Karlheinz Böhm

Karlheinz Böhm





Unermüdlicher Kämpfer gegen Hunger und Armut

"Menschen für Menschen" - so hieß die von Karlheinz Böhm einst ins Leben gerufene Stiftung, die den Hungernden in Äthiopien so viel Hoffnung gab. Als Menschenfreund, als unermüdlicher Kämpfer gegen Hunger und Armut wird der österreichische Schauspieler für alle Zeiten in Erinnerung bleiben. Am Donnerstagabend erlag Karlheinz Böhm seiner langen Alzheimer-Erkrankung. Er starb im Alter von 86 Jahren in Grödig bei Salzburg.

"Wenn Sie nur einem einzigen Menschen in ihrem Leben helfen, haben Sie bereits ungeheuer viel in Bewegung gesetzt", sagte Karlheinz Böhm, der am 16. März sein 86. Lebensjahr vollendete, einmal. Er half Hunderttausenden. Bis ins hohe Alter ließ er sich von diesem Weg nicht abbringen. "Wut ist meine Motivation, mein Jungbrunnen". Wut über die ungerechte und menschenverachtende Diskrepanz zwischen Reich und Arm. Wut über jene Menschen, die den Sinn von Hilfe aufgrund des vielen Elends auf der Welt in Frage stellen. "Das ist eine der miesesten Ausreden, und wenn ich sie höre, werde ich richtig böse."

Karlheinz Böhm durfte so sprechen. Und nicht nur, weil er ein Star war, der sich als Künstler so viele Meriten erwarb, hörten die Menschen auf ihn, sondern auch, weil er seine Worte mit Taten unterfütterte. In Zeiten, in denen das Wort "Charity" unter Prominenten längst nicht so verbreitet war wie heutzutage, unternahm er etwas gegen das Leid in der Welt. Trotzdem glaubte er immer, mehr tun zu müssen. "Wenn man an die Milliarden denkt, die in dieser Zeit in Militärausgaben fließen, und gleichzeitig an die verhungernden Menschen in Afrika, dann muss man fast glauben, dass Reichtum und Überfluss in gefährliche Handlungsweisen führen", sagte Böhm einmal, und es ist kein Wunder, dass er unter Politikern als unbequemer, kritischer Humanist nicht nur respektiert, sondern mitunter auch gefürchtet war.

Die Geschichte, wie Karlheinz Böhm, einziges Kind der Sopranistin Thea Linhard und des Dirigenten Karl Böhm, vom Schauspieler zum Entwicklungshelfer wurde, ist fast schon legendär: Als er am 16. Mai 1981 bei Frank Elstners ZDF-Sendung "Wetten, dass ..?" zu Gast war, forderte er die Zuschauer auf, "eine Mark, einen Franken oder sieben Schilling" für Not leidende Menschen in der Sahelzone zu spenden. Die Resonanz war überwältigend. Mit umgerechnet 870.000 Euro flog Böhm sechs Monate später in die bettelarme Region, um das Geld an Bedürftige zu verteilen. Das Schlüsselerlebnis, das ihn den Kampf gegen Armut und Hunger aufnehmen ließ, hatte Böhm jedoch schon Jahre zuvor: Um 1976 einen Bronchialkatarrh auszukurieren, empfehlen die Ärzte einen Aufenthalt in Kenia. Von Angestellten und Einheimischen ließ er sich die Kehrseite des Landes zeigen - und erschrak ob der Missstände, die ihn bis zuletzt nicht mehr losließen.

Weit über 150 Millionen Euro sammelte der Film- und Theaterschauspieler, der durch seine Rolle als Kaiser Franz-Josef in der "Sissi"-Trilogie (1955-1957) berühmt, später als psychopathischer Mörder in Michael Powells "Augen der Angst" (1960) berüchtigt wurde. Ans Aufhören dachte der Jubilar, der schon 1997 einen Herzschrittmacher erhielt, lange nicht: "Kein Theaterapplaus kommt der Dankbarkeit gleich, die ich in Afrika ernte." Ein dreimal um den Finger gewundener Golddraht erinnerte den siebenfachen Vater und Ehemann der äthiopischen Landwirtschaftsexpertin Almaz jeden Tag an seine Liebe "Äthiopien", das zu einer zweiten Heimat wurde. Im Jahr 2006 zog sich Böhm aus der Leitung der Stiftung zurück. Anfang 2013 wurde bekannt, dass Karlheinz Böhm an Alzheimer erkrankt war. Seine Frau gab danach die Leitung der Stiftung ab und widmete sich ihrem Mann. Böhm erhielt im Laufe seiner Karriere zahlreiche Preise, darunter das Bundesverdienstkreuz, die Berlinale Kamera, den Bayerischen Verdienstorden und den Bambi.

Seinen letzten großen TV-Auftritt hatte Karlheinz Böhm 2008. Anlässlich seines 80. Geburtstags widmete ihm das ZDF unter dem Titel "Alles Gute Karlheinz Böhm - Ein Leben für Afrika" einen von Markus Lanz moderierten Gala-Abend. Fast vier Millionen Menschen sahen damals zu. Noch viel wichtiger jedoch war die Spendenresonanz. 6,3 Millionen Euro kamen bei der Sendung für Böhms Stiftung zusammen.

Quelle: teleschau - der mediendienst