Sauacker

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Bauer sucht Zukunft

Das Leben auf dem Land liegt im Trend, davon zeugt der Boom von Zeitschriften wie "Landlust" oder der ungebrochene Erfolg der Reality-Seifenoper "Bauer sucht Frau". Hier ist das Land noch romantische Projektionsfläche für feinstaubgeplagte Großstädter, mit lustigen Landfrauen und pfiffigen Pferdewirten. Dass die Realität anders aussieht, zeigt Regisseur Tobias Müller gleich zu Beginn seiner Dokumentation "Sauacker". Da müssen Jungbauer Philipp Kienle und sein Vater Konrad einem Kalb auf die Welt helfen. Doch statt Streichelzooidylle ist die Geburt körperliche Schwerstarbeit, für alle Beteiligten. Mit Ketten ziehen sie das Neugeborene aus dem Leib der Mutterkuh, im Heu liegt dann ein schleimüberzogenes Kalb, und allen ist klar, das auch dieses junge Wesen nichts anderes erwarten wird als ein Leben als Milch- oder Fleischlieferant.

Seit 1725 schon bewirtschaftet Familie Kienle ihren kleinen Hof im schwäbischen Landkreis Sigmaringen - eine Tradition, die Philipp Kienle nicht aufgeben will, auch wenn es ihm nicht leicht gemacht wird in Zeiten von EU-Verordnungen, Monokulturen und übermächtigen Agrarkonzernen. Wie zum Trotz lässt sich der 29-Jähige, der darauf brennt, den Hof von seinem Vater Konrad zu übernehmen, ein Tattoo stechen: "1725 - jeder ist der Schmied von seinem Glück", steht da in schwarzer Tinte auf seinem Unterarm.

Aber das Glück ist Familie Kienle nicht hold, der Hof wirft seit Jahren keinen Gewinn mehr ab. Veraltete Maschinen, marode Ställe, eine unrentable Milchwirtschaft, offene Rechnungen - da verliert auch die örtliche Sparkasse, dieses vermeintlich letzte Refugium kleinunternehmerischen Kreditgebens, irgendwann die Geduld. "Man muss auch mal ein Tal durchleben", wischt Vater Konrad die Probleme vom Tisch, auch wenn er, um sich über Wasser halten zu können, jeden Morgen Zeitungen austragen geht, bevor anschließend die Kühe gemolken werden. "Du bist nur im Tal", entgegnet Sohn Philipp. Auch er arbeitet in zwei weiteren Jobs, um den Hof durchzubringen.

Zwei Welten prallen da aufeinander: Es ist die klassische Konstellation des sturköpfigen Bewahrers, der nicht wahrhaben will, wie sein Lebenswerk vor seinen Augen zerbricht, und eines Jungspundes voller Ideen, der mit seinem Ehrgeiz nicht nur seinen Vater düpiert. Filmemacher Tobias Müller, der aus der gleichen Gegend stammt wie die Kienles, beobachtet seine Protagonisten mit einer abgeklärten Distanz, aber immer auch mit einer gewissen Liebe zu diesen beiden Männern, die im Kampf um ihre Existenz viel aufgeben mussten, ihren Humor aber nicht verloren haben. Hin und wieder gleiten dabei Kamera und Musik ab in Richtung eines Werbespots für Landliebe Joghurt oder McDonalds, meist aber ist die Szenerie in "Sauacker" so karg und derb wie der Titel dieser unsentimentalen und gleichzeitig hochaktuellen Dokumentation.

Quelle: teleschau - der mediendienst