Robin Thicke

Robin Thicke





Hohn hilft gegen Herzschmerz nicht

Ganz ungewohnte Töne schlägt Robin Thicke auf seinem neuen Album an. "Paula" hat er es genannt. Die Lieder tragen Namen wie "Still Madly Crazy", "Love Can Grow Back" oder "Forever Love". Und das kommt alles nicht von ungefähr. "Paula", das ist der Vorname seiner Ehefrau Paula Patton. Die Schauspielerin hat sich im Februar dieses Jahres von Thicke getrennt. Die 14 Songs und gerade die erste Single-Auskopplung "Get Her Back" führen nun sein klares Ziel vor jedermanns Augen: Thicke will Paulas Liebe zurückgewinnen. Ob die sich von ihrem weinerlichen Ex erweichen lässt?

Im Video zu "Get Her Back" gibt er schon mal alles: Mit verschrammtem Gesicht und blutiger Nase steht er im Dunkeln, mit freiem Oberkörper und tief traurig. Am Ende hält er sogar seine Hand samt Ehering in die Kamera. "I never should've raised my voice, or made you feel so small", versucht er im Text, seine Fehler zu analysieren, "I never should've asked you to do anything at all." Vorgetragen wird dies natürlich mit seiner leicht rauchigen, angenehm einlullenden Singstimme. Eigentlich ja herzerweichend, sollte man meinen.

Eine Wiedervereinigung von Robin und Paula wäre schon hollywoodreif. Dieses Traumpaar! Beide haben sich kennengelernt, als er 14, sie 15 war, in einer Disko für Unter-21-Jährige. Er habe sie damals angesprochen und zum Tanzen aufgefordert. Zwei Jahre später waren sie offiziell ein Paar, 2005 dann die Hochzeit, Sohn Julian Fuego kam 2010 zur Welt. Doch Thicke werden trotz allem bei seinen Zurückeroberungsversuchen keineswegs die weiblichen Daumen gedrückt. Ganz im Gegenteil. Ein Shitstorm zog die Tage auf. Und das liegt nicht (nur) an der gewohnten Gehässigkeit der Twitter-User und YouTube-Kommentar-Schreiber. Der Mob hat seine Gründe.

Zum einen wäre da Thickes Gejammer in den letzten Wochen. Bei den BET-Awards zum Beispiel widmete der Sohn zweier Schauspieler seiner Paula die Gesangseinlage: "Ich vermisse dich, es tut mir leid, und dieser Song heißt 'Forever Love'", schluchzte er noch, bevor er den Flügel vor sich erklingen ließ. Während des Liedes, das sich natürlich auch auf der neuen Platte befindet und dort an letzter Stelle den Schmalz-Höhepunkt ausmacht, kam er zweimal ins Stocken. Tränen liefen über die Bäckchen des Hollywood-Kindes. Am Ende des Vortrags erhellte nur noch der Schriftzug "Paula" die Bühne, gemeinsam mit einem Bild des vermeintlichen Traumpaares, herzhaft küssend. Das war nicht der einzige Auftritt dieser Art vor der Albumveröffentlichung. Anfängliche Mitleidsbekundungen im Netz haben sich auch deshalb mittlerweile in kollektiven Brechreiz gewandelt.

Dabei ist es nicht nur dieses Selbstmitleid, das die Menschen wütend zu machen scheint. Bei einer Twitter-Promo-Aktion kamen schon fast vergessene Vorwürfe gegenüber dem Star wieder ans Tageslicht. Der Sänger wollte über die Plattform, auf der er zuletzt auch immer wieder herzzerreißende Songstellen aus "Paula" postete, Fan-Fragen beantworten. Unter dem Hashtag "#AskThicke" fragten seine Follower allerdings nicht nach dem Befinden und seinem Trennungsschmerz. Ins Auge stachen vor allem Einträge wie: "Wenn du nicht gerade damit beschäftigt bist, Frauen zu Objekten zu degradieren, Vergewaltigungen zu verharmlosen oder sexuelle Gewalt zu verteidigen, wie entspannst du dich gerne?" oder "Hast du wirklich eine Vergewaltigungshymne als Liebeslied für deine Frau geschrieben und wunderst dich immer noch, warum sie dich verlassen hat?"

Mit der "Vergewaltigungshymne" ist der letztjährige Smash-Hit "Blurred Lines" gemeint. Das Lied geht wahrlich nicht zimperlich mit dem weiblichen Geschlecht um. Manche Mädchen müssten eben gezwungen werden, um in den Genuss zu kommen, mit einem Hengst wie Thicke in die Kiste zu steigen - so die Message des Liedes. "Das ist lächerlich", verteidigte sich der Musiker der "BBC". "Für mich dreht es sich um die unscharfe Trennung zwischen Mann und Frau und wie sehr wir uns eigentlich gleichen", - beide seien eben auf dasselbe aus. Dass die Fragerunde schnell abgebrochen wurde, kann man sich denken.

Dass Thicke so offen über Sex spricht, war nicht immer so. Lange Zeit galt der Songschreiber, der auch schon für Künstler wie Brandy, Christina Aguilera, Pink oder Usher textete, eher als braver Vertreter des "Blue Eyed Soul". Erst mit dem 2009-er Album "Sex Therapy" wurde es anzüglicher in seinem lyrischen Kosmos. In den USA war Thicke bereits damals ein Star. Seit der zweiten Platte, "The Evolution Of Robin Thicke" (2006), veröffentlicht der heute 37-Jährige bei Pharrell Williams' Label Star Trak - keine schlechte Kaderschmiede. In Europa kam der Erfolg erst mit "Blurred Lines". Und nicht nur da. In 65 Ländern war das Lied auf Platz eins.

Ob die Anzüglichkeit des Songs und des dazugehörigen Videos, in dem drei Nacktmodels Thicke den Hof machen, der Anfang vom Ende der Traumehe war? Angeblich hatte Patton nie ein Problem mit dem Lied: "Wenn sie den Video-Clip nicht abgesegnet hätte, hätte ich ihn nicht gedreht", sagte er damals und ließ wie so oft in Interviews Schlafzimmer-Geschichten und -Details folgen. Der Grund der Trennung muss wohl ein anderer sein. Gerüchten um eine Affäre widersprach er vehement. Vielleicht lag es wirklich daran, dass er zu Hause zu oft zu laut wurde und nicht in den rechten Momenten seine Schulter anbot. Darin sieht zumindest er die Crux, wie auf "Paula" mehrmals zu hören ist. Ob das die Leute nach all dem Heckmeck überhaupt noch interessiert, werden die Plattenverkäufe zeigen. Ob der Sänger seine Paula zurückgewinnen kann, ist ebenso ungewiss. Die hält sich übrigens im Gegensatz zu ihrem (Noch-)Mann bisher souverän bedeckt.

Quelle: teleschau - der mediendienst