About Last Night

About Last Night





Gute Nacht, Amerika!

"Es geht darum, was Männer sagen und Frauen denken", heißt es effektheischend und bereits nicht besonders vielversprechend in der Ankündigung zu Steve Pinks filmischem Remake "About Last Night". Über letzte Nacht wurde zunächst vor beinahe 45 Jahren in David Mamets Theaterstück "Sexual Perversity in Chicago" gestritten - einem Stück mit starkem regionalen Bezug. Darin thematisierte der äußerst produktive Autor, Dramatiker und Regisseur die Unfähigkeit der Großstädter zu mehr als flüchtigen Beziehungen. Ohne Happy End. In den 80er-Jahren versuchte sich dann Regisseur Edward Zwick an einer filmischen Umsetzung des Stücks. Demi Moore und Rob Lowe gaben in "Nochmal so wie letzte Nacht" das "langweilige", nicht völlig bindungsunfähige Paar, während James Belushi und Elizabeth Perkins die sexgeilen, lustigen Großstädter verkörperten.

Steve Pink ("Hot Tub - Der Whirlpool ... ist 'ne verdammte Zeitmaschine") verlegte die Handlung in seinem Remake kurzerhand nach Los Angeles und besetzte die Hauptrollen des neuen, überaus faden Skriptes von Leslye Headland ("Die Hochzeit unserer dicksten Freundin") mit farbigen Darstellern.

Einzige Lichtblicke dieser kaltherzigen, romantischen Komödie im Schöner-wohnen-Ambiente: Comedian Kevin Hart als überdrehter, sexbesessener Bernie und Regina Hall ("Scary Movie 1 bis 4") als sein ebenbürtiger Counterpart Joan. Es reißt den Zuschauer gelegentlich aus dem Tiefschlaf heraus, wenn sich die beiden vulgär anzicken oder ihren recht ungewöhnlichen Sexpraktiken frönen - beispielsweise als Hühner verkleidet.

Kennengelernt haben sich die beiden temperamentvollen Streithähne in einer Bar, noch in derselben Nacht kam es wohl zu äußerst wilden sexuellen Aktivitäten, von der Joan ihrer Mitbewohnerin Debbie (Joy Bryant) brühwarm erzählt. Beim nächsten Treffen der beiden wird sie mitgeschleppt, Bernie bringt indes seinen netten Freund und Kollegen Danny (Michael Ealy) mit. Während Joan und Bernie stockbetrunken für eine flotte Nummer auf die Toilette verschwinden, verlieben sich die beiden gutaussehenden, doch ebenfalls im tiefsten Inneren natürlich extrem beziehungsängstlichen Freunde des Anti-Paares. Wem das zu seicht scheint, der darf an dieser Stelle getrost das Kino verlassen - mehr Tiefgang entwickelt sich in dem 100 Minuten währenden Film nicht. Mehr Innensicht in das Gefühlsleben beziehungsgestörter Großstädter wird Pink dem Zuschauer auch nicht gönnen.

Danny und Debbie, deren Schicksal einen im Folgenden nicht nur kalt lässt, sondern zunehmend zu nerven beginnt, ziehen derweil unter großem Protest ihrer extrem bindungsunfähigen Freunde zusammen. Sie schaffen sich einen gemeinsamen Esstisch und ein Hündchen namens Pacino an - was natürlich nicht gut gehen kann. Derweil schwanken Joan und Bernie immer wieder zwischen reichlich überkandidelten Sex-Gelagen und gegenseitigem Hass.

Wenn das exemplarisch alles ist, was die Männer jenseits des großen Teiches heutzutage sagen und ihre Frauen denken, dann gute Nacht, Amerika. Diese sterile und kaltschnäuzige Romantic Comedy bringt einen wahrhaft ins Grübeln - und zwar darüber, wie man seine Nacht tatsächlich besser verbringen kann als mit diesem völlig überflüssigen Film.

Quelle: teleschau - der mediendienst