Otto ist ein Nashorn

Otto ist ein Nashorn





Gut getrampelt

Seine jungen Helden lassen sich nicht so leicht unterkriegen, weder von Erwachsenen noch von anderen Kindern. Der dänische Autor Ole Lund Kirkegaard schrieb Kinderbuchklassiker wie "Gummi-Tarzan" oder "Orla Froschfresser", die auch verfilmt wurden. Mit dem ungewöhnlichen Animationsfilm "Otto ist ein Nashorn" kommt nun ein weiteres Werk von ihm auf die Leinwand. Darin zeichnet ein Zehnjähriger ein Nashorn an die Wand, das plötzlich lebendig und trampelnd zum Problem wird.

Otto ist ein Nashorn, und zwar eines das Bücher, Teppiche und sonst noch alles Mögliche frisst. Außerdem droht es - tonnenschwer - bald durch den Fußboden des Kinderzimmers zu brechen, aus dessen Wand es schlüpfte. Ob Otto wohl nur eine Fantasie des von anderen Kindern für "verrückt" gehaltenen zehnjährigen Jungen Topper ist? Nein! Denn hätte Topper gewusst, dass der Stift, den er zufällig gefunden hat, Gemälde lebendig werden lässt - er hätte bestimmt kein Nashorn gemalt.

Otto steht für das Chaos und den Umgang damit. Erwachsene und Kinder müssen an einem Strang ziehen, um der Lage Herr zu werden. Die Kleinen werden dabei ein Stückchen größer und manch ein Großer ein bisschen gestutzt: Die Begegnung mit Otto verändert. Erzählt wird diese unglaubliche Geschichte ganz unaufgeregt und ohne Bösartigkeit - eine der großen Stärken des Films.

Naive Malerei trifft auf Comic, so lässt sich die Welt beschreiben, die der dänische Regisseur Kenneth Kainz hier mit groteskem Witz auf die Leinwand bringt. Erdige dunkle Töne bestimmen den Film - keine Spur von Lieblichkeit. Die Wände der Häuser sind windschief, die Nasen extra-markant und die Körper in ihrer jeweiligen Ausprägung überzeichnet. Man muss sich bei diesem Film erst einmal auf die Figuren, ihr Aussehen und ihr Verhalten einlassen. Das braucht Zeit. Ebenso wie man den kleinen Helden erst nach und nach ins Herz schließt. Er ist ein Außenseiter, der sich seine Träume nicht nehmen lässt. Einer davon ist, dass sein Matrosen-Papa eines Tages zu ihm zurückkommt. Das ist aber ungefähr so wahrscheinlich wie ein gezeichnetes Nashorn, das plötzlich lebendig wird ...

Leider endet "Otto ist ein Nashorn" etwas zu märchenhaft und konfliktscheu. Von einem Animationsfilm, der sich so ungewöhnlich präsentiert, hätte man etwas anderes erwartet. Ein anspruchsvoller Kinderfilm ohne Moralkeule, dafür aber mit einem liebeswert sperrigen Helden und seinem nimmersatten Mitbewohner.

Quelle: teleschau - der mediendienst