Vom Suchen und Finden in Cannes

Vom Suchen und Finden in Cannes





Impressionen von den Filmfestpielen (14. bis 25. Mai)

Bei den Filmfestspielen von Cannes sind alle auf der Suche. Die einen stehen sich mit Suchschildern in der Hand die Füße für Tickets vor dem Palais platt. Wer mehr Geld hat, besorgt sich gleich auf dem Schwarzmarkt eine Eintrittskarte für ein Galascreening mit Hollywoodstars, Kostenpunkt 5.000 Euro. Die Deutschen sind mal wieder vergeblich auf der Suche nach einem eigenen Film im Wettbewerb und trösten sich mit Wim Wenders. Der darf seine Doku "The Salt of the Earth" immerhin in der Nebenreihe "Un Certain Regard" zeigen und wird mit einem Screening von "Paris Texas" bei den Cannes Classics geehrt.

Wenigstens kommen in Deutschland die heimischen Produktionen gut an: Wie die neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters bei ihrem Cannesdebüt auf dem Deutschen Empfang am Majestic Beach verkündete, war 2013 war das erfolgreichste deutsche Filmjahr in den letzten 20 Jahren. Der Marktanteil deutscher Filme in Deutschland lag weit über 20 Prozent - und mit "Fack Ju Göhte!" lockte zum ersten Mal seit 2004 wieder ein deutscher Film die meisten Zuschauer in die Kinos. Branchenberichten zufolge hat Hollywood bei Constantin-Chef Martin Moszkowicz schon nach Talenten aus Deutschland gefragt, die einen Film mit großem Budget umsetzen könnten. Vielleicht findet sich also bald ein neuer Emmerich beim Filmfestival von Cannes?

Vielversprechende Talente aus anderen Ländern ließen sich im Laufe des Festivals, das am Sonntag, 25. Mai, endet, immerhin schon ausmachen: Die meisten Lacher im Wettbewerb bekam bisher der Argentinier Damián Szifrón für seinen Beitrag "Wild Tales", der von den Brüdern Almodovar produziert wurde. In diesem Episodenfilm voll schwarzem Humor wollen die Protagonisten die Demütigungen und Ungerechtigkeiten, die im Alltag passieren, nicht mehr auf sich sitzen lassen. Sie beginnen sich dagegen zu wehren, dass ihre Autos abgeschleppt werden, dass andere Verkehrsteilnehmer auf der Straße drängeln oder sie in einer Notsituation ausgenutzt werden - und ihre Rache ist vor allem für den Zuschauer süß.

Eine wahre Entdeckung ist auch der US-Amerikaner Damien Chazelle, der mit "Whiplash" in der Nebenreihe "Quinzaine des Réalisateurs" einen Begeisterungssturm beim Publikum hervorrief. J.K. Simmons setzt darin militärische Methoden ein, um seinen Schlagzeugschüler (Miles Teller) zu Bestleistungen anzutreiben. Dieser spielt bis zu einem gewissen Punkt mit und nimmt dann selbst die Drumsticks und seine Karriere als Musiker in die Hand. Der ewige Nebendarsteller J.K. Simmons beweist in diesem - wie er sagt - "Full Metal Jacket goes Juilliard"-Film eindrucksvoll, dass er problemlos auch einen ganzen Film tragen kann. Noch steht der Starttermin für Deutschland nicht fest, aber der Film kommt auf jeden Fall hierzulande in die Kinos.

Quelle: teleschau - der mediendienst