Tinkerbell und die Piratenfee

Tinkerbell und die Piratenfee





Superchicks und Mädchenkitsch

Tinkerbell ist eine Erfolgsgeschichte: Die kleine Fee aus dem fantastischen Peter Pan-Universum, das auf J.M. Barries Theaterstück aus dem Jahr 1904 basiert, hat viele junge Fans. Die ersten drei Teile der Tinkerbell-Reihe erschienen nur auf DVD. 2012 wagte Disney mit "Das Geheimnis der Feenflügel" den großen Auftritt im Kino - und reüssierte mit über 600.000 Zuschauern in Deutschland. Nun folgt eine Fortsetzung. Wobei "Tinkerbell und die Piratenfee" vielmehr die Vorgeschichte der kleinen Fee sowie des berüchtigten Käpt'n Hook erzählt, der hier James heißt und als Pirat noch ein blutiger Anfänger ist.

Im neuen Disney-Abenteuer dreht sich zunächst alles um eine freche, forsche Fee namens Zarina (gesprochen von Sängerin und Schauspielerin Yvonne Catterfeld). Sie arbeitet als Glanzverwalterin und stellt jenen blauen Feenglanz her, der es den zarten Fabelwesen ermöglicht zu fliegen. Doch mit dem kostbaren Puder dürfen keinesfalls Experimente gemacht werden. Allein, die eigensinnige Zarina hält sich nicht daran und sorgt dadurch für großes Chaos im idyllischen Feenland. Traurig und verzweifelt verlässt sie das Tal der Feen und schließt sich einer wüsten Piratenschar an.

Als ein Jahr später im Feenland das große Vier-Jahreszeiten-Fest gefeiert wird, taucht Zarina plötzlich wieder auf, um Feenstaub zu stehlen. Mittlerweile ist die winzige Fee Anführerin einer sinistren Piratenhorde, die gemeinsam mit dem charmant durchtriebenen Piraten James große Pläne hegt. Dabei merkt Zarina nicht, dass James sie nur für seine Zwecke missbraucht. An dieser Stelle treten Tinkerbell und ihre Freundinnen auf den Plan, um Zarina zur Einsicht zu bewegen, die Piraten zu besiegen und den magischen Staub ins Feental zurückzubringen.

Die Filmemacher haben sich für ihr neues Disney-Abenteuer eine nette, kleine Geschichte überlegt und neben Tinkerbell und Zarina fünf weitere Feen erschaffen, von denen jede ein besonderes Talent besitzt. Doch bei ihrer ersten Begegnung mit Zarina als Piratenfee werden ihre Kräfte vertauscht; jede der Feen muss sich mit ihrer neuen Rolle arrangieren: So avanciert Rosetta von der Gartenfee zur Tierfee, Silberhauch von der Wasserfee zur Schnell-wie-der-Blitz-Fee, während Emily von der Tierfee zur Lichterfee wird. Das finden Kinder sicherlich lustig. Auch dass ausgerechnet diese kleinen Zauberwesen, die hier gleichwohl ziemlich tussig daherkommen, es wagen, die tumben Piraten besiegen, sorgt für mädchenhaft harmlose 3D-Action. Keine Frage, die dreidimensionale Technik wurde hier konsequent genutzt: Ständig fliegen winzige Elfen, glitzernde Sternchen oder Piratenschiffe über die detailverliebte Leinwand.

Regisseurin Peggy Holmes, die auch den Vorgänger "Das Geheimnis der Feenflügel" realisiert und mit "Arielle, die Meerjungfrau - Wie alles begann" (2008) erste Erfahrungen mit dem Kleinmädchen-Film gesammelt hat, hat Tinkerbells neues Abenteuer erneut für ein sehr junges, weibliches Publikum konzipiert. Die Handlung ist überschaubar, der Humor steckt in den Kinderschuhen und die Heldinnen sind in ihrer fragwürdigen Barbiehaftigkeit sehr auf Äußerlichkeiten bedacht. Über die Dauer des ganzen Films dominiert kitschig kunterbunte Märchenwelt-Ästhetik, die ziemlich genau den Vorstellungen kleiner Mädchen entsprechen dürfte. Alles ist furchtbar niedlich, konform und überraschungsfrei. Doch wer genau aufpasst, der hört ihn, Zarinas ersehnten Befreiungsschrei: "Ach, könnt' ich nur so sein, wie ich bin." Mädels, hört hin!

Quelle: teleschau - der mediendienst