Maleficent - Die dunkle Fee

Maleficent - Die dunkle Fee





Wer ist hier böse?

Eine Schönheit soll die kleine Prinzessin Aurora später werden, von allen geliebt, denen sie begegnet. Doch an ihrem 16. Geburtstag, so verfügte die böse Fee Maleficent 1959 im Disney-Trickfilm "Dornröschen", werde sich Aurora an einer Spindel stechen und für immer schlafen. Ein unschuldiges Kind, auf ewig verflucht - und alles nur, weil das Königspaar Maleficent nicht zur Taufe der kleinen Aurora eingeladen hat? Nachdem sich Kinder in aller Welt 55 Jahre lang vor der bösen Maleficent fürchten durften, gibt Disney der düsteren Dame nun die Gelegenheit, sich zu erklären - in der 3D-Realverfilmung "Maleficent", mit der Angelina Jolie ihr großes Leinwandcomeback feiert.

Eine ausführliche Vorgeschichte zu den Ereignissen von "Dornröschen" hat sich Drehbuchautorin Linda Woolverton ausgedacht, um dem Publikum "Maleficent von einer neuen Seite" zu zeigen: So waren die gehörnte Fee (Angelina Jolie) und Dornröschens Vater Stefan (Sharlto Copley) einst eng befreundet, bis Stefans Machtstreben schließlich stärker wurde als seine Liebe zu Maleficent. Verraten, verlassen und sogar verstümmelt bleibt die Hüterin der Fabelwesen in ihrem Reich zurück. Ihr Herz verdunkelt sich und mit ihm ihre bunte, fantastische Feenwelt, die Regiedebütant Robert Stromberg mit so viel Liebe zum Detail auf die Leinwand malt, wie man es von dem oscarprämierten Art Director von "Avatar" (2009) und "Alice im Wunderland" (2010) nur erwarten konnte.

Trotzdem sind es nicht die 3D-Effekte, die "Maleficent" von anderen jüngeren Märchen-Interpretationen wie "Spieglein Spieglein" oder "Snow White And The Huntsman" abheben. Vielmehr erstaunt die Konsequenz, mit der die "Dornröschen"-Geschichte neu aufgerollt wird. Drehten sich die beiden Schneewittchen-Verfilmungen bei allen Modernisierungsbemühungen letztlich doch um Schneewittchen, wird Dornröschen hier tatsächlich zur Nebenfigur degradiert, so tief taucht Linda Woolverton in die Geschichte der Maleficent ein.

"Ich habe eine Vergangenheit für sie entworfen, die direkt auf den Moment zuläuft, in dem sie das Baby Aurora verflucht", erklärt die Autorin, die für Disney unter anderem schon die Drehbücher zu "Die Schöne und das Biest" und "Der König der Löwen" schrieb. "Von da an geht die Geschichte aus der Perspektive von Maleficent weiter - bis zum Ende." In dieser Geschichte nimmt die dunkle Fee nicht nur viel mehr Anteil an Prinzessin Auroras (Elle Fanning) Heranwachsen, als es ihr Disney und die Gebrüder Grimm einst zugestehen wollten: Sie hat vor allem viel mehr Facetten.

Regisseur Robert Stromberg zeigt in seiner Dornröschen-Variante eine Maleficent, die zu Liebe, Fürsorge und Reue fähig ist, widerspricht dabei aber nicht Disneys Trickfilm: Die berühmte Szene, in der sie die wehrlose Prinzessin in ihrer Wiege verflucht, wurde fast eins zu eins nachgedreht, mit verblüffend ähnlichen Bildern, Dialogen und derselben unheilvollen Atmosphäre. Stromberg gibt dem Publikum seine finstere Bilderbuch-Schurkin, aber auch eine verletzliche Frau, mit der man mitfühlen kann. Und dank Angelina Jolie möchte man auch mitfühlen.

Die Oscarpreisträgerin, die vier Jahre lang nicht mehr auf der Leinwand zu sehen war, fühlt sich sichtlich wohl in Maleficents Haut. Sie räkelt sich förmlich in der Rolle, genießt jede Zeile, jede Geste, jeden Augenaufschlag und kultiviert den bittersüßen Humor, der die Figur schon im Trickfilm so verführerisch machte. So bedauerlich es für die anderen Schauspieler sein mag, dass ihre Charaktere nur spärlich beleuchtet werden: Die Geschichte nicht vollständig auf Angelina Jolies Maleficent zuzuschneiden, wäre Frevel gewesen.

Quelle: teleschau - der mediendienst