Das kann nur Cannes ...

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Was Cineasten auf den 67. Internationalen Filmfestspielen (14. bis 25. Mai) erwartet

Cannes liebt sie und sie lieben Cannes: Die Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne konkurrieren bei den kommenden Internationalen Filmfestspielen (14. bis 25. Mai) wieder einmal um die Goldene Palme. Seit 1996 gehören sie zum Kreis der Dauergäste im Wettbewerb, bei einem Gewinn wäre es ihre dritte Auszeichnung an der Croisette. Doch während sie früher Sozialkino mit Laiendarstellern präsentierten, sorgen die Brüder jetzt auch für Glanz auf dem Roten Teppich: Die gefeierte Französin Marion Cotillard spielt in "Deux jours, une nuit" - einem "belgischen Western" - die Hauptrolle. Ein genereller Trend in Cannes: Mit anspruchsvollem Autorenkino, das aber mit großen Namen wie Julianne Moore, Hilary Swank, Tommy Lee Jones und Hollywood-Hipstern wie Mia Wasikowska, Robert Pattinson und Kristen Stewart den Glamourfaktor nicht vernachlässigt, startet das Festival in seine 67. Ausgabe.

Ein großes Dankeschön geht an die Grimaldis, die sich schon im Vorfeld vom Eröffnungsfilm "Grace Of Monaco" mit Nicole Kidman deutlich distanzierten. Etwas Besseres als so ein kleiner Skandal kann dem Festival gar nicht passieren. Die Spannung steigt. Ein geschickter Schachzug stellt auch die Einladung von Bertrand Bonellos "Saint Laurent" dar - nach der glattgebügelten Hommage "Yves Saint Laurent", die gerade in unseren Kinos läuft, steigen die Erwartungen an dieses nicht abgesegnete Werk über den Couturier.

Auch Cannes-Veteran Mike Leigh hatte bei seinem Biopic freie Hand: In "Mr. Turner" lässt er Timothy Spall in die Haut des britischen Malers William Turner schlüpfen - eine vielversprechende Wahl. Und noch ein Biopic ist im Rennen um die Goldene Palme: Bennett Miller ("Capote") thematisiert in "Foxcatcher "die wahre Geschichte des olympischen Ringers David Schultz, der 1996 vom Sponsor seines Teams mit drei Schüssen getötet wurde. In den Hauptrollen sind Channing Tatum, Mark Ruffalo, Steve Carell sowie Sienna Miller und Vanessa Redgrave zu sehen, die alle an der Croisette erwartet werden.

Auch Jean-Luc Godard versprach, vorbeizukommen, was aber nichts heißen will: 2010 fehlte der Altmeister, der mit "Adieu Au Langage" seinen ersten 3D-Film im Wettbewerb präsentiert, aufgrund von "Lustlosigkeit". Xavier Dolan dagegen lässt sich seinen Auftritt in Cannes ganz sicher nicht entgehen. "Endlich!", lautete sein Kommentar zur ersten Einladung in den Wettbewerb. Angesichts seines Alters, 25 Jahre, mag diese Reaktion seltsam anmuten. Doch wer schon mit 20 mit seinem Erstling in der Reihe "Quinzaine" Erfolge feiern und zwei weitere Filme in Nebenreihen zeigen durfte, sieht das anders. Im Fall eines Sieges von "Mommy" würde der Kanadier Steven Soderbergh als jüngsten Gewinner aller Zeiten ablösen, der 1989 mit "Sex, Lügen und Video" im Alter von 26 die Goldene Palme abräumte.

"Wo sind die Frauen?" lautete in den letzten Jahren der Ruf beim Blick auf den Wettbewerb. Der überwiegend weiblichen Jury unter dem Vorsitz von Jane Campion dürfen in diesem Jahr die Japanerin Naomi Kawase ("Still The Water") und die Italienerin Alice Rohrwacher ("The Wonders") ihre Filme präsentieren. Frauenpower versprechen auch Tommy Lee Jones' Western "The Homesman", in dem Hilary Swank zur Lebensretterin wird und Michel Hazanavicius' "The Artist"-Nachfolger "The Search": Berenice Bejo kümmert sich in diesem Remake von Fred Zinnemanns "Die Gezeichneten" (1948) um einen kleinen Tschetschenen, der seine Familie sucht.

Olivier Assayas und David Cronenberg führen in ihren neuen Filmen hingegen einen Generationswechsel vor, der sich in nicht nur auf der Leinwand, sondern auch auf dem roten Teppich manifestieren wird: In Assayas' "Clouds Of Sils Maria" soll eine Schauspielerin (Juliette Binoche) auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in einer Neuauflage des Stückes mitspielen, das sie 20 Jahre zuvor berühmt machte. Ihre Rolle von damals übernimmt aber ein junges Hollywood-Sternchen (Chloë Grace Moretz), dass der Actrice ein unangenehmes Abbild ihrer selbst vor Augen führt. Zwischen bissiger Satire und emotionalem Psychothriller ist David Cronenbergs Wettbewerbsbeitrag "Maps to the Stars" angesiedelt: In der Geschichte rund um eine durchgeknallte Hollywoodfamilie spielen Julianne Moore, Mia Wasikowska, John Cusack und Robert Pattinson. Möge das Schaulaufen in Cannes beginnen.

Quelle: teleschau - der mediendienst