Wolf Creek 2

Wolf Creek 2





Genre-Achterbahn durchs Höllen-Outback

"Jedes Jahr werden rund 30.000 Menschen in Australien als vermisst gemeldet. 90 Prozent tauchen innerhalb eines Monats wieder auf. Manche sieht man nie wieder ..." - so begann der Horrorfilm "Wolf Creek" vor rund zehn Jahren und so beginnt auch die Fortsetzung. Hauptdarsteller John Jarratt schlüpft erneut in die Rolle des Bösewichts Mick Taylor, und seine Opfer sind wieder größtenteils Rucksacktouristen - nun hören die Gemeinsamkeiten von Original und Sequel allerdings schon auf. "Wolf Creek 2" ist schneller, direkter und actionlastiger als sein Vorgänger. Diesmal schleicht sich sogar eine gehörige Portion schwarzer Humor in die australische Menschenjagd, die mit den konventionellen Sehgewohnheiten konsequent bricht.

Die beiden deutschen Backpacker Rutger (Philippe Klaus) und Katarina (Shannon Ashlyn) wollen die entlegenen Gebiete des australischen Outbacks erkunden. Per Anhalter schaffen sie es mit Müh und Not zum berühmten Meteoritenkrater "Wolf Creek" - dort wieder wegzukommen gestaltet sich noch schwieriger. Ein Typ namens Mick Taylor (John Jarratt) bietet den beiden "Krauts" an, sie zum nächstgelegenen Campingplatz zu bringen. Rutger weist ihn ab: Er ahnt dass an diesem Typ etwas faul ist. Schon hat Rutger ein Messer im Rücken, und Katarina rennt durch die Wüste um ihr Leben - verfolgt vom durchgeknallten Mick. Wie gut, dass just in dem Moment, als sie eine Straße erreicht, ein britischer Tourist namens Paul (Ryan Corr) vorbeifährt und die aufgebrachte Deutsche einsammelt - nicht ahnend, dass er gerade in etwas hineingeraten ist, das ihn sein Leben kosten könnte. Kurze Zeit später hat auch Katarina eine Kugel im Kopf.

Bereits hier bricht "Wolf Creek 2" mit den klassischen Horrorfilm-Konventionen: Die beiden vermeintlichen Hauptcharaktere sterben binnen des ersten Filmviertels. Den Rest des Werkes beobachtet der Zuschauer Paul, über den man vorher nichts weiß, beim Wettrennen um sein Leben. Und was für eine Achterbahnfahrt diese Fortsetzung ist: Actiongeladen, explosiv und rasant geht es auf immer anderen Fortbewegungsmitteln - darunter ein Jeep, ein Truck und sogar ein Pferd - durch Wüsten- und Buschlandschaften, die mal Western- und mal Road-Movie-Feeling aufkommen lassen. Die erhabene, wunderschöne Natur steht im Gegensatz zum wild gewordenen Menschenjäger Mick.

Hier und da lässt Regisseur Greg McLean, der bereits für den ersten Teil verantwortlich zeichnete, augenzwinkernde Züge eines Quentin Tarantino erkennen. Paul stolpert auf seiner Flucht von einer absurd wirkenden Szenerie in die nächste. Der Plot mag vielleicht nicht sonderlich realistisch sein, zieht den Zuschauer aber durch ständige Zäsuren und originelle Überraschungen, gepaart mit reichlich Nervenkitzel in seinen Bann.

Und dann wäre da noch John Jarratt. Das Wechselspiel zwischen Humor, Wut, Wahnsinn und Perversion gelingt dem Australier bravourös. Selten sah die Kinoleinwand einen durchtriebeneren Psychopathen. Obwohl "Wolf Creek 2" an einigen Stellen versucht, Mick eine Art Motivation für sein Handeln zu verleihen, bleibt er ein Bösewicht der alten Schule. So gesellt sich Mick abermals zu den abgrundtief bösen, undurchsichtigen Zelluloid-Antagonisten Michael Myers, Jason Voorhees und Freddy Krüger.

Quelle: teleschau - der mediendienst