Dolly Parton

Dolly Parton





"I Will Always Love You", Dolly!

Dolly Parton ist eine lebende Legende: Über 100 Millionen Platten hat die Frau aus Nashville, Tennessee, in ihrer Karriere schon verkauft. Keine Country-Sängerin kann mehr Auszeichnungen vorweisen als sie. Mit "Blue Smoke" hat die Songwriterin gerade ihr 42.(!) Album veröffentlicht. Anfang Juli wird die 68-Jährige das neue Werk und alle ihre Klassiker bei zwei raren Konzerten live in Deutschland präsentieren. Ein Fest - nicht nur für Country-Fans.

Denn Dolly Parton ist ein Gesamtkunstwerk: Klar, sie hat zwei schlagende Argumente, die sofort ins Auge stechen. Aber darauf reduzieren sollte man sie nicht. In den fast 50 Jahren ihrer Bühnentätigkeit baute sie sich ein mittelgroßes Imperium auf. Dazu gehören ein Musical, eine Film-Company und das in den Smoky Mountains beheimatete "Dollywood". Der 1986 eröffnete Themenpark lockt jedes Jahr Millionen von Besuchern an. War das alles so geplant? Parton lacht: "Natürlich nicht", winkt sie ab. "Ich habe angefangen als Sängerin. Ich wollte nur Songs schreiben, Platten aufnehmen, reisen, auf Tour gehen - das will ich heute noch! Aber wenn du dann Glück hast, und ich hatte sehr viel Glück in meinem Leben, dann siehst du die Möglichkeiten, die sich dir bieten und ergreifst sie."

Das klingt so einfach, aber ganz so war es dann doch nicht: "Ich habe lange gebraucht, um mir einen Namen zu machen", sagt sie. "Ich mag das Showbusiness wirklich. Das hat geholfen. Ich habe mich gerne in andere Bereiche vorgewagt." In Amerika, dem Land der Countrymusik, ist ihr Name eine Marke vergleichbar mit der von KISS, die bekannt sind für ihre Geschäftstüchtigkeit und Fan-Bindung. Auch Unternehmerin Parton kann diese Eigenschaft niemand absprechen: Von ihr gibt es einen Flipper und einen Glücksspielautomaten mit ihrem Antlitz drauf. Das Militär hat einen Panzer nach ihr benannt, und auch in der "Sesamstraße" gibt es einen Charakter nach ihrem Vorbild. Sogar das Klonschaf Dolly verdankte ihr seinen Namen. "Am glücklichsten macht mich aber immer noch 'Dollywood'", sagt sie.

Mit dem Themenpark finanziert sie auch das Bildungsprogramm ihrer Stiftung, die "Dolly Parton's Imagination Library", durch die jährlich weltweit mehrere Millionen Bücher an Kinder umsonst verschickt werden. Wenn man die Sängerin und Schauspielerin danach fragt, wie sie das alles geschafft hat, antwortet sie: "Es war dieser eine Song, der all das möglich machte." Mit besagtem Lied meint sie "I Will Always Love You", das aus ihrer Feder stammt und allein in Amerika drei Mal die Charts anführte: Im Jahr 1974 landete sie selbst damit in den Billboard Country-Charts eine Nummer 1. Und 1982 dann noch mal, nachdem sie das Lied für die Filmkomödie "Das schönste Freudenhaus in Texas", in der sie und Burt Reynolds die Hauptrollen spielen, neu aufgenommen hatte.

International kennt man den Klassiker aller Liebeslieder natürlich durch Whitney Houston aus dem Film "Bodyguard" von 1992. Das Stück legte das Fundament für Partons Unternehmen. Es wäre allerdings anders gekommen, wenn sie nicht im entscheidenden Moment ihre Frau gestanden und Elvis Presley einen Korb erteilt hätte. "Elvis wollte 'I Will Always Love You' Mitte der Siebziger unbedingt aufnehmen! Aber ich habe abgelehnt, nachdem sein Manager wie bei allen Elvis-Kollaborationen verlangte, ihm 50 Prozent der Veröffentlichungsrechte an dem Stück abzutreten. Das habe ich einfach nicht eingesehen!" Ihre Dickköpfigkeit zahlte sich aus. Parton lacht: "Der Song ist bis heute nicht totzukriegen!"

Über 3.000 Lieder hat die blonde Ikone bis heute geschrieben, zu den bekanntesten gehört sicherlich "Jolene", das mit 29 Coverversionen ihr am häufigsten interpretiertes Stück ist. Mit Sangeskollege Kenny Rogers bestritt sie zahlreiche Duette. Das erfolgreichste ist das von den Bee Gees geschriebene und produzierte "Islands In The Stream" von 1983.

Gab es einen auslösenden Moment, in dem sie wusste, dass in der Musik ihre Zukunft liegen würde? "Oh ja, das war während eines Auftritts von Johnny Cash! Ich bekam als Teenager die Möglichkeit, in der legendären Radiosendung 'Grand Ole Opry' in Nashville zu singen. Auch Cash war in der Show. Ich hatte noch nie eine Performance von jemandem gesehen, der solch eine sexuelle Anziehungskraft auf mich ausübte. Ich war verzückt", erzählt Dolly und lacht. "In der Highschool hatten alle sehr konkrete Berufspläne, aber ich sagte nur: 'Ich werde ein Star in Nashville!' Ich hatte diese großen Träume! Und ich glaubte wirklich daran, dass ich Erfolg haben könnte."

Später, als Cash längst ein Countryrock-Superstar war, unterstützte er Parton: "Seine Art des Storytellings war meine Inspiration", erinnert sie sich. "Ich glaube, manchen Leuten ist gar nicht bewusst, wie tiefgründig seine Lieder sind. Und man glaubt ihm bei seinem Vortrag jedes Wort!" Ist das vielleicht auch das Rezept für Dolly Partons lang anhaltenden Erfolg? "Da bin ich mir sogar sicher! Ich glaube, die Menschen können sich mit den Geschichten, die ich erzähle, verbinden. Sie wissen von meinem nicht einfachen Leben als eines von zwölf Geschwistern." Partons Familie war bettelarm. Man muss sich nur mal ihren Klassiker "Coat Of Many Colors" von 1971 anhören, indem sie das Thema aufgreift. "Wir schliefen auf Stroh, und es gab nicht mal Strom oder fließendes Wasser", erzählt sie und zieht ein Resümee: "Ich habe mir alles von unten hart erarbeitet. Ich habe so viele Songs geschrieben und jede Minute davon geliebt. Manchmal muss ich mich selbst kneifen, dass ich immer noch meinen Traum leben darf."

Auch ihr Patenkind Miley Cyrus lebt gerade ihren Traum - wenn auch mit dem einen oder anderen Skandälchen. "Ich bin stolz auf sie, weil ich weiß, wie klug und talentiert sie als Songwriterin und Sängerin ist. Ich wäre jedenfalls die Letzte, die irgendetwas Schlechtes über Miley sagen würde." Im Gegenteil: Dass Cyrus in ihrem Video zu "Wrecking Ball" nackt auf einer Abrissbirne sitzt, gefällt ihr. "Ich mache gerne Witze, dass ich meine zwei Abrissbirnen immer dabei habe!" Über sich selbst lachen konnte Dolly Parton schon immer.

Dolly Parton auf Deutschland-Tournee:

05.07., Köln, Lanxess Arena

06.07., Berlin, O2 World

Quelle: teleschau - der mediendienst