A Million Ways To Die In The West

A Million Ways To Die In The West





Komm' hol das Lasso raus

Respektlos, vulgär - und ziemlich witzig: Seth MacFarlane hat sich mit seiner besonderen Art des Humors bis an die Spitze vorgearbeitet. Der Schöpfer des Cartoon-Erfolgs "Family Guy" landete vor zwei Jahren mit der Komödie "Ted" über einen verkifften Lüstling aus Plüsch einen echten Kino-Hit. Im letzten Jahr durfte er sogar die Oscars moderieren - und sorgte mit seiner Impertinenz für einen kleinen Skandal. Allmählich war es also an der Zeit für den Witzbold, selbst vor die Kamera zu treten. Aber mit "A Million Ways To Die In The West" hat er sich dann doch zu viel zugemutet. Hier heißen Autor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller Seth MacFarlane. Immerhin bekam er bei seinem Schauspieldebüt jede Menge Unterstützung: Unter anderem Charlize Theron, Liam Neeson, Neil Patrick Harris und Amanda Seyfried gehören zur hochkarätigen Besetzung seines Wildwest-Abenteuers - und können den lahmenden Streifen doch nicht retten.

Der Schafhirte Albert (MacFarlane) hat nicht eben viele Hobbys. Saufen, Raufen, Schießen: Das ist alles nichts für ihn. Der freundliche Außenseiter investiert sein Geld und seine Energie lieber in die angemessene Verehrung seiner Liebsten Louise (Amanda Seyfried) - und ins pure Überleben. Denn das idyllische Örtchen Old Stump im Arizona des Jahres 1882 steckt voller tödlicher Gefahren. Seien es Klapperschlangen, wildgewordene Bullen oder die monatliche Eislieferung: Blut und Körpersäfte spritzen allenthalben. Doch Alberts formidabler Überlebensinstinkt gereicht ihm in der harten Wildwestgesellschaft nicht eben zur Ehre: Nach einem verweigerten Duell mit einem Revolverhelden wird er sogar von Louise verlassen.

Just nach dieser Niederlage erscheint eine Fremde in der Stadt: Anna (Charlize Theron) ist schön, freundlich und findet ausgerechnet am harmlosen Albert Gefallen. Sie unterstützt ihn sogar dabei, Louise zurückzugewinnen, die mittlerweile mit dem schmierigen Bartfetischisten Foy (Neil Patrick Harris) angebandelt hat. Was die Traumfrau allerdings vergaß zu erwähnen: Sie ist verheiratet mit dem berüchtigten Banditen Clinch (Liam Neeson) - und der ist ihr dicht auf den Fersen ...

Eigentlich hat MacFarlane sich ja eine hübsche Konstellation einfallen lassen. Das Setting, die Story, die Figuren - sie alle taugen für Pointen. Woran also liegt es dann, dass die meisten Gags einfach nicht zünden? Vielleicht an seiner Überforderung. Er müht sich als Schauspieler ein wenig zu deutlich; seine reichhaltige Erfahrung als Synchronsprecher zahlt sich vor der Kamera nur sehr bedingt aus. Das macht sich gleich doppelt bemerkbar: zum einen natürlich durch die sehr durchschnittliche Schauspielleistung MacFarlanes. Zum anderen aber auch dadurch, dass er als Regisseur seine Kollegen nicht so ganz im Griff hat: Die scheinen sich mitunter in völlig verschiedenen Filmen zu bewegen. Während etwa Komikerin Sarah Silverman als Stadthure eine völlig überdrehte Vorstellung gibt, die sich in einer Slapstickkomödie hervorragend machen würde, spielt Liam Neeson seinen Bösewicht viel zu geradlinig als miesen Verbrecher, der eher einem Spaghettiwestern entsprungen scheint. Der Rest der Schauspieler bewegt sich irgendwo dazwischen, findet aber fast nie eine gemeinsame Linie.

Auch sonst schwächelt die Regie, vor allem beim Timing der Gags. Immerhin das scheint MacFarlane bewusst gewesen zu sein, doch sein Gegenmittel ist fatal: Wenn schon falsch, dann wenigstens laut, so die Devise. Also legt er immer noch eine Schippe drauf - und oft ist das eben eine Schippe zu viel. Hier gibt es keine grenzwertigen Anspielungen, sondern krassen Rassismus. Keine deftigen Späße, sondern platte Pupswitze und gleich literweise Scheiße und Sperma. Dieser Holzhammerhumor ohne echte Lacher wirkt auf Dauer nicht witzig, sondern nur ermüdend. Und so ist eine der Millionen Arten, im Wilden Westen zu Tode zu kommen, wahrhaft überraschend: vor Langeweile.

Quelle: teleschau - der mediendienst