Ulrike Folkerts

Ulrike Folkerts





"Ich stehe auf kleine Liebeserklärungen"

Seit 25 Jahren ist Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal im Ludwigshafener "Tatort" zu sehen. Eine ganz andere Rolle spielt die 52-Jährige nun im ZDF-"Herzkino"-Film "Ein Sommer in Amsterdam" (Sonntag, 25. Mai, 20.15 Uhr). Die langjährige Wahl-Berlinerin stellt eine trauernde Mutter dar, die sich auf die Suche nach dem Ergebnis einer Eizellenspende begibt, zu der sie sich 20 Jahre zuvor als mittellose Studentin entschlossen hatte. Es wird eine Reise zu einem neuen Kind - und zu einer neuen Liebe. Im Interview spricht Ulrike Folkerts über ihren persönlichen Hang zur Romantik und ihren Glauben an Schicksal.

teleschau: Frau Folkerts, Stichwort: "Ich war jung und brauchte das Geld". Welche persönliche Anekdote aus Ihrer Schauspielausbildung fällt Ihnen dazu ein?

Ulrike Folkerts: Ich habe, wie so viele, gejobbt, um mein Studium zu finanzieren. Ich habe damals allerdings ganz normal in einer Kneipe gearbeitet - und nicht meinen Körper verkauft oder so wie Mia eine Eizelle gespendet (lacht).

teleschau: Und etwas später, als es zu den ersten Engagements kam? Haben Sie da auch mal etwas angenommen, was Ihnen zwar nicht zugesagt, dafür aber eine gute Gage eingebracht hat?

Folkerts: Wenn man die Schauspielschule abschließt, kommen die verschiedenen Theater in die Schule und gucken sich die jungen Talente an. Für uns war damals wichtig, dass wir nach dem Studium direkt in ein Engagement gehen. Ich persönlich bin zusammen mit Matthias Brandt, der mit mir in einem Schauspieljahrgang war, ans Staatstheater in Oldenburg gegangen. Wir hatten beide sofort viel zu tun.

teleschau: Mia, die Sie jetzt in "Ein Sommer in Amsterdam" spielen, spendete in jungen Jahren eine Eizelle, um ihr Studium zu finanzieren. Empfinden Sie Sympathien für die Figur und ihre Entscheidung?

Folkerts: Die habe ich erst nach und nach entwickelt. Ich musste erst mal überlegen, ob ich ihre Geschichte an sich nachvollziehbar finde: Eine Frau studiert in Amsterdam und bekommt die Chance, durch eine Eizellenspende ihr Studium zu finanzieren. Sie vergisst die Spende dann über viele Jahre einfach, lebt ihr Leben, ist beruflich erfolgreich, zieht eine eigene Tochter groß. Die verliert sie dann durch einen Schicksalsschlag - und erinnert sich plötzlich an dieses Ei. Das, was aus diesem Ei geworden ist, will sie unbedingt finden, diesen Teil von sich selbst, um über ihre nicht endende Trauer hinweg zu kommen. Plötzlich schien mir das gar nicht mehr abwegig, sondern nachvollziehbar.

teleschau: Was hat Sie am Ende überzeugt?

Folkerts: Zum Beispiel der Aspekt, dass Mias tote Tochter sie gedanklich bei der Suche begleitet. Ich habe vor Jahren eine Mutter kennengelernt, die ihre Tochter verloren hatte, und die erfahren musste, dass die Zeit der Trauer und des Abschiednehmens lange dauert. Die scheinbaren Begegnungen und Gespräche mit der toten Tochter haben tatsächlich stattgefunden und ihr sehr geholfen. Sie hat mir beschrieben, dass ihre Tochter verschwand, sobald sie sie berühren wollte. Sie hatte nur eine Chance auf eine Verbindung, also auch darauf, mit ihr zu sprechen, wenn sie bereit war, auf körperliche Nähe und auf direkten Blickkontakt zu verzichten.

teleschau: Was haben Sie aus den Berichten für sich gelernt?

Folkerts: Dass der Verlust eines Kindes das Schlimmste ist, was Eltern passieren kann und dass es professioneller Trauerarbeit bedarf, um selbst damit fertig zu werden und weiter leben zu können.

teleschau: Haben Sie selbst schon eine ähnliche Trauerphase erlebt?

Folkerts: Ich habe zum Glück noch niemanden, der mir so nah ist, verloren. Ich habe auch Angst davor, dass so etwas passiert. Ich weiß nicht, wie es mir in einem solchen Moment gehen würde, schon gar nicht, wenn mir so etwas Schreckliches passieren würde wie Mia, also dass jemand sehr Nahes ganz plötzlich durch einen Unfall stirbt, einem also einfach weggerissen wird. Ganz andere Voraussetzungen sind es natürlich, wenn man einen alten, kranken Menschen über einen längeren Zeitraum begleitet und weiß, man muss Abschied von ihm nehmen.

teleschau: Glauben Sie an Schicksal?

Folkerts: In gewisser Weise schon. Denn eines stimmt doch: Wenn man zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort nicht eine bestimmte Tür aufgemacht hätte, hätte man eine bestimmte Person womöglich nie kennen gelernt.

teleschau: Haben Sie da ein selbst erlebtes Beispiel?

Folkerts: Ich habe meine Freundin auf diese Weise kennengelernt. Ich hatte einen Kreuzbandriss und sollte operiert werden. Der behandelnde Arzt hat mich aber immer wieder nach Hause geschickt, weil es noch zu starke Schwellungen gab. Die OP wurde also ständig nach hinten verschoben, und weil ich nicht im Krankenhaus war, kam ich nicht drum herum, zu einer Jubiläumsfeier zu gehen, auf die ich eigentlich gar keine Lust hatte. Dort habe ich dann meine Freundin getroffen. Eine typische Schicksalsgeschichte und ein Moment, in dem wir uns wohl begegnen sollten.

teleschau: Klingt romantisch - und passt gut zum Film "Ein Sommer in Amsterdam", wo auch Menschen schicksalhaft zusammenfinden. Wo verläuft da aus Ihrer Sicht die Grenze zum Kitsch?

Folkerts: Ich glaube, Romantik und Kitsch sind herrliche Bestandteile einer filmischen Liebesgeschichte. Das Publikum liebt es, auf diese Art und Weise verzaubert zu werden. Wenn man am Sonntagabend ZDF guckt, gibt es genauso eine Garantie auf ein Happy End wie zur gleichen Zeit beim "Tatort", bei dem letztlich der Mörder ja überführt wird.

teleschau: Geht Ihnen der Kitsch schauspielerisch auch genauso leicht von der Hand wie der Krimi?

Folkerts: Mit meinem Filmpartner Filip Peeters zusammen in den Brunnen zu springen, fand ich beim Drehen tatsächlich sehr romantisch. Wir haben dabei auch gar nicht viel geredet, jede Figur hing einfach ihren Gedanken nach. Dieses Gefühl, das dabei transportiert wird, also das, gerade verliebt zu sein, sich schön zu finden, immer wieder angeschaut zu werden, das habe ich schon gerne gespielt. Wobei ich mich anfänglich allerdings ein wenig gesträubt habe, war die Szene, in der wir Schattentiere an die Wand werfen. Die war, ganz ehrlich gesagt, schon grenzwertig für mich. Wir haben sie dann aber doch noch einigermaßen locker und lässig hinbekommen, indem wir uns etwas vom Drehbuch entfernt haben.

teleschau: Würden Sie sich selbst als Romantikerin bezeichnen?

Folkerts: Ich bin auf alle Fälle romantisch. Ich stehe auf Blumen, Geschenke, Briefchen und Zettel, E-Mails, Fotos - einfach kleine Liebeserklärungen. Ich mache das alles auch selbst gerne. Ich mag es, jemandem auf unterschiedlichste Weise zu zeigen: Ich liebe Dich. Ich scheue mich auch nicht davor, das ab und zu mit kitschigen Dingen zu belegen. Was ich immer wieder gerne mache, wenn ich mal einige Wochen am Stück drehen und verreisen muss, ist meiner Freundin einen handschriftlichen Brief zu schreiben. Einfach mal - im positiven Sinn - mein Herz auszuschütten. Das finde ich ganz bezaubernd.

teleschau: Wann wird man Sie das nächste Mal außerhalb vom "Tatort" im Fernsehen erleben?

Folkerts: Für mich ist es wichtig, ab und zu die Chance zu bekommen, ganz neue Facetten zu zeigen, und das konnte ich in "Ein Sommer in Amsterdam". Demnächst fange ich an, "Das goldene Ufer" fürs ZDF zu drehen, ein Kostümfilm, der 1830 spielt. Ich bin darin eine Gräfin, erlebe also wieder eine große Verwandlung. Die hat dann aber nichts mit Kitsch zu tun, sondern eher mit einem knallharten Drama.

Quelle: teleschau - der mediendienst