Patrick Lindner

Patrick Lindner





"Der Preis der Popularität ist hoch"

Der Grand Prix der Volksmusik ebnete ihm einst den Weg. Mit "Die kloane Tür zum Paradies" belegte Patrick Lindner Platz zwei beim volkstümlichen Sangeswettstreit. Das war 1989. Inzwischen kann der gelernte Koch über eine beeindruckende Karriere zurückblicken: Über zehn Millionen verkaufte Tonträger, fünf Goldene Stimmgabeln, sechs goldene Schallplatten und dazu noch drei aus Platin. Doch Lindner ist mehr als "nur" ein volkstümlicher Schlagerstar: Er nahm 1999 am Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teil, überzeugte als Swing-Interpret, bewies sich als Schauspieler. Und nicht zuletzt zollte ihm die gesamte Musikwelt Respekt, als er sich als einer der ersten Schlagerstars überhaupt als homosexuell outete. Jetzt feiert der 53-Jährige sein 25-jähriges Bühnenjubiläum - und veröffentlicht aus diesem Anlass die Doppel-CD "Nur mit deiner Liebe", die neue Songs und die 20 größten Hits seiner Karriere enthält. Über deren Höhen und Tiefen, über die vermeintliche Konkurrenz im Schlagergeschäft und mutige Entscheidungen spricht Lindner im Interview.

teleschau: Sie stehen seit 25 Jahren auf der Bühne. Erschrecken Sie selbst angesichts dieser Zahl?

Patrick Lindner: Nein, das ist ja eher ein freudiges Ereignis. Wenngleich man sich schon fragt, wo die Jahre geblieben sind.

teleschau: Gab es Zeiten, auf die Sie hätten verzichten können?

Lindner: Im Großen und Ganzen nicht. Sicherlich gab es Situationen, die nicht hätten sein müssen. Aber im Endeffekt gehörte alles zusammen, und eines ergab das andere. Zu all den schönen Erfolgen gehört auch immer eine weniger schöne Seite.

teleschau: Erinnern Sie sich an Wendepunkte, an denen sie sich weiterentwickelten?

Lindner: Meine Karriere begann ja sehr steil, in einer Zeit, als der volkstümliche Schlager sehr angesagt war. Von daher hatte ich zu Beginn große Erfolge. Meine eigenen Fernsehshows waren sicherlich Höhepunkte, aber auch das Ausprobieren neuer Dinge.

teleschau: Mussten Sie sich im Gegenzug auch manchmal durchbeißen?

Lindner: Das ist vielleicht zu viel gesagt. Aber es gab Momente, in denen ich härter arbeiten musste. Oder Herausforderungen, bei denen ich mich fragte, ob ich das schaffe.

teleschau: Wo wussten Sie nicht, ob Sie das hinkriegen?

Lindner: Zum Beispiel als ich mit der Schauspielerei anfing, die Möglichkeit bekam, Gastrollen zu spielen. Bei solchen Aufgaben, die für mich ja nicht alltäglich waren, bestand ja immer auch die Möglichkeit, dass man es gar nicht richtig hinkriegt und sich blamiert. Wenn ich solche Herausforderungen meisterte, war ich dann aber auch sehr stolz.

teleschau: Haben Sie sich viele Gedanken über Ihr neues Album gemacht?

Lindner: Es ist ja nicht nur mein erstes neues Album seit drei Jahren. Ich komponierte dieses Mal sehr viel mit und schrieb Texte, was für mich etwas Besonderes war. Es gibt aber auch Titel von G. G. Anderson, Michael Holm und Andrea Berg.

teleschau: Da Sie einen Song von Andrea Berg auf dem Album singen, darf man daraus schließen, dass Sie sie nicht um ihren Erfolg beneiden, sondern gute Kollegen sind ...

Lindner: Ja, das Konkurrenzdenken gibt es im innersten Kreis gar nicht. Wenn ich einen Titel schreibe und ein Kollege singt den dann, dann bin ich darüber glücklich. Andrea freute sich jedenfalls sehr. Wir sind seit Jahren befreundet und sehen uns nicht als Konkurrenz. Da ist für alle genug Platz.

teleschau: 1999 nahmen Sie am Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teil. Ist es denkbar, dass das noch ein zweites Mal passiert?

Lindner: Das glaube ich eigentlich nicht. Der Wettbewerb hat sich ja doch in andere Richtungen entwickelt, zunächst in Richtung Klamauk und dann in Richtung Internationalität.

teleschau: Haben Sie die Show immer verfolgt?

Lindner: Nicht immer. Es gab Zeiten, in denen mich der Wettbewerb tatsächlich eher nicht interessierte, muss ich sagen. Aber dieses Jahr gefiel mir die Show ganz gut, denn es ging wieder ein bisschen mehr in Richtung Musik, das Lied, die Melodie stand mehr im Vordergrund als in den letzten Jahren.

teleschau: Ist der Preis der Popularität heute höher als früher, was die mediale Überwachung angeht?

Lindner: Der Preis, das kann man ganz klar sagen, ist natürlich manchmal zu hoch. Manchmal werden Dinge einfach dahergeschrieben, die vielleicht gar nicht stimmen. Andererseits braucht es eine Superstory, Interessantes oder Grauenhaftes, um überhaupt in den Medien stattzufinden.

teleschau: Zuletzt gab es ja ein Urteil über das "Recht auf Vergessen", das Suchmaschinenbetreiber zwingt, Informationen, die lange zurückliegen zu löschen ...

Lindner: Ja, heute wird über jede Kleinigkeit geschrieben! Und wenn einem Star irgendwo einmal eine dumme Sache passiert ist und man in schlechte Schlagzeilen geraten ist, kann man das für immer und ewig im Internet nachlesen. Wenn es einmal irgendwo stand, ging es bisher nicht mehr raus. Deswegen finde ich das in Ordnung, dass Dinge, mit denen man nicht mehr in Zusammenhang gebracht werden will, gelöscht werden können.

teleschau: Die WM steht vor der Tür. Interessieren Sie sich eigentlich für Fußball?

Lindner: Für die WM ja, aber ich bin kein absoluter Fußballfreak und auch niemand, der sich besonders gut auskennt mit technischen Sachen oder Daten über Spieler. Da hätte ich schlechte Karten, wenn man mir dazu eine Preisfrage stellt.

teleschau: Sie waren der wohl der erste Schlagerstar, der sich öffentlich outete. Im Fußball sorgte Thomas Hitzlspergers Bekenntnis zur Homosexualität zuletzt für großes Aufsehen ...

Lindner: Ja, das war ein großer Schritt! Es ist viel wert, dass das Thema an die Öffentlichkeit kommt, denn es gab bis dato keine schwulen Fußballer. Man tat so, als würde Homosexualität in diesem Bereich nicht existieren. Von daher sehe ich das sehr positiv, das kann ich jetzt nicht anders sagen.

teleschau: Ist das ein Schritt in Richtung Normalität, von der zwar immer gesprochen, die aber noch zu wenig gelebt wird?

Lindner: Ja! Aber ich glaube, dass es für einen aktiven Spieler schwer wäre, sich frei heraus zu seiner Homosexualität zu bekennen. Ich denke, dass das nach wie vor fast unmöglich ist. Ich kann diese Hemmung aber sehr gut nachempfinden. Denn wo der Einzelne sich nicht trauen würde, ist das Kollektiv der Fans unberechenbar. Einer allein würde sicher niemals ausfällig werden. Aber in der Masse haut man - zunächst mal bildlich gesprochen - dann drauf ...

Patrick Lindner auf Deutschland-Tournee:

02.10., Burg bei Magdeburg, Stadthalle

03.10., Rüdersdorf bei Berlin, Kulturhaus

04.10., Neubrandenburg, Konzertkirche

05.10., Ludwigsfelde, Kulturhaus

06.10., Halberstadt, Nordharzer Städtebundtheater

07.10., Oschatz, Thomas -Müntzer-Haus

08.10., Oelsnitz, Stadthalle

09.10., Freital, Stadtkulturhaus

10.10., Eisenhüttenstadt, Friedrich Wolf Theater

11.10., Luckenwalde, Stadttheater

12.10., Heilbad Heiligenstadt, Eichsfelder Kulturhaus

15.10., Bad Salzungen, Pressenwerk

16.10., Greiz, Vogtlandhalle

17.10., Neustadt/Sachsen, Neustadthalle

18.10., Sonneberg, Gesellschaftshaus

19.10., Eschwege, Stadthalle

20.10., Bad Lobenstein, Kulturhaus

21.10., Bernburg, Kurhaus

22.10., Crimmitschau, Theater

23.10., Salzwedel, Kulturhaus

24.10., Potsdam, Nikolaisaal

25.10., Böhlen, Kultur-und Kongresscenter

26.10., Schwedt/Oder, Uckermärkische Bühnen

27.10., Seelow, Kulturhaus

Quelle: teleschau - der mediendienst