Filme vs. Fußball

Filme vs. Fußball





Das Filmfest München (27. Juni bis 5. Juli) stellt sich seiner WM-Herausforderung

Die Fußball-Weltmeisterschaft? Diana Iljine winkt ab. Der begegne man gewohnt stoisch, erklärt die Leiterin des Münchner Filmfests. Schließlich trete das Festival, das in diesem Jahr von 27. Juni bis 5. Juli stattfindet, aller zwei Jahre in Konkurrenz zu König Fußball. Mit Erfolg: Im EM-Jahr 2012 schauten beispielsweise rund 72.000 Zuschauer auf dem traditionsreichen Filmfest vorbei. Mit 158 neuen Filmen aus 51 Ländern, einer Menge alter Filmschätze und einer Handvoll frischer Serien will sich das Filmfest auch in diesem Jahr gegen Messi, Robben und Co. behaupten.

Scarlett Johansson ("Under The Skin"), Tommy Lee Jones ("The Homesman"), Nicolas Cage ("Joe"), Robert Downey Jr. ("Chef"), Ethan Hawke ("Predestination"), Christoph Waltz und Matt Damon ("The Zero Theorem") - das sind nur ein paar der großen Namen, die die Münchner in diesem Jahr aufs Filmfest locken sollen. Geschenkt, dass sich diese Namen nur im Programmheft und nicht auf der Gästeliste des Festivals finden - für Hollywoodflair sollen andere sorgen.

Die internationalen Stars Udo Kier und Isabelle Huppert zum Beispiel, die den CineMerit Award verliehen bekommen und im "Filmmakers Live"-Talk sicherlich die ein oder andere Anekdote zum Besten geben können. Ebenso der amerikanische Ehrengast Walter Hill, für dessen Filme Stars wie Arnold Schwarzenegger ("Red Heat"), Eddie Murphy ("Nur 48 Stunden") und Bruce Willis ("Last Man Standing") vor der Kamera standen. Und der Schweizer Arthur Cohn, dem ebenfalls ein Galaabend gewidmet wird, durfte sich schon öfter für Oscars bedanken als jeder andere Filmproduzent.

Ob nun ein Bollywood-Star wie Irrfan Khan, der zu den Vorführungen von "Qissa" anwesend sein wird, ein Filmemacher wie Wim Wenders, der nach der Premiere in Cannes mit seiner Dokumentation "Das Salz der Erde" in München Station macht, oder eben "nur" ein Kameramann: Zu möglichst jedem Film einen Gast vor Ort zu haben, der mit dem Publikum in den Dialog tritt, das ist das erklärte Ziel der Festivalleitung.

Gesprächsstoff bieten die Filme, die an den neun Festivaltagen gezeigt werden, allemal: Das Drama "Casa Grande Or The Ballad Of Poor Jean" beispielsweise sei ein "Hintergrundlehrstück zu den aktuellen Protesten in Brasilien", schwärmen die Programmverantwortlichen. Die Dokumentation "Ukraine Is Not A Brothel" liefert hingegen interessante Erkenntnisse über die Protestbewegung Femen, während sich die internationale Koproduktion "L'Armée Du Salut" mit der Lebenssituation Homosexueller in Marokko auseinandersetzt. Auch das Thema Jugend zieht sich durch das Publikumsfestival - vom Eröffnungsfilm "Die Karte meiner Träume", in dem "Amélie"-Regisseur Jean-Pierre Jeunet einen hochbegabten Jungen auf Reisen schickt, bis hin zum Sci-Fi-Szenario "Young Ones", das Gwyneth Paltrows Bruder Jake mit Jungstars wie Elle Fanning und Kodi Smit-McPhee besetzte.

Paltrow geht mit seinem Film ins Rennen um den 12.000 Euro schweren CineVision Award, der für "internationale Regietalente" vorbehalten ist, "die mit ihrer Filmsprache neue Wege beschreiben". Unter den Cinemasters hingegen, den Bewerbern um den mit 50.000 Euro dotierten Arri/Osram-Award, finden sich wie gewohnt viele Filmemacher, die mit ihren Werken auch schon in Cannes für Aufsehen sorgten - etwa Olivier Assayas mit "Clouds Of Sils Maria", die Gebrüder Dardenne mit "Zwei Tage, eine Nacht" oder Altmeister Jean-Luc Godard mit seinem 3D-Experiment "Adieu Au Langage".

Die Zuschauer sind jedoch wie immer angehalten, auch außerhalb der großen Reihen nach Filmperlen Ausschau zu halten, die den Publikumspreis verdient hätten. Filmfestmitarbeiter schwärmen etwa schon vom Coming-Of-Age-Abenteuer "Einhörner", der Provinz-Komödie "Die große Versuchung - Lügen bis der Arzt kommt" und dem märchenhaften Drama "Giraffada". In Sachen Preisverleihungen wäre man übrigens auch bereit, den Fußballfans ein wenig entgegenzukommen, signalisiert Festivalleiterin Diana Iljine: Man könne eine Gala ja ein wenig schneller über die Bühne bringen, wenn ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft anstünde ...

Quelle: teleschau - der mediendienst