Axel Prahl

Axel Prahl





"Du bist gut, genau wie du bist"

Gemeinsam mit Jan Josef Liefers, der den Pathologen Karl-Friedrich Boerne spielt, bildet Axel Prahl als Kommissar Frank Thiel das seit Jahren erfolgreichste "Tatort"-Duo: Die Münsteraner Ermittler locken oft über zehn Millionen Zuschauer vor die Fernseher. Doch der 54-jährige Schauspieler und Musiker lässt nicht auf diese Rolle reduzieren. Am Theater, im Fernsehen ("Schlafende Hunde", "Die Polizistin"), im Kino ("Halbe Treppe"): Axel Prahl ist vielseitig und immer ein Ereignis. Aktuell ist der vierfache Vater in Neele Vollmars Kinderfilm "Rico, Oskar und die Tieferschatten" (Kinostart: 10. Juli) als kauziger Hausmeister zu sehen.

teleschau: Herr Prahl, Sie haben selbst Kinder. Warum würden Sie denen "Rico, Oskar und die Tieferschatten" empfehlen?

Axel Prahl: Weil der Stoff die Kinder dort abholt, wo sie im Leben stehen. Er behandelt viele schwierige Themen, die am Frühstückstisch diskutiert werden. Das Wohltuende an dem Stoff ist, dass er einen leicht pädagogischen Charakter hat, aber ohne den erhobenen Zeigefinger auskommt. Das gibt Kindern die Möglichkeit, sich darüber zu unterhalten. Der Film beruht auf der Roman-Vorlage von Andreas Steinhöfel, der das besonnen erdacht hat. Unterm Strich steht: Du kannst anders aussehen und anders sein. Jeder Mensch hat seine Qualitäten, und jeder hat etwas Besonderes und kann etwas besser oder anders als der andere. Damit bist du gut, genau wie du bist.

teleschau: Im Film treibt ein "Mister 2000" sein Unwesen und erpresst Eltern mit einer relativ geringen Summe, nämlich 2000 Euro. Was treibt diesen Gangster wohl um?

Prahl: Der finanzielle Nutzen, so habe ich das im Roman gelesen, ist für ihn der geringere Anlass. Wichtiger ist ihm der Hinweis an die Eltern, sich besser um die Kinder zu kümmern und auf sie aufzupassen. Und die Kinder aufzuklären, dass sie nicht zu Wildfremden ins Auto steigen.

teleschau: Der Kinderfilm hat es nicht leicht in Deutschland ...

Prahl: Er wird geradezu stiefmütterlich behandelt. Die Produktionsfirmen steigen erst ein, wenn, wie hier mit der Vorlage von Herrn Steinhöfel, ein Bestseller vorliegt. Dieser Grundgedanke ist ein Fehler.

teleschau: Wie könnte eine Lösung aussehen?

Prahl: Ich würde mir wünschen, dass man sich in den Kinder- und Jugendtheatern umschaut. Dort gibt es grandiose Produktionen, die sehr gut geeignet sind, in Filmgeschichten umgearbeitet zu werden. Ich erinnere mich zum Beispiel an "Das Herz eines Boxers" von Lutz Hübner.

teleschau: In "Harms" spielten Sie an der Seite von Heiner Lauterbach, der den Film mitproduziert hat, in einem weiteren Genre, das es im deutschen Kino schwer hat: dem Gangsterfilm.

Prahl: Bei "Harms" hatten wir Finanziers. Wir haben das nicht ohne Geld gemacht, nur ohne Sender, weil wir uns nicht von den Redaktionen reinreden lassen wollten. Ansonsten kämen Worte wie "Fotzenkopp" darin nicht vor. Die wären gestrichen worden. Das ist manchmal das Problem beim deutschen Film. Die Redaktionen wollen jeden Fehler vermeiden, dabei können wir aus den Fehlern doch lernen. Man muss einfach mal bestimmte Dinge wagen und ausprobieren.

teleschau: "Rico, Oskar und die Tieferschatten" besticht mit seinem tollen Ensemble. Wie bringen die erfahrenen Schauspieler einen solchen Film nach vorne?

Prahl: Neele Vollmar, unsere wunderbare Regisseurin, hat dieses Ensemble versammelt. Ich habe mit ihr schon zwei Filme gemacht und sie leistet großartige Arbeit. Sie gibt einem die Möglichkeit, sehr angstfrei Dinge auszuprobieren. Deshalb ist diese Spielfreude zu sehen. Das Hauptaugenmerk würde ich auf die beiden jungen Darsteller Anton Petzold und Juri Winkler legen: Sie tragen den Film über die große Strecke. Der Trick bestand ganz einfach darin, die ernst zu nehmen.

teleschau: Im Film nennt sich Rico selbst "tiefbegabt": Aber Begabung, ob hoch oder tief, ist schwer messbar. Halten Sie sich für begabt?

Prahl: Ich habe viele verschiedene Interessen. Bei mir gibt es neben der Schauspielerei auch die Musik. Die ist in vielen Bereichen enthalten. Eine gewisse Musikalität brauchst du für Sprache und damit für die Schauspielerei.

teleschau: In welchen Situationen entwickeln Sie die größte Kreativität?

Prahl: Lustigerweise häufig auf langen Autofahrten. Da habe ich die Möglichkeit über Dinge intensiver nachzudenken und schon Ideen für Textzeilen oder Hooklines gehabt. Mittlerweile diktiere ich die via Spracherkennung oder schicke sie mir selbst per SMS. Ausnehmend gut funktioniert es auch allein am Meer, während ich den Blick über den Horizont schweifen lasse.

teleschau: Was bedeutet Ihnen Musik? Immerhin feiern Sie mit Ihrer Band, Axel Prahl und sein Inselorchester, Erfolge.

Prahl: Die Musik ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens. Das ging schon in frühen Kinder- und Jugendtagen los. Musik war lange Zeit meine private Oase, in der ich mich erholen konnte. Beim stoischen Üben von Wechselgriffen an der Gitarre kann ich runterkommen und den Kopf frei kriegen. Insofern war die Musik immer nahezu lebensnotwendig.

teleschau: Als junger Mann haben Sie auf der Straße musiziert ...

Prahl: Ich habe in Spanien mal Straßenmusik gemacht und davon auch gelebt. Auch in Berlin, wo ich 1992 ankam, habe ich Straßenmusik gemacht. Interessant war, dass man in Berlin dafür eine Genehmigung braucht. Die musste man beim Ordnungsamt beantragen, weshalb ich das nicht weiter verfolgt habe.

teleschau: Die Stadt und wie sie sich verändert sind ein großes Thema. Wie nehmen Sie das wahr?

Prahl: Berlin hat sich rasant entwickelt und verändert natürlich auch. Als ich hier ankam, standen fünf Trabis und zwei VW-Busse herum. Das war es. Heute fährst du zweieinhalb Stunden, bis du einen Parkplatz gefunden hast und dann noch einmal sechs Stationen mit der Straßenbahn zurück nach Hause. Das ist befremdlich.

teleschau: Interessant ist, wie in der Stadt der Begriff Veränderung mittlerweile negativ wahrgenommen wird. Ein Beispiel dafür ist die Abstimmung über das Tempelhofer Feld, das nun erhalten wird ...

Prahl: Ich glaube nicht, dass die Leute so entschieden hätten, wenn nicht schon im Vorfeld die Baugeschäfte, die dort stattfinden sollten, klar gewesen wären. Da waren schon Verträge gemacht, ehe die Bevölkerung gefragt wurde. Wäre das anders gelaufen, hätten die Berliner vielleicht auch gesagt: Diesen kleinen Teil dahinten können wir bebauen, dann haben wir immer noch genügend Raum, an dem wir das Feld offen lassen.

Quelle: teleschau - der mediendienst