Mona Seefried

Mona Seefried





Das Herz des "Fürstenhofs"

Seit es die deutsche Telenovela "Sturm der Liebe" (Montag bis Freitag, 15.10 Uhr, ARD) auf dem Bildschirm zu sehen gibt, seit dem 26. September 2005, ist Mona Seefried dabei: als Charlotte Saalfeld, das Herz des fiktiven Fünf-Sterne Hotels "Fürstenhof", in dem es seit nunmehr 2.000 Folgen um Liebe, Tragik und Intrigen geht. Die 57-jährige Wienerin, ausgebildete Max-Reinhardt-Schauspielerin, die vor Zeiten auf großen Hamburger, Berliner und Münchner Bühnen stand und danach in vielen TV-Serien ("Praxis Bülowbogen", "SOKO 5113") und Fernsehfilmen zu sehen war, nahm in der von der Bavaria Fernsehproduktion gedrehten Serie manche Schicksalsschläge hin, wie eine Morphiumsucht und eine Krebserkrankung. Sie überlebte unter anderem einen Flugzeugabsturz und verteidigte lange Jahre ihre Ehe mit dem "Fürstenhof"-Chef Werner Saalfeld (Dirk Galuba). Kurz nach der 2000. Folge heiratet sie in der Serie nun Friedrich Stahl, den Neuen an ihrer Seite. Mona Seefried ist die Tochter der großen Sopranistin Irmgard Seefried und des Geigers Wolfgang Schneiderhan. Als gebürtige Wienerin freute sie sich ganz besonders darüber, dass die 2000. Folge der Erfolgstelenovela im Ersten als Special an Originalschauplätzen in Wien gedreht wurde. Ausgestrahlt wird sie am Dienstag, 10. Juni, um 15.10 Uhr.

teleschau: Die 2000. Folge von "Sturm der Liebe" ist längst im Kasten, inhaltlich soll die Folge ein Geheimnis bleiben. Was drehen Sie denn im Moment?

Mona Seefried: Es ist eine sehr traurige Szene, über die ich wie immer nichts verraten darf. Aber gut: Helene - eine Nonne, mit der ich befreundet bin und mit der ich anlässlich von Charity-Projekten immer wieder zusammenarbeite - schüttet mir ihr Herz aus. Es geht um ein schwerwiegendes Problem, das sie zeitlebens mit sich herumgetragen hat.

teleschau: Schwere Kost mal wieder, die dem "Sturm"-Titel alle Ehre macht. Sie sind der ruhende Pol in der Langzeitserie, auf den man sich verlassen kann. Das Zwielichtige ist Ihnen eher fremd.

Seefried: Ich bin die Dame des Hauses und kann als solche natürlich nie ausfallend werden. Ich bin nicht die Antagonistin, die Widersacherin. Aber ich bin diejenige, die sich in Aussehen und Charakter im Lauf der neun Jahre seit 2005 sehr verändert hat.

teleschau: Es fällt auf, dass Sie Ihre Haarfarbe und die Frisur von kurz und dunkel zu lang und blond gewechselt haben. Ein dringlicher Wunsch der Produktion?

Seefried: Nein, gar nicht. Die Idee kam von mir. Ich hatte eine längere Drehpause, in der ich "Traumschiff" und "SOKO Wien" gedreht habe. Bei einem Aufenthalt in der Sonne in meinem Haus in Italien wurden die Haare immer heller. Und weil Blond ja mal meine eigentliche Haarfarbe war, habe ich die Produzentin Bea Schmidt nach ihrer Meinung zur Änderung meiner Haarfarbe befragt. Sie fand die Idee gut.

teleschau: Sie haben mit 15 die Aufnahmeprüfung am Wiener Max-Reinhardt-Seminar bestanden, begannen mit 17 auf den großen Bühnen bei Hans Hollmann in Basel und Boy Gobert in Hamburg und Berlin zu spielen. Man hört ja immer wieder von starken Max-Reinhardt-Klassen, beispielsweise mit Erika Pluhar oder Senta Berger. Hatten Sie auch so berühmte Kollegen?

Seefried: Ich habe immerhin den zweifachen Oscarpreisträger Christoph Waltz zu bieten, er war in meinem Jahrgang. Er lebt jetzt in Hollywood, in einer anderen Welt. Ich freue mich für ihn, denn er hat einen Traum verwirklicht, den jeder Schauspieler wohl im Laufe seines Lebens einmal träumt.

teleschau: Womit wir ja in gewisser Weise wieder bei der Rolle der Bösen, der Zwielichtigen, wären. Sehen Sie sich denn auch in einem bestimmten Fach?

Seefried: Ich habe mich nie auf ein bestimmtes Fach festgelegt, ich finde es spannend zu wechseln. Als "Fürstenhof"-Erbin Charlotte Saalfeld verabschiede ich mich ja auch immer wieder mal für einige Zeit nach Afrika, um dort ein Hilfsprojekt zu fördern. Im wirklichen Leben spiele ich in dieser Zeit als Gast in anderen Serien oder Filmen mit. Man muss solch eine Drehpause allerdings lange im Voraus bei der Produktion anmelden, das versteht sich von selbst.

teleschau: Erinnern Sie sich an Ihren Entschluss, ein Teil des Teams von "Sturm der Liebe" zu werden? War das nicht ein Sprung ins kalte Wasser?

Seefried: Ich habe mich sehr gefreut, als ich hörte, dass ich für "Sturm der Liebe" besetzt wurde. In den ersten zwei Wochen habe ich allerdings gedacht, ich würde durchdrehen. Wir drehen ja die 45 Sendeminuten mit 30 Bildern jeweils an einem Tag, beim Film dreht man zum Vergleich etwa vier Minuten. Aber ich bin Widder, ich habe mir gesagt, dass ich das schaffen werde. Wenn ich etwas zusage, dann stehe ich auch hundertprozentig dahinter.

teleschau: Wodurch zeichnet sich ein guter Soap- oder Telenovela-Darsteller eigentlich aus, was bringt er mit?

Seefried: Man muss ein gutes Hirn haben. Und wir sind alle wirklich gut ausgebildete, gestandene Schauspieler. Würden wir diese Erfahrung nicht mitbringen, hätten wir nicht den Erfolg in über 20 Ländern. Ich glaube nicht an die Entdeckungen von Talenten auf der Straße, das geht früher oder später schief. Ich halte nach wie vor die Theatererfahrung für sehr wichtig - drei, vier Stunden am Abend auf der Bühne stehen, einen Bogen und den Zugang zum Zuschauer zu finden, das ist eine schöne Herausforderung.

teleschau: Da spricht die frühere "Irma la Douce" aus dem Theater des Westens. Sie entstammen einer berühmten Künstlerfamilie. Die Sopranistin Irmgard Seefried war Ihre Mutter, Ihr Vater der berühmte Geiger Wolfgang Schneiderhan. War es schwer, das Kind so berühmter Eltern zu sein?

Seefried: Es war keine Kindheit wie jede andere. Meine ältere Schwester und ich durften keine Freunde nach Hause einladen. Wir lebten in einer Erwachsenenwelt. Auf dem Schoß von Leonard Bernstein zu sitzen, sagt einem als Kind gar nichts. Meine Mutter war ja, wenn sie etwa in New York an der Met gastierte, ein halbes Jahr weg. Wir hatten ein Kindermädchen, eine tolle Ersatzmama, die immer da war. Wir haben sie sehr geliebt.

teleschau: Sie leben seit Jahren in München, sind aber Ihrer Heimatstadt Wien, wo auch Ihre erwachsene Tochter lebt, immer noch sehr verbunden. Und dann haben Sie noch ein Haus bei Ancona in Italien, das Sie gerne ihre "zweite Heimat" nennen.

Seefried: Meine Heimatstadt Wien hat sich wunderbar herausgemacht in den vergangenen Jahren, sie ist eine richtige Weltstadt mit viel Flair und Kultur geworden. Alleine die Filmszene ist ja weltweit anerkannt. In Italien lebe ich ganz für mich und ohne Nachbarn auf dem Land, wo es viele wilde Tiere wie Stachelschweine und Rotwild gibt.

teleschau: "Sturm der Liebe" läuft ja auch in Italien als "Tempesta d'Amore" jeden Abend um 20.30 Uhr als "grande successo importato dalla germania". Werden Sie denn auf der Straße erkannt?

Seefried: Aber ja, man wird dann als großer Star behandelt, fast schon ehrfürchtig. Die Italiener können das. Aber ich werde ja auch als Mona, nicht nur als Charlotte geliebt. Im Dorf kennt man mich schließlich seit über 20 Jahren, und der Umgang ist sehr herzlich.

Quelle: teleschau - der mediendienst