Die große Versuchung - Lügen, bis der Arzt kommt

Die große Versuchung - Lügen, bis der Arzt kommt





Kleine heitere Lügen

Vor zehn Jahren entpuppte sich die franko-kanadische Produktion "Die große Verführung" von Jean-François Pouliot als Komödienhit. Die mit Preisen überhäufte Geschichte um ein kleines Fischerdorf in Existenznot, das mit allen Mitteln seine Würde zurückerobern will, gewann gar den Publikumspreis beim renommierten Filmfestival in Sundance. Das Geheimnis für den Erfolg war die gelungene Mischung aus schlitzohrigem Sozialmärchen und liebenswerten Figuren, die auf spitzbübische Weise ihr unverdientes Schicksal in die Hand nehmen. Nun hat der kanadische Schauspieler und Regisseur Don McKellar den Film im englischsprachigen Teil Kanadas erneut für die Leinwand adaptiert: "Die große Versuchung - Lügen, bis der Arzt kommt" hat dem Original gleichwohl nichts hinzuzufügen.

Für die Bewohner des idyllischen Örtchens Tickle Head, einem kleinen Fischereihafen auf einer Insel vor Neufundland, sind die fetten Jahre vorbei. Inzwischen leben hier fast alle von Sozialhilfe und schlagen sich mühsam durchs Leben. Doch es gibt Hoffnung: Eine Ölgesellschaft will eventuell eine Fabrik auf der Insel bauen. Bloß - solange der Ort keinen Arzt vorweisen kann, wird daraus nichts werden. Schließlich ergreift selbst der Bürgermeister feige die Flucht ...

Da trifft es sich gut, dass bald darauf am Flughafen ausgerechnet ein Arzt strandet, weil er mit Kokain im Gepäck erwischt wird. Ärgerlich, denn der Schönheitschirurg Dr. Lewis (Taylor Kitsch aus "Lone Survivor") ist eigentlich nur auf der Durchreise. Und der Zollbeamte, der ihn erwischt, ist der ehemalige Bürgermeister von Tickle Head, der den Drogensünder im Gegenzug für Straffreiheit einen Monat lang in seine alte Heimat verbannt.

Die arbeitslosen Inselbewohner wittern mit der Ankunft des Arztes sogleich ihre große Chance: Unter der Leitung ihres neuen Bürgermeisters Murray French (Brendan Gleeson) tun sie mit aberwitzigem Perfektionswahn fortan alles, um den Mediziner zum Bleiben zu verführen. Vorhang auf für die perfekte Illusion: Das heruntergekommene Kaff wird zum pittoresken Vorzeige-Ort samt Weltkulturerbe. Und weil Dr. Lewis begeisterter Cricket-Fan ist, stemmen die Bewohner eine Mannschaft, obwohl ihr Herz eher für Eishockey schlägt. Selbst eine Geliebte für den Herrn Doktor, der ja eigentlich verlobt ist, soll rekrutiert werden. Und damit es dem Arzt an nichts mangelt, werden vorsichtshalber seine Telefongespräche abgehört.

Don McKellars Remake bringt zwar nichts Neues, ist aber handwerklich tadellos gemacht. Die Akteure der absurden, gleichwohl menschelnden Geschichte sind herrlich kauzig und dabei wunderbar besetzt. Neben Brendan Gleeson glänzt vor allem Gordon Pinsent als Simon in der Neuauflage des Sozialmärchens, das wie schon die Vorlage von einem authentischen Figurenarsenal und beiläufigem Witz profitiert. Dass diesen Bewohnern fernab von städtischer Kultur und hektischem Entertainment keiner widerstehen kann, das ist eine schöne, gleichwohl klischeehafte Illusion, der man sich nur allzu gerne hingeben mag.

Quelle: teleschau - der mediendienst