Wüstentänzer - Afshins verbotener Traum von Freiheit

Wüstentänzer - Afshins verbotener Traum von Freiheit





In einem fernen Land

Noch vor einem Monat landeten sechs iranische Jugendliche, die wie unzählige andere Tanzwütige in aller Welt ein Video zum Gute-Laune-Hit "Happy" gedreht hatten, zunächst einmal direkt im Gefängnis. Die gefürchteten iranischen Moralwächter, unter deren fanatischen Augen tanzen nicht geduldet ist, warfen den jungen Leuten einen Verstoß gegen die "öffentliche Sittsamkeit" vor. Der britische Regisseur Richard Raymond befasst sich in seinem Regiedebüt ebenfalls mit dem Tanzverbot im Iran. Nur allzu vage basierend auf der Lebensgeschichte von Profitänzer Afshin Ghaffarian, erzählt "Wüstentänzer - Afshins verbotener Traum von Freiheit" die Geschichte eines Jungen, der im Iran während der Regierungszeit des fundamentalistischen Präsidenten Ahmadinedschad aufwächst und vom Tanzen dennoch nicht lassen kann.

Als Afshin (als Kind von Gabriel Senior verkörpert) einmal seinen Klassenkameraden Michael Jacksons "Moonwalk" vortanzt, wird er dafür von seinem Lehrer gezüchtigt. Doch sein Schulleiter wiederum hat Verständnis für den Jungen und vermittelt ihn an eine Kunstschule, wo er innerhalb der geschlossenen Mauern - zunächst nur gelegentlich gestört durch anonyme Attacken der strengen Moralwächter - seiner Bestimmung weiter folgen kann.

Als Student, zur Zeit der Unruhen vor dem Hintergrund der iranischen Präsidentschaftswahlen im Jahre 2009, lernt er schließlich durch seine neue Clique das geheime Leben der jungen Iraner kennen: Man trifft sich in Untergrund-Discotheken, trinkt Alkohol und darf seine unverschleierte Freundin im geschützten Rahmen auch schon mal vor der Ehe umarmen. Aber die schönste Entdeckung für Afshin, nun dargestellt von Reece Ritchie, sind die Tanzvideos bei YouTube, die eigentlich kein Iraner zu sehen bekommen soll. Er entschließt sich, mit der heroinsüchtigen, tänzerisch hochbegabten Elaheh (Freida Pinto aus "Slumdog Millionär") eine geheime Tanzgruppe zu gründen, die bald in der Wüste vor ausgewähltem Publikum auftreten wird.

Diese Hintergrundinformationen über den Iran sind so interessant, dass man zunächst geneigt ist, über inszenatorische Schwächen hinwegzusehen - angefangen bei dem recht hölzernen Spiel der nicht-einheimischen Darsteller bis hin zum geigenlastigen Filmscore. Zumal die Tanzszenen von Akram Khan, der sich bereits bei der beeindruckenden Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele im Jahre 2012 mit beweisen durfte, recht hübsch choreographiert wurden.

Leider springt die ununterdrückbare Faszination für die Kunst, die Afshin zu dem von Kameramann Carlos Catalán schön fotografierten, titelgebenden Wüstentanz treibt, nicht wirklich auf den Zuschauer über. Man kann sie nur vermuten. Doch wenn man erfährt, dass sich das wahre Leben Afshins ziemlich anders gestaltete, und auch der im Film als lebensgefährlich dargestellte Wüstentanz weit weniger dramatisch und eher eine künstlerische Entscheidung war, schmilzt der thematische Bonus, den der recht pathetische Film hatte, vollends dahin. Übrig bleibt nur die an Politkitsch grenzende westliche Sicht auf ein fernes Land, in dem man unter den strengen Augen der Sittenwächter Hiphop nur ungestraft tanzen darf, wenn man die hippen Moves als Aerobic-Übungen ausgibt.

Quelle: teleschau - der mediendienst