Led Zeppelin

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"Ein Lächeln aufs Gesicht ..."

Bereits vor knapp zwei Jahren, zur Premiere von "Celebration Day", dem Live-Mitschnitt von Led Zeppelins einmaligem Reunion-Konzert 2007, kündigte Gitarrist Jimmy Page es an: Er sei gerade dabei, alle Alben der britischen Rock-Legenden digital zu überarbeiten, ließ er damals wissen. Und er versprach nicht zu viel: Die ersten drei Studioalben von Led Zeppelin erscheinen neu remastert in grandiosem Sound, flankiert von alternativen Versionen, Live-Aufnahmen und unveröffentlichten Material. Zu diesem Anlass ließ es sich der 70-jährige Gitarrist, Songwriter und Produzent auch nicht nehmen, das Ergebnis höchstpersönlich zu präsentieren. Stilecht in den Berliner Hansa Studios stellte er die ersten drei Alben in Konzertlautstärke vor, im Anschluss erklärte Page die Hintergründe zu den wahrscheinlich spektakulärsten Wiederveröffentlichungen dieses Musikjahres.

teleschau: Für das Celebration-Day-Konzert 2007 in London gab es 20 Millionen Anfragen für Konzertkarten. Worin liegt aus Ihrer Sicht die ungebrochene Faszination von Led Zeppelin?

Jimmy Page: Ich denke in der Musikalität der Bandmitglieder. Bei jedem Einzelnen und seiner Performance, seinem individuellen Input. Wenn die Fans Led Zeppelin hören, hören sie nicht nur die Musik, sondern auch die Individuen, die superbe Musikalität jedes Einzelnen. Darin liegt die Qualität von Led Zeppelin. Dazu kommt, dass in der Band eine Menge Leidenschaft steckte. Wir waren vier unglaublich gute Musiker in der Blüte unseres Schaffens. Es macht mir heute noch Freude, John Bonhams Schlagzeug zu hören. Es zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht.

teleschau: Es gab in der Vergangenheit bereits einige Wiederveröffentlichungen. Warum haben Sie jetzt alle Alben noch einmal überarbeitet?

Page: Die Messlatte an Led Zeppelin war schon immer hoch, gerade klanglich. Unser Ansatz war stets die bestmögliche Klangqualität abzuliefern - damals wie heute. Sicher, einiges wurde schon einmal remastert, aber wie viele Jahre ist das bereits her? Der technische Standard ist heute ein ganz anderer. Ich habe jetzt alle Alben mit dem besten technischen Equipment bearbeitet, das mir zur Verfügung stand.

teleschau: Zusätzlich zu den neu remasterten Originalalben wird es Bonus-CDs mit alternativen Versionen und unveröffentlichtem Material geben. Hatten Sie das Gefühl, Led Zeppelin hätten damals etwas anders machen sollen?

Page: Nein. Und das was wir anders machten, hört man jetzt auf den begleitenden CDs. Die Arbeit, die wir seinerzeit in die Originalsongs steckten, war richtig und kreativ. Viele Stücke sind Klassiker und zeigen den Charakter der Band. Ich finde die Originalversionen heute noch superb!

teleschau: Nach welchen Kriterien wählten Sie das Bonusmaterial aus?

Page: Das zusätzliche Material soll das Bild, das man von den Originalalben hat, deutlicher machen. Die Songs der Originalalben sind sozusagen die Meisterstücke, die definitiven Versionen, für die wir uns damals entschieden. Die alternativen Versionen sind nun ihre Begleiter. Aber auch sie besitzen so viel Charakter, Energie und Charisma, dass man sie einfach hören muss. Ich wusste zwar, dass all diese Versionen irgendwo existierten, aber es dauerte lange, sie zurückzuverfolgen, zu finden und auszugraben. Und jetzt, wo alle neun Alben fertig sind, sind am Ende doch einige Entdeckungen und Überraschungen ans Licht gekommen. Das entwickelte eine regelrechte Eigendynamik. Aber ich denke, dass ich die richtigen Entscheidungen traf. Denn ich weiß, was Led Zeppelin für viele Menschen bedeutet.

teleschau: Beim Hören des Materials müssen Ihnen Hunderte von Erinnerungen durch den Kopf gegangen sein. Was ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

Page: Ein besonderer Moment war sicherlich die Aufnahme von "Keys To The Highway/Trouble In Mind". Den Song nahmen Robert und ich an einem Abend im Londoner Olympic Studio auf, nur wir beide waren da. Wir wollten einen akustischen Blues aufnehmen, ich schnappte mir die akustische Gitarre, Robert sang und spielte Mundharmonika - eine Aufnahme, fertig! Wir hatten nicht mal abgesprochen, was wir machen wollten. Dann hob der Song ab. Das ist ein Zeitdokument, das zeigt, wie gut und intuitiv Robert und ich zusammenarbeiteten.

teleschau: Wie sah die Beteiligung Ihrer Kollegen Robert Plant und John Paul Jones aus?

Page: Als wir dieses Projekt angingen, schickte mir Robert seine Tonbänder, die er zu Hause hatte. Die meisten Aufnahmen hatte ich in meinem Archiv, aber es gab einige Bänder von Robert, die sehr nützlich waren, alternative Versionen, die er damals mit nach Hause genommen hatte, um an Texten zu schreiben. Ich checkte außerdem alle möglichen Bootlegs, denn ich wollte kein Material, das schon auf irgendeine Weise kursierte. Das machte meinen Job noch anstrengender. Aber es war eine gute Entscheidungshilfe, welche Songs ich für diese Reise benutzen wollte.

teleschau: Sie waren privat nie in den Schlagzeilen, leben sehr zurückgezogen. Über den Musiker ist viel geschrieben worden - aber was für ein Mensch ist Jimmy Page?

Page: Ein Mensch wie jeder andere. Er lässt sich inspirieren, bewegen und berühren, von Musik, Malerei und Literatur. Die Künste sind ein wichtiger Teil meines Lebens. Ansonsten kann ich in so einem Gespräch kaum erklären, was für ein Mensch ich bin. Aber man kann einiges aus meinem Gitarrenspiel über mich erfahren, wenn man genau zuhört. Die Gitarre ist ein taktiles Instrument, mit dem du deinen Charakter ausdrücken kannst. Das zu erreichen, ist wichtig, denn es ist Ausdruck deiner Seele. Und darum geht es doch.

teleschau: Einige Fans mutmaßen, dass Sie noch immer ein glamouröses Rockstar-Leben führen ...

Page: Verstehen sie mich nicht falsch, ich hatte eine gute Zeit! Kein Zweifel! (lacht) Aber wenn einige Leute sagen, ich hätte ein verrücktes Leben geführt, antworte ich: Nein! Aber ich hatte eine Menge Spaß. Und den habe ich heute noch.

teleschau: Wie geht es jetzt für sie weiter? Wie sehen ihre Pläne aus?

Page: Die Chancen stehen gut, mich nächstes Jahr auf der Bühne zu sehen. Ich kann noch nichts Genaues sagen. Aber jetzt, wo meine Arbeit hier getan ist, gibt mir das die Möglichkeit wieder zu spielen. Ich habe meine Zähne tief in Led Zeppelin eingegraben, habe jetzt Lust auf diese Songs und will sie live präsentieren. Also: Hoffentlich sehe ich euch nächstes Jahr!

teleschau: Aber nicht mit Led Zeppelin?

Page: Nein, das wird definitiv nicht der Fall sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst