Amiaz Habtu

Amiaz Habtu





Fangt an nachzudenken!

Amiaz Habtu ist dem VOX-Zuschauer als lustiger, lockerer Moderator der Straßenquiz-Show "Wer weiß es, wer weiß es nicht?" bekannt. Auch bei ZDFneo führt der 36-Jährige mit viel Humor durch die Sendung "Abgefahren". Nun gab ihm der öffentlich-rechtliche Spartensender die Chance, sich einem ernsten Thema zu widmen: Der gebürtige Afrikaner moderiert am Donnerstag, 10. Juli, 22.15 Uhr, die einmalige Sendung "Der Rassist in uns": ein originelles, mutiges Format, das mithilfe von ahnungslosen Probanden das Entstehen und die Wirkung jeglicher Diskriminierung aufzuzeigen versucht. Dabei konnte der Moderator auch noch einiges dazu lernen. Denn obwohl er selbst Kind von Kriegsflüchtlingen ist, sei auch er nicht vor unüberlegten Aussagen gefeit.

Woher kommen Vorurteile, und warum gibt es Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Religion, sexueller Neigung oder anderer Gründe? Und wie fühlt es sich an, diskriminiert zu werden? In den 60er-Jahren versuchte die amerikanische Grundschullehrerin Jane Elliot, ihren Schülern mithilfe eines Selbstversuchs zu zeigen, wie die Mechanismen des Rassismus funktionieren: Die Blauäugigen wurden ohne ersichtlichen Grund für ein paar Stunden unterdrückt, während den Braunäugigen durch zweifelhafter Thesen klargemacht wurde, sie seien etwas besseres. Dieses Workshop-Prinzip wurde nun für die ZDFneo-Sendung "Der Rassist in uns" mit Erwachsenen durchgezogen. Moderator des Selbstversuchs ist Amiaz Habtu. Über Monitore beobachtet er, wie sich die Braun- und Blauäugigen verhalten und bespricht die Beobachtungen mit Experten.

Spezielle Erwartungen hatte der Kölner keine: "Ich hatte das Interesse, etwas Neues kennenzulernen und bin im Nachhinein sehr dankbar dafür, dass ich diese Sendung moderieren durfte." Denn obwohl er im Alter von zwei Jahren als Kind von Kriegsflüchtlingen aus dem afrikanischen Eritrea nach Deutschland kam, erlebte Habtu Diskriminierung nie am eigenen Leib: "Das liegt aber, denke ich, auch daran, dass ich ein Typ bin, der auf die Menschen zugeht." Diese offene, lustige Art habe er von seinem Vater geerbt: "Mit dieser Art und Weise schafft man es auch, Menschen für sich zu öffnen. Ich kann mich erinnern, dass wir, als ich ein kleines Kind war, relativ schnell befreundete deutsche Familien hatten, die uns geholfen haben."

Integration, das ist für Amiaz Habtu kein einseitiger Akt: "Da gehören zwei Parteien dazu - und wenn man es schafft, sich zu integrieren, funktioniert auch alles andere." Seine Eltern hätten sich dahingehend schnell integriert, indem sie sehr früh Deutsch lernten: "Nach einem Jahr konnten beide schon so gut Deutsch, dass sie sich verständigen konnten. Das ist eben das A und O, wenn man in einem fremden Land lebt", sagt der 26-Jährige.

Dennoch weiß der Moderator, dass das Leben in Deutschland für seine Eltern anfangs sicher nicht immer einfach war: "Wenn man sich als Deutscher vorstellt, Deutschland zu verlassen und in ein fremdes Land zu gehen, ohne Geld und ohne jemanden zu kennen, dann ist das erst mal eine scheinbar ausweglose Situation - aber immer noch besser als Krieg und der drohende Tod. Ich denke, man lernt, damit umzugehen."

Obwohl Habtu weiß, wie schwer es manchen Menschen gemacht wird und wie verletzend nur ein beiläufiger Satz sein kann, konnte auch er neue Erkenntnisse aus dem Workshop ziehen: "Wenn man nur anfängt, darüber nachzudenken, was man eigentlich tagtäglich macht und sagt, ist man schon auf dem richtigen Weg. Bei mir ist das ja genauso." Die persönliche Geschichte eines der Teilnehmer, öffnete dem 36-Jährigen besonders die Augen: "Ein homosexueller Fußballer, der uns erzählt hat, dass er jahrelang in einem Verein als integriertes Mitglied spielte und ausgegrenzt wurde, sobald er sich geoutet hatte. Das war für mich eine Blickwinkelveränderung. Hätte ich diesen einen Menschen nicht kennengelernt, hätte ich seinen Blickwinkel nicht verstanden. Dafür bin ich dankbar."

Quelle: teleschau - der mediendienst