Alexander Bommes

Alexander Bommes





"Berlin hat ebenfalls Bikini-Schönheiten"

Das Jahr 2014 bietet zwei herausragende Sport-Ereignisse. Die Olympischen Winterspiele in Sotschi und nun die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. "Sportschau"-Moderator Alexander Bommes ist bei beiden Events mit dabei. Oder irgendwie doch nicht? Bei Olympia in Russland gab er den süffisanten Telegramm-Ansager aus dem heimischen Studio. Und jetzt zur WM ist er schon wieder nicht vor Ort. Der 38-jährige Familienvater, Ex-Sportler und bekennende Fußball-Fan führt durch den "WM-Club" - aus einem Strandbad in Berlin. Eine mögliche "Niederlage" gegenüber seinen TV-Kollegen an der Copacabana erkennt Bommes darin nicht. Warum auch? Mit seinem "WM-Club", eine 30-minütige lockere Gesprächsrunde zwischen WM und Fußball-Kultur, hat er ab 23. Juni im Ersten sieben Live-Einsätze zur besten Sendezeit gegen 20.30 Uhr. Ein deutscher Nationalspieler würde nicht auf mehr kommen, falls er das Finale erreicht. Und 2018 ist auch schon wieder eine nächste Weltmeisterschaft.

teleschau: Herr Bommes, es heißt, Sie seien ein schlechter Verlierer. Stimmt das?

Alexander Bommes: Das war ich rein sportlich gesehen auf jeden Fall. Seit dem Ende meiner aktiven Handball-Karriere hat sich das gebessert. Zudem werde auch ich älter, was mich übrigens sehr trifft. Mit dem Alter bin allerdings auch ich entspannter geworden. Bei den wenigen Fußballpartien unter Journalisten, die ich noch spiele, merke ich schon, dass der sportliche Ehrgeiz noch nicht ganz erloschen ist.

teleschau: Der große Sport passiert gerade in Brasilien. Sie aber sind mit Ihrem "WM-Club"in Berlin und eben nicht an der Copacabana. Fühlt sich das nicht wie eine kleine Niederlage an?

Bommes: Der "WM-Club" ist meine erste WM-Teilnahme für die ARD. 2006 war ich noch Handballspieler, 2010 bin ich gerade mal junger Vater geworden. Und jetzt, 2014, mache ich sieben WM-Sendungen zur besten Sendezeit. Ohne kokettieren zu wollen, ich fühle mich absolut als Gewinner. Außerdem lerne ich schon Russisch für 2018 (lacht).

teleschau: Sie senden live vom Kreuzberger Stadtstrand in Berlin. Warum nicht von der Copacabana? Dort wären Sie zwischen vielen Bikini-Schönheiten auch näher am WM-Geschehen.

Bommes: Es gab tatsächlich kurz die Überlegung, die Sendung vor Ort zu machen. Aber das hätte nicht funktioniert. Was in Brasilien sportlich auf dem Rasen geschieht, sehen wir ohnehin bei den Live-Spielen. Im "WM-Club" dagegen zeigen wir, was hierzulande passiert und diskutieren das ein wenig abseits des sportlichen Tagesgeschehens mit Gästen wie Jan Delay, Tim Mälzer oder Jan Böhmermann. Übrigens waren auf dem Berliner Badeschiff bei unserer ersten Live-Sendung zur DFB-Pokal-Auslosung durchaus einige Schönheiten im Bikini zu sehen.

teleschau: Das Spree-Wasser im Hintergrund könnte manche an den Location-Flop Usedom des ZDF bei der Euro 2012 erinnern.

Bommes: Ein großes Fußballturnier und Wasser im Hintergrund scheint tatsächlich bei einigen Erinnerungen zu wecken. Auch wir haben gegrinst, als wir diesen Vergleich zum ersten Mal gehört haben. Allerdings stehen wir nicht auf einer Riesenbühne, die irgendwie gefüllt werden muss. Wir reihen uns mit unserer kleinen Ecke bescheiden in den laufenden Betrieb des Beachclubs ein. Würden wir dagegen als große ARD auftreten und dort einen massiven Umbau fordern, hätten wir auf der Grenze zwischen Treptow und Kreuzberg wohl ein massives Problem.

teleschau: Wie wichtig bleibt das Tagesgeschehen bei ihrem "WM-Club"?

Bommes: Wenn im Spiel vor der Sendung, das um 18 Uhr angepfiffen wird, ein spektakuläres Tor wie ein Fallrückzieher im Stiles eines Ibrahimovic fällt, zeigen wir es gerne noch mal. Aber wir werden auf keinen Fall das Spiel analysieren oder taktische Aufstellungen wie ein 4-3-2-1 oder ein 4-4-2 diskutieren. Das machen ohnehin die Kollegen vor Ort.

teleschau: Nach einer "Schulter der Nation" oder einem "Teilriss der Syndesmose" könnte ein weiteres Wehwehchen eines Nationalspielers die Republik schocken.

Bommes: Sollte sich einer von Jogis Jungs möglicherweise eine Blase gelaufen haben, weiß auch ein Handballer wie Stefan Kretzschmar, ob man diese nun geradeaus abklebt oder besser von links nach rechts. Und Arnd Zeigler wird aus seinem umfangreichen Archiv sicherlich in Windeseile alle Blasengeschichten rund um alle Fußball-WMs ab 1954 gefunden haben.

teleschau: Was bedeutet eine Fußball-Weltmeisterschaft persönlich für Sie: sportliches Highlight oder doch mehr Party-Event?

Bommes: Durch meine sportliche Vergangenheit habe ich mir einen Minirest gebanntes Hingucken auf das direkte Geschehen erhalten. So kann ich mir stundenlang reinziehen, was die Psychologie des Sports angeht. Erik Durm zum Beispiel! Er hat kaum ein Länderspiel gemacht und ist bei der WM dabei. Was werden wohl seine Eltern denken, wenn die Mami zu Hause ihren Jungen möglicherweise sogar mitspielen sieht? Wenn Sportler etwas Großes erreichen, hat das für mich nach wie vor eine große Faszination.

teleschau: Vom Berliner Badeschiff zum Brandenburger Tor ist es nicht allzu weit.

Bommes: Ich bin nicht der Fanfest- oder Public-Viewing-Typ und werde nicht mit Hunderttausend anderen vor dem Brandenburger Tor stehen. Das hat einen ganz praktischen Grund, da ich nur 1,82 Meter groß bin und nicht 2,15 Meter. Am liebsten verfolge ich die Partien privat und in Ruhe.

teleschau: Wie ist Ihr Verhältnis zu ihrem Vorgänger Waldemar Hartmann?

Bommes: Wir haben uns zuletzt beim 50. Geburtstag von Henry Maske gesehen und uns ein bisschen unterhalten. Außerdem hat er sich 2012 nach der Umbesetzung von "Waldis Club" zum "Sportschau-Club" positiv über mich geäußert. Ich glaube, ich war damals der Einzige, und das hat mich gefreut.

teleschau: Was wäre Ihnen lieber: Eine "Club"-Sendung mit Ihrem eigenen Namen im Titel oder bei der nächsten WM die Spiele direkt vor Ort in Russland zu moderieren?

Bommes: Als Ex-Sportler und nun als Journalist ist es natürlich ein Ziel, regelmäßiger dort unten auf dem Rasen zu stehen. Dafür muss ich dann aber auch nicht zwingend den "Club" aufgeben. Meinen Namen muss meine Traumsendung mit seiner Mischung aus Fußball und Fußball-Kultur aber nicht tragen.

teleschau: Und wer wird denn nun Weltmeister?

Bommes: Das kann ich wirklich nicht genau sagen. Die Italiener sind bei Turnieren immer stark. Die Spanier sind nach wie vor Favorit. Und die Brasilianer nicht auf dem Zettel zu haben, wäre wohl am Thema und der Realität vorbei. Wenn die Deutschen ins Halbfinale kommen, halte ich das schon für einen Erfolg.

Quelle: teleschau - der mediendienst