Tanja Wedhorn

Tanja Wedhorn





"Wir hatten einfach Glück"

Tanja Wedhorn dreht gerade auf der Nordsee-Insel Föhr für einen neuen Film der "Reiff für die Insel"-Reihe im ZDF. Schafe scheinen eine große Rolle zu spielen, denn als sie etwas verspätet für das Interview anruft, klagt sie über den schwierigen Dreh mit den Tieren: "Es sind halt keine Filmschafe", scherzt die 42-Jährige. Das Wetter im rauen Norden macht die Dreharbeiten auch nicht leichter - ganz anders war es da im sonnigen Süden, wo sie im vergangenen Jahr vier Wochen lang für den ZDF-"Herzkino"-Film "Lebe lieber Italienisch" vor der Kamera stand. Im Interview spricht die Schauspielerin und zweifache Mutter über Urlaub, Fußball und das ganz normale Leben zwischen Beruf, Ehe und Kindern. Demnächst ist die Wahlberlinerin innerhalb von einer Woche in gleich zwei Erstausstrahlungen in der Hauptrolle zu sehen: In "Lebe lieber Italienisch" (Sonntag, 08.06., 20.15 Uhr, ZDF) und in "Die Kraft, die du mir gibst" (Freitag, 13.06., 20.15 Uhr, ARD).

teleschau: Sind Sie eher ein Nord-Mensch oder ein Süd-Mensch?

Tanja Wedhorn: Ich mag beides. Aber ich liebe Wind. Und wenn die Sonne scheint, dann ziehe ich mittlerweile eher den Schatten vor. In der prallen Sonne zu sitzen gefällt mir nicht mehr. Wenn ich daran denke, dass man mit 14 seinen Urlaub mit zwei Wochen am Strand liegen verbracht hat, um möglichst blond und braun zu werden, finde ich das rückblickend ziemlich absurd.

teleschau: Also fahren Sie eher in die schattigen, windigen Regionen?

Wedhorn: Nein, ich fahr schon in den Süden, suche mir dort dann aber den Schatten!

teleschau: Wann haben Sie das letzte Mal Urlaub in Italien gemacht?

Wedhorn: Nach den vier Wochen Dreh zu "Lebe lieber Italienisch" in Apulien kam meine Familie nach Italien, und wir sind noch mal für drei Wochen in die Toskana gefahren. Lustigerweise war schon der Urlaub gebucht, und dann kam erst der Dreh dazu. Das hat genau gepasst!

teleschau: Machen Sie oft Urlaub in Italien?

Wedhorn: Ich bin da gar nicht so festgelegt. Auf der einen Seite finde ich es schön, einen Ort zu haben, den man sehr liebt, wo man sich ein Haus mietet und jedes Jahr wieder hinfährt. Auf der anderen Seite mag ich es aber auch, ganz viel Neues zu sehen und auszuprobieren.

teleschau: Würden Sie sagen, dass Sie einen besonderen Bezug zum "Reisen" haben? Ihrer Familie gehört ja ein Reisebüro ...

Wedhorn: Ich wünschte, ich könnte das sagen. Wir hatten damals ein Ferienhaus in Ostfriesland. Also waren wir die meiste Zeit dort. Meine Schwester und ich waren dort teilweise wochenlang mit unserer Oma, während unsere Eltern arbeiten mussten. Das waren dann mal die kompletten Sommerferien. Oder wir sind auf die Kanarischen Inseln geflogen. Das waren die beiden Optionen. Meine Eltern haben zwar schon verrücktere Sachen gemacht, dann aber ohne uns!

teleschau: Wann waren Sie dann das erste Mal in Italien?

Wedhorn: Bei einer Städtereise mit meiner Mama. Später war ich dann mit der Schule dort. Und viel später bin ich mit meiner besten Freundin für ein paar Tage nach Rom gefahren.

teleschau: Würden Sie sagen, dass die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Italien, die im Film thematisiert werden, wirklich so groß sind?

Wedhorn: Wenn ich da war, war ich Touristin. Da ist man ohnehin außen vor. Und auch während des Drehs befand ich mich in einer besonderen Position. Ein bisschen was bekommt man aber natürlich mit. Bei 40 italienischen Teammitgliedern und acht italienischen Schauspielern ist es einfach schwer durchzusetzen, dass alle Englisch sprechen. Wir waren zwar drei deutsche Schauspieler, die anderen beiden waren aber nicht immer da. Ich war also oft alleine unter Italienern, ohne Italienisch zu können. Und natürlich haben die alle Italienisch gesprochen, und das irre lebhaft und wuselig. Teilweise wirkte alles sehr chaotisch. Oft hab ich bis zum Ende nicht verstanden, wer da eigentlich was macht. Aber es hat funktioniert.

teleschau: Haben sich die Klischees also doch bewahrheitet?

Wedhorn: Nein, das definitiv nicht. Eine herbe Enttäuschung gab es allerdings. Ich hatte mich wahnsinnig auf das Essen gefreut. Ich dachte, wir sitzen mittags unter so einem alten Baum an einem Tisch mit weißen Tischdecken und essen gut. So wie man es sich eben klischeehaft vorstellt. Dem war aber nicht so ... Stattdessen gab es eingeschweißte Lunch-Schälchen, die selbst Mensa-Essen noch gut aussehen lassen! (lacht)

teleschau: Wie stehen Sie denn generell zu Klischees?

Wedhorn: Ich glaube, das stimmt alles nicht. In Italien gibt's nicht nur feurige Liebhaber, und wir Deutschen sind beileibe nicht alle pünktlich. Das wäre ja auch furchtbar. Alle Länder sind letztlich doch breit aufgestellt, mit allen bunten Wesen, die die& Menschheit zu bieten hat.

teleschau: Die WM steht vor der Tür. Finden Sie das solche Veranstaltungen eher für Völkerverständigung sorgen, oder entstehen dadurch erst Rivalitäten zwischen Ländern?

Wedhorn: Ich bin ja selbst Fußballfan. Genauer gesagt: Dortmund-Fan! Natürlich gibt es immer die Hardcore-Fans, die das alles nicht ganz begreifen. Aber eigentlich soll das ja auch völkerverbindend sein und ein großes Fest werden. Und ich glaube, Brasilien ist perfekt dafür, da einen gewissen Zauber über die Welt zu bringen. Wer, wenn nicht die Brasilianer?

teleschau: Wie zelebrieren Sie die WM?

Wedhorn: Früher waren mein Mann und ich oft beim Public Viewing. Mit den Kindern machen wir das nicht mehr. Aber mein älterer Sohn, der ist gerade sechs, der liebt Fußball. Der schaut das ganz aufmerksam und bis zum Schluss, das ist ihm heilig. Aber der Kleine ist jetzt erst drei. Da gehen wir nicht abends noch mal los zum Fußballschauen. Wir werden zu Hause in Berlin auf dem Beamer schauen und unsere Freunde einladen.

teleschau: Wie oft sind Sie denn eigentlich noch in Berlin? Gerade drehen Sie auf Föhr, vorher standen Sie auf der Bühne in Hamburg ...

Wedhorn: Wenn ich's mir hätte wünschen können, hätte ich gerne mehr Luft zwischen den beiden Sachen gehabt, um etwas präsenter in Berlin zu sein. Aber manchmal geht es nicht anders. In Hamburg konnte ich immerhin pendeln, da war ich zumindest einmal die Woche daheim. Hier auf der Insel hatte ich die Kinder an den ersten fünf Tagen dabei. Wir schauen immer, dass es im Rahmen bleibt. Nach dem Dreh hier, gehe ich auch zurück nach Berlin. Dann kommen die WM und die Sommerferien, und ich kann mich wieder komplett auf die Familie konzentrieren.

teleschau: Sie würden sich also nicht als Workaholic bezeichnen?

Wedhorn: Nein! Vor drei Monaten war ich noch nur Mama und saß nur zu Hause. Meine Familie steht bei mir ganz oben. Ich hab auch schon mehrfach für meine Kinder Filme abgesagt. Ich will ja für die da sein... Gleichzeitig ist mein Beruf aber auch mit Reisen verbunden. Da muss man einfach abwägen, bis wohin man das okay findet und ab wann nicht mehr.

teleschau: Sieht man Sie demnächst dann öfter am Theater oder eher in der TV-Landschaft? Was lässt sich besser mit der Familie vereinbaren?

Wedhorn: Wenn ich mir vorstelle, fest in einem Ensemble zu sein, wo ich jeden Tag proben muss, neue Texte lernen und jeden Abend eine andere Aufführungen habe, dann finde ich das weniger kompatibel, als zu sagen, dass ich jetzt für vier Wochen nach Föhr gehe und danach wieder Zeit habe. Bei den Theatersachen, die ich in letzter Zeit gemacht habe, war es ja so, dass ich ein paar Wochen lang dasselbe Stück gespielt habe. Das ist also schon eher so wie ein Filmdreh. Tagsüber hatte ich ja keine Proben für ein neues Stück und konnte voll bei den Kindern sein. Festes Ensemblemitglied an einem großen Haus zu sein und kleine Kinder zu haben, stelle ich mir allerdings sehr schwierig vor.

teleschau: Sie sind seit 20 Jahren mit Ihrem Mann zusammen. Wie schafft man das in einer Zeit, in der alles schnelllebiger wird und jede zweite Ehe geschieden wird?

Wedhorn: Wir hatten einfach Glück, uns damals in der Schule kennengelernt zu haben. Wir sind zwar sehr unterschiedlich, ticken aber in den grundsätzlichen Dingen sehr ähnlich. Wir haben auch nie versucht, uns gegenseitig zu ändern. Da wird man ja eh nur enttäuscht. Irgendwann kam bei uns dann die Entscheidung, Kinder zu wollen. Durch sie wurde dann eigentlich alles noch mal schöner. Wir hatten einfach viel Glück.

teleschau: Lernt man nach 20 Jahren immer noch Neues am anderen kennen?

Wedhorn: Das kommt durch die Veränderungen im Leben. Meinen Mann als Vater kannte ich vorher ja nicht. Aber nach 20 Jahren kennt man sich natürlich schon ganz gut! (lacht) Ich glaube ansonsten, dass es uns gut tut, keine Konstante zu haben. Wir brauchen die Abwechslung. Wir lassen den anderen schon seine Freiheiten. Ich muss auch nicht ständig telefonieren und wissen, was er zum Mittag gegessen hat. Darin liegt vielleicht unser Erfolgsrezept für eine funktionierende Beziehung. Das gilt sicher nicht für jedes Paar, für uns aber schon.

Quelle: teleschau - der mediendienst