The Signal

The Signal





Kühe im Weltall?

Das Mädel ist hübsch und nett, mit dem Nerd hat man Mitleid, und der attraktive Sportler sollte keine Gehhilfen nötig haben. Aber in dem kleinen und sich fein gerierenden US-Science-Fiction-Thriller "The Signal" stiehlt eine Milchkuh allen die Schau. Sie scheint in einer Art Garage zu stehen, hat eine Leine um den Hals und macht Muh. Geschützt durch eine Panzerglasscheibe sitzen vor ihr ein gewisser Damon (Laurence Fishburne) und seine Assistentin in Raumanzügen. Mit schrillen Licht- und Soundeffekten hebt ein Tierversuch der dritten Art an. Dann wird's um die Kuh schlagartig dunkel, ein Gegenstand knallt gegen das Glas. Im Geiste meint man zu sehen, wie sich Regisseur William Eubank freudig die Hände reibt: "Na, da habe ich Euch aber schön irritiert, was?" Hat er. Allerdings in einem unbegründet überheblichen Film.

Eubank wird sich vielleicht auch viel darauf einbilden, wie er seine Geschöpfe vom investigativen Roadtrip in eine unheimliche Parallelwelt entführt. Drei superkluge Studenten wollen in der amerikanischen Einöde den Hacker aufspüren, der ihre Accounts beim MIT in Boston geknackt hat. Dabei menschelt es heftig. Nic (gespielt vom recht gefragten Nachwuchsstar Brenton Twaithes) sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch hochintelligent und ein guter Sportler. Im Moment geht er aber an Krücken, warum, weiß man nicht. In der Beziehung zu Haley (Olivia Cooke) kriselt es. Jonah (Beau Knapp) komplettiert das Trio als guter Freund. Bei Anbruch der Nacht erreichen sie mit dem Auto die Hütte, aus der das Signal des Hackers kam.

Ein bisschen Herumfuchteln mit Taschenlampen, und das Übersinnliche regiert. Jonah ist plötzlich verschwunden. Nic sieht, wie Haley durch die Luft geschleudert wird. Dann wacht er am Tropf in einer fensterlosen, aseptischen Krankenhauszelle auf. Er wird im Rollstuhl in einen Verhörraum gefahren, und dort macht Damon in seinem Raumanzug schließlich Schnappbewegungen mit der Hand: "Können Sie ... sprechen?"

Mit dieser lächerlichen Geste beginnen aberwitzige Befragungen, etwa über die Anzahl von Nics Fingern und Zehen. Und sei er vielleicht eine "EBE", eine "extraterrestrische biologische Entität"? So etwas wie Schmieröl rinnt ihm aus der Nase. Zudem hat er plötzlich Beine aus Metall. Die machen ihn ganz schön schnell, als er mit Haley aus der Klinik flieht. Doch Damon jagt die beiden mit einer ganzen Armee.

Der Thriller und der Western haben das schon lange - Waffen, Bekleidungsstücke, Gebärden, Ausdrucksweisen und audiovisuelle Effekte, die allesamt wie Fetische zelebriert werden. "The Signal" ist nun so etwas wie der Fetisch-Science-Fiction-Film. Eubank wuchtete Emblematisches des Genres hinein, von Kubrick bis "X-Files". Immerzu läuft klassische Musik. Schnaubend saugen die Raumanzugträger ihren Sauerstoff ein. Humanoiden Körpern widerfährt "Transformer"- Verwandlung. Nic stößt die Gabel in unidentifizierbare, viereckige Nahrung. Und wo befinden wir uns eigentlich?

Das Sinnbild vom quälenden Erwachsenwerden, das Eubank und seinen Co-Autoren vorgeschwebt haben könnte, zergeht unter prahlerischem Anzitieren. Obwohl allzu aufgesetzt bizarr und ohne den Hintersinn eines David Lynch etwa, hat immerhin der Einfall mit der Kuh eine Spur von Originalität.

Quelle: teleschau - der mediendienst