Bryan Cranston

Bryan Cranston





Manchmal brauchen sie länger ...

Wäre Bryan Cranston ein Wein, dann hätte er ein erdiges Bouquet. Er wäre vielleicht ein wenig schwer im Abgang, dafür aber markant und im Gedächtnis bleibend. Bryan Cranston jedenfalls wird man dank seiner ikonischen Rolle in "Breaking Bad" so schnell nicht vergessen. Auch wenn der 58-Jährige bereits seit über 30 Jahren als Schauspieler arbeitet, war es doch erst die Darstellung des Chemielehrers / Drogenherstellers Walter White, die ihn einem großen Publikum bekannt machte. Im Herbst 2013 endete die Serie nach fünf spektakulären Staffeln - und Bryan Cranston ist bereit für den nächsten großen Karriereschritt. Ab 15. Mai ist der US-Amerikaner in "Godzilla" in seiner faktisch ersten Kinofilmhauptrolle zu sehen.

Sein Lebensplan sah ursprünglich eine andere Richtung vor: Mit 16 schrieb sich Bryan Cranston in ein Förderprogramm der Polizei von Los Angeles ein, mit dem Ziel, für Recht und Ordnung auf Kaliforniens Straßen zu sorgen. "Es war meine Chance, aus meiner kleinen Welt in Canoga Park, Kalifornien, auszubrechen", erinnerte sich Cranston einst im "Guardian".

Als Sohn zweier Laiendarsteller wuchs er bis zum zwölften Lebensjahr mit seinem älteren Bruder sowie seiner jüngeren Schwester in dem Vorort von Los Angeles auf. Zwar zeigte der Kleine schon damals Interesse an der Schauspielerei, seine Eltern verboten ihm ob ihrer eigenen gescheiterten Karrieren aber, in ihre Fußstapfen zu treten. Nach der Scheidung von Vater und Mutter waren Bryan und sein Bruder gezwungen, zu ihren Großeltern zu ziehen. Die Trennung hinterließ beim zwölfjährigen Jungen eine tiefe Wunde, wie Cranston 2013 im "Rolling Stone" verriet: "Mir war das alles peinlich. Meine Freunde fragten mich immer wieder, wo denn mein Vater auf einmal sei, und ich log sie an, dass er immer bis spät in die Nacht arbeite."

Kurz vor Abschluss seiner Polizeiausbildung 1976 belegte Cranston noch aus Neugier einen Schauspielkurs - und der öffnete ihm die Augen: Das Mädchen, das er in einer Stunde küssen musste, war so überzeugend, dass er sie um eine Verabredung bat. "Und sie sah mich an als wäre ich ein verirrter Welpe und sagte: 'Oh, nein, nein, ich habe einen Freund'. Und ich dachte: Oh mein Gott, das war nur gespielt. Sie machte nur ihre Arbeit. Und ich realisierte, dass das mein Beruf sein könnte: Mädchen küssen. Das war es dann mit der Polizeiarbeit", gestand er im "Guardian" lachend.

In einem seiner ersten Interviews schilderte er 1983 der Zeitung "The Courier" seine Liebe zum Schauspiel so: "Wenn ich auf der Bühne stehe, vergesse ich alles andere um mich herum. Es ist einfach in meinem Blut drin, ich kann mir nicht vorstellen, jemals etwas anderes zu machen." Doch die großen Engagements ließen auf sich warten, lange Zeit hielt sich der Kalifornier mit einer Nebenrolle in der Soap "Loving", Werbefilmen und Kurzauftritten in TV-Serien wie "Matlock", "Baywatch" oder "Walker, Texas Ranger" über Wasser. 1984 lernte Cranston während den Dreharbeiten zur Actionserie "Airwolf" seine zweite Frau Robin Dearden kennen, mit der er bis heute verheiratet ist und eine gemeinsame Tochter, Schauspielerin Taylor Dearden, hat.

Langsam aber sicher machte er sich einen Namen in der Branche: Mitte der 90-er erhielt Cranston eine kleine, aber immerhin wiederkehrende Rolle in "Seinfeld", spielte in Tom Hanks' Regiedebüt "That Thing You Do!" (1996) und Steven Spielbergs "Der Soldat James Ryan" (1998) mit und durfte auch bei "King Of Queens" mehrmals vorbeischauen. 2000 brachte ihm sein komisches Talent dann endlich einen Platz im Hauptcast einer Serie ein: Sieben Jahre lang gab Cranston den schrägen Vater in der Comedyserie "Malcolm mittendrin", an die er sich noch gern zurück erinnert: "Die Kinder in der Serie wuchsen mit mir als ihr Vater auf. Wir verbrachten so viel Zeit miteinander, dass es sich wirklich wie eine richtige Familie anfühlte", sagte er mal dem Internetportal "IFC".

Bekanntlich kam sein großer Durchbruch aber erst mit seiner Hauptrolle in der Serie "Breaking Bad" 2008, die nicht nur bei Zuschauern, sondern auch bei Kritikern für Begeisterungsstürme sorgte. Drei Emmys hintereinander - was zuletzt Bill Cosby in den 1960-ern gelang - und ein Golden Globe für seine Verkörperung des drogenherstellenden Chemielehrers Walter White waren der Lohn, Hollywood verpflichtete ihn zudem für Nebenrollen in Filmen wie "Drive", "Argo", "Red Tails" und "Total Recall", um nur einige zu nennen.

"Ich fühle mich wie ein Lotteriegewinner", meinte Cranston, der als Nächstes einen Serienkiller im Thriller "Holland, Michigan" spielen wird, 2013 in der "Neuen Westfälischen Zeitung" stolz über seinen späten Ruhm. "Meine Karriere ist durch 'Breaking Bad' geradezu explodiert. Viele wollen jetzt mit mir arbeiten. Ich fühle mich geschmeichelt und geehrt." Einer, der unbedingt mit dem Schauspieler arbeiten wollte, ist Regisseur Gareth Edwards, der Bryan Cranston die Hauptrolle des Wissenschaftlers Joe Brody im neuen "Godzilla"-Remake gab. Vom kleinen Gelegenheitschauspieler zum Aushängeschild eines Multimillionendollar-Actionfilms ... Ein guter Wein muss manchmal eben lange reifen.

Quelle: teleschau - der mediendienst