Hans Moser

Hans Moser





Schaut's, Freunderln!

Er war einer der wenigen, die den Ehrentitel Volksschauspieler wirklich verdienen. Ein Buster Keaton aus Wien, ein einsamer Grantler und Junggeselle. Hans Moser spielte die vom Glück Vergessenen, er war der personifizierte Unmut und klammerte nie an Gags oder Pointen. Moser war Moser. Mal Dienstmann, mal Kutscher, mal Portier, aber stets ein unpolitischer Kleinbürger, der die Welt mit eigenen Augen sah. Ein kleiner Mann und großer Widerborst. Seit Jahrzehnten lachen die Zuschauer über diesen Kontrast. "Schaut's Freunderln, es gibt so viel Moser in der Welt, dass i' koa Angst hab, mei Art könnt jemals untergeh'n", sagte der stille, große Clown von Wien einmal bescheiden, der vor 50 Jahren, am 19. Juni 1964, in einem schäbigen Vierbett-Zimmer des Wiener Hanusch-Krankenhaus starb. 3sat erinnert am Donnerstag, 19. Juni, mit einem Thementag an ihn.

Verhaspelte Sprechversuche und das Nuscheln am Rande der Unverständlichkeit wurden zum Markenzeichen des 1880 als Johann Julier geborenen späteren "Dienstmanns Nr. 13", der gegen den Willen seiner Eltern im Alter von 19 Jahren seine kaufmännische Lehre abbrach, um Schauspieler zu werden. Heimlich nahm er Unterricht, schlug sich, um Theater-Luft zu schnuppern, als Statist und Kulissenschieber durch. Den Grundstein für das Schauspiel-Individuum Hans Moser legte er an der Weltkriegs-Front. Mit seinen Liedern und Witzen unterhielt er seine Kameraden von den Deutschmeistern an der Isonzo-Front erstmals in der für typischen Nuschelsprache.

Schon 1903 hatte ihn das Wiener Theater in der Josefstadt engagiert. Doch sein Aussehen und die Körpergröße von 1,57 behinderten zunächst die Karriere als junger Liebhaber, den Moser hätte spielen sollen. Später, 1925, holte ihn Max Reinhardt für Stücke von Nestroy, Schnitzler und Horvath genau dorthin zurück. 1911 heiratete er die aus einer jüdischen Familie stammende Blanca Hirschler, von der er sich unter den Nationalsozialisten nicht scheiden ließ. Sie musste allerdings nach Ungarn emigrieren. 1913 wurde die Tochter Margarete geboren.

1921 gelang ihm mit seinen Dienstmann-Sketchen ein erster Durchbruch am Varieté. Dort soll ihn gar Charlie Chaplin gesehen haben, der Moser fortan verehrte und ihm sofort ein Rollenangebot machte. Doch die Heimatverbundenheit hielt den gebürtigen Wiener, der alsbald den Ehrentitel "der Moser" bekam, im Land. Graf Kolowrat, damals eine Leitfigur des österreichischen Films, interessierte ihn für die Arbeit vor der Kamera. Doch erst Willi Forsts "Leise flehen meine Lieder" von 1933 wurden zur Grundlage einer großen Karriere. In zahllosen Rollen verkörperte Moser fortan die kauzigen Typen, die sich gegen alles und jedes sträuben, die eigentlich nur in Ruhe gelassen werden wollen- und sich dennoch verwandeln.

Im Leben fiel ihm gerade das nicht leicht: Die Tochter - Moser hatte sie enterbt, nachdem sie mit einem Argentinier in dessen Heimat ausgewandert war - erschien zwar nicht zur Beerdigung, forderte aber ihren Anteil am Millionenerbe des als knausrig verrufenen Mimen. Moser selbst hatte in seinem Testament vor allem eine von ihm und seiner Ehefrau Blanca ins Leben gerufene Stiftung bedacht.

Knapp 200 Filme erinnern an ein Unikum der deutschen und österreichischen Unterhaltung: Von "Wiener Blut" bis "Anton der Letzte", von "Jetzt schlägt's 13" bis "Lumpazivagabundus" und "Hallo, Dienstmann" reichen die Titel, die bleiben. Lange nach Hans Mosers Tod hielten sich Parodisten und Entertainer wie Peter Alexander mit Wonne schadlos an seinem nuschligen Stil.

Das Fernsehen hält die Legende Hans Moser naturgemäß am Leben. Der große Wiener Publizist Friedrich Torberg formulierte zutreffend: "Sollten Schallplatte, Film und Fernsehen sich einst vor Gottes Thron für all den Unfug verantworten müssen, den sie auf Erden angerichtet haben, dann werden sie geltend machen können, dass uns mit ihrer Hilfe doch etwas Wirklichkeit von der Legende Hans Moser erhalten geblieben ist."

Die Filme bei 3sat am Donnerstag, 19. Juni:

"Der ewige Dienstmann - Hans Moser im Porträt", Film von Wolfgang Liemberger (2010), um 13.00 Uhr

"Ungeküsst soll man nicht schlafen gehen" (1936), von E.W. Emo, um 13.55 Uhr

"Kaisermanöver" (1954), von Franz Antel, um 15.15 Uhr

"Kaiserball" (1956), von Franz Antel, um 16.55 Uhr

"Opernball" (1956), von Ernst Marischka, um 18.30 Uhr

"Hallo, Dienstmann" (1951), von Franz Antel, um 20.15 Uhr

"Die Fledermaus" (1961), von Géza von Cziffra, um 21.55 Uhr.

Quelle: teleschau - der mediendienst