrieb, also sieben Shows von donnerstags bis sonntags. Und dazwischen moderiere ich "Deal or no Deal". Das beansprucht mich erst mal voll und ganz. Dann gibt es ja noch ein Privatleben. Meine Frau war während der WM in Brasilien. Jetzt ist sie zurück, da wollen wir unsere frisch gebackene Ehe auch ein bisschen genießen.

teleschau: Sie haben sich auf Ibiza das Jawort gegeben. Warum dort?

Carpendale: Anne und ich sind viel gereist, aber Ibiza hat uns immer besonders beeindruckt. Dort haben wir uns verliebt und mit Ibiza verbinden wir viel Vergangenheit. Sonne, Strand, gute Laune auf einer traumhaften Insel, die nicht nur Party kann, sondern auch die romantischsten Ecken hat, die man sich nur vorstellen kann. Damit war die Entscheidung klar.

teleschau: Haben Sie ein Geheimnis, wie Sie Ihr Privatleben schützen und noch Zeit für Zweisamkeit finden?

Carpendale: Bei derselben Sendergruppe arbeiten! (lacht) Jetzt können wir einige berufliche Termine gemeinsam wahrnehmen. Wenn beide Partner beruflich viel unterwegs sind, dann muss man auch mal weite Strecken auf sich nehmen, um den anderen zu sehen. Anne hat mich oft bei Dreharbeiten im Ausland besucht und kommt diesen Sommer fast jedes Wochenende nach Bad Segeberg. Nach Los Angeles, von wo aus sie für ProSieben von der Oscar-Verleihung berichtet, begleite ich sie wiederum fast jedes Jahr. Das klingt ganz toll, kann aber manchmal auch sehr anstrengend sein, weil wir dadurch fast ständig im Flieger sitzen. Aber ein wenig Distanz muss ja nicht immer schlecht für eine Beziehung sein. Das hält frisch.

teleschau: Während der Karl-May-Spiele brauchen Sie sich ja momentan nicht um Ihre körperliche Fitness sorgen, oder?

Carpendale: Das ist echt anstrengende, körperliche Arbeit hier. Aber irgendwie ist es auch ein riesiger Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Wir sind den ganzen Tag draußen, reiten, schauspielern, treiben Sport - und am Ende jubeln uns bis zu 8.000 Menschen pro Vorstellung zu. Es gibt kaum einen Job, der mir mehr Spaß macht. Insbesondere in der Kombination mit "Deal or no Deal". Denn damit mache ich gerade zwei total unterschiedliche Projekte, die aber beide sehr positiv behaftet sind und den Menschen gute Laune machen. Das gibt mir viel Energie.

teleschau: Sie klingen auch sehr energiegeladen und entspannt ...

Carpendale: Ich laufe momentan auch von einem Termin zum nächsten. Aber dieses Interview stand heute ganz dick in unserer Tagesdisposition, und deshalb habe ich gerade die ganze Arena für mich, um mit Ihnen zu telefonieren - bis auf zwei Mitarbeiter, die den Sand bewässern. Gerade ist es sehr idyllisch hier, aber gleich kommen auch wieder die Stuntleute fürs tägliche Training, und dann wird sich hier geprügelt (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst