Helmut Dietl

Helmut Dietl





Frauen haben sein Leben immer stark beherrscht

Als Helmut Dietl Anfang Mai in Berlin unter Standing Ovations den Deutschen Filmpreis für sein Lebenswerk erhielt, war das ein bewegender Moment, die viele zu Tränen rührte. Der an Krebs erkrankte Regisseur bedankte sich zuerst bei seiner Ehefrau seit 14 Jahren, Tamara Duve: "Die Tatsache, dass ich hier stehe, habe ich der Pflege meiner Frau in den letzten sechs Monaten, die sehr hart waren, zu verdanken." Hinter der Verleihung vermutete der Kritiker der Deutschen Filmakademie "eine Taktik, um ein verlorenes Schaf wieder einzufangen". Iris Berben, die Präsidentin der Akademie, hatte ihn überredet, den Preis anzunehmen. Dietl sprach sehr langsam, machte Pausen. Humorvoll verabschiedete er sich dann mit den Worten: "Wenn es Ihnen recht ist, gehe ich jetzt." Am 22. Juni feiert der Regisseur seinen 70. Geburtstag.

Wie ein Wunder war das, als Helmut Dietl 1974 die berühmten "Münchner Geschichten" schrieb und drehte. Ganz nah am Leben waren diese Szenen, dem Volk in allen seinen Schichten genau aufs Maul geschaut und voller Erotik, nicht zu vergessen. Ein "actor's director" wird Dietl nach amerikanischem Vorbild gerne genannt, weil er seine Schauspieler so liebt: etwa den Halmer oder den "Monaco Franze" Helmut Fischer, der so früh verstarb und heute nur noch als Bronzefigur vor dem Café "Münchner Freiheit" steht.

Münchner Freiheit atmeten alle Serien Dietls, und er schuf damit ein Genre, dem man den Ehren-Namen "Münchner Serien" gab. Allenfalls Franz Xaver Bogner ("Irgendwie und sowieso", "Zur Freiheit") konnte ihm da noch das Wasser reichen. Im Frühjahr 1983 wurde - nach einem Los Angeles-Aufenthalt Dietls - "Monaco Franze - Der ewige Stenz" erstmals ausgestrahlt, und wahrscheinlich hat es in der Sparte Unterhaltungsfiktion nie mehr etwas Besseres im deutschen Fernsehen gegeben. In Schwabing hatten sie sich damals getroffen, Dietl, Fischer und der Koautor Franz Geiger. Unvergessen, die Liaison des "ewigen Stenz", Ex-Kommissar übrigens, und seines angetrauten "Spatzl", gespielt von Ruth Maria Kubitschek. Der schlitzohrige Charme, der sanfte Zynismus, der sich mit einer Prise Bosheit paart, blieben typisch für Dietl.

Und dann die Frauen, in der legendären Glamour-Serie "Kir Royal" von 1986, mit Senta Berger, genau so wie im richtigen Leben: "Ich hab' Frauen sehr gern", verriet Dietl mal im Interview. Seit nunmehr 14 Jahren verheiratet mit Tamara Duve (die gemeinsame Tochter ist inzwischen elf), blieb Dietl lange beziehungsskeptisch. "Ich hoffe, dass es gut geht, es scheint ja so", sagte er dann, "aber ich bin gerne bereit, immer wieder dieselben Fehler zu machen." Und über Frauen generell: "Ein gewisses Jagdfieber hat nachgelassen. Aber eine Frau ist für mich immer von ganz herausragender Bedeutung. Frauen haben meine Arbeit und mein Leben immer stark beherrscht."

Wie kaum einem anderen gelingt dem "schwierigen" Dietl immer wieder die Balance zwischen Fernsehen und Film. Die Mediensatire "Schtonk" über den "Stern"-Skandal der Hitler-Tagebücher oder der Schlüsselfilm "Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" über die Münchner Cineasten-Schickeria sind bleibend (das BR-Fernsehen wiederholt den Film am 22.06., um 22.15 Uhr). In München war er immer zu Hause, Berlin blieb ihm fremd. "Vom Suchen und Finden der Liebe", in welchem sich der Komponist Mimi Nachtigall (Moritz Bleibtreu) und die Sängerin Venus Morgenstern (Alexandra Maria Lara) trennen und doch nicht voneienander loskommen, blieb einer romantische Exkursion, erkennbar der langjährigen Lebenspartnerin Veronica Ferres gewidmet. Die Politsatire und Kir-Royal-Fortsetzung "Zettl" (2012) geriet nach schwerer Drehbuch-Geburt zur reinen Hauptstadt-Groteske.

"Alles, was ich gemacht habe, hat stets mit meiner eigenen Person zu tun gehabt" glaubt Dietl. "Beschäftigung mit Kunst ist immer therapeutisch, eine Art Höhlenmalerei. Man pinselt etwas an die Wand, um sich die Angst zu nehmen - Angst vor der Vergänglichkeit zum Beispiel." So gesehen glaubt man sehr an ein neues Dietl-Werk.

"Kino Kino" blickt in einer Extra-Sendung am 22.06., um 22.00 Uhr, im Bayerischen Fernsehen zurück auf Dietls Karriere, bevor im Anschluss Dietls Film "Rossini - Oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" von 1996 gezeigt wird, der vier Deutsche Filmpreise erhielt.

Einen Monat später, am 26. und 27. Juli, wiederholt das Bayerische Fernsehen die Kultserie "Kir Royal", und ab 18. August laufen alle neun Folgen von Dietls "Münchner Geschichten".

Quelle: teleschau - der mediendienst