Heinz Schenk

Heinz Schenk





Menschlich geblieben ...

Es sei, sagte er einmal, angesprochen auf sein fortgeschrittenes Alter, "nur eine Gabe der Natur. Sie zeigt mir, dass ich so gelebt habe, um das Alter auch zu erreichen." 89 Jahre wurde Heinz Schenk, der für weit mehr stand als für den "Blauen Bock". Doch die ARD-Sendung, die er nach 1966 über 200-mal moderierte, war seine größte Bühne. Rund 20 Millionen Zuschauer schalteten ein, wenn Schenk am Samstagabend zu Äppelwoi bat. Am frühen Donnerstagmorgen starb er im Alter von 89 Jahren in seinem Wohnort Wiesbaden. Das teilte sein langjähriger Manager Horst Klemmer mit.

Vor Heimspielen der Frankfurter Eintracht weht es durchs weite Rund: "Unser David Bowie heißt Heinz Schenk". Die Zeile stammt aus der inoffiziellen Landeshymne "Die Hesse komme" der Band Rodgau Monotones. Auch wenn Leben und Werk des 1924 in Mainz geborenen Showmasters, Sängers und Schauspielers auf den ersten Blick nicht ganz so schillernd daherkommen wie die Vita des englischen Pop-Superhelden - Heinz Schenk war einer der ganz Großen der deutschen Fernsehunterhaltung.

Zwischen den Stars aus Schlager, Volksmusik und Operette sang Schenk im "Blauen Bock" seine selbst getexteten Schlager, führte Sketche oder bisweilen spröde Stand-up-Nummern auf, parlierte dazu mit den örtlichen Honoratioren im Publikum. Von denen gab es stets eine Menge, denn viele hessische Gemeinden trieben den Bau ihrer Mehrzweckhalle extra deshalb schnell voran, damit eines nahen Tages Heinz Schenks TV-Glitzerwelt vorbeischauen möge. "Der Blaue Bock" - damals ein revolutionär neues Fernsehkonzept - wurde "on the road" irgendwo in Hessen produziert.

Äppelwoi-selige Publikumsnähe war garantiert, der Aufzeichnungsort befand sich in wochenlangem Ausnahmezustand. Überhaupt wusste man beim "Blauen Bock" zu feiern. In den späten 60-ern und 70-ern, als das männliche Publikum einer TV-Sendung noch Hornbrille zum Anzug und Schnäpse zur ständig qualmenden Zigarette hatte, war Heinz Schenks Show Soundtrack einer besonderen Partykultur.

Schenk, der Anfang der 50-er zuerst beim Hörfunk des HR als Moderator Fuß fasste, war einer jener Showmaster, die es heute nicht mehr gibt. Bieder, auch frech, aber eben ungemein volksnah. "Einer von uns", wie alle immer sagten. 1996, als der Fernsehmacher mit der Show "Fröhlich eingeSchenkt" ein quotenstarkes Comeback feierte, nahm ihn das Magazin der "Zeit" aufs Cover unter dem Titel "Der Letzte seiner Art" ("Er macht Fernsehen von gestern, deshalb wird er so geliebt").

In der Tat erweiterte und persiflierte Schenk den Kult um seine Person bis ins fortgeschrittene Alter. 1993 mit der Rolle des schmierig-desolaten Showmasters Heinz Wäscher in der Hape Kerkeling-Kultsatire "Kein Pardon" (aus ihr stammt das berühmte Zitat "Ich kann so nicht arbeiten!" im schenkschen Idiom) oder auf der Bühne des Frankfurter Volkstheaters in der hessischen Adaption von Molières "Der Geizige".

Der reife Schenk, ein Volksschauspieler vor dem Herrn, verkörperte mit Vorliebe grantige alte Männer in Fernsehfilmen und TV-Serien der 80-er und frühen 90-er - so zum Beispiel 1988 in Dieter Wedels Mehrteiler "Wilder Westen inklusive".

Seine Karriere, erinnerte er sich einmal in einem Interview, verdanke er vor allem zwei Menschen: zum einen dem verstorbenen HR-Programmdirektor Hans-Otto Grünefeldt. "Er hat mich entdeckt und mir die Chance gegeben, den 'Blauen Bock' zu moderieren." Und zum anderen seiner Frau Gerti: "Wir haben immer versucht, Beruf und Privatleben strikt zu trennen. Trotzdem ist sie meine härteste und ehrlichste Kritikerin. Sachlich und ohne Lobhudeleien." 62 Jahre war sie mit Heinz Schenk verheiratet, sie starb im Dezember 2013 im Alter von 85 Jahren. Und noch jemanden vergaß Heinz Schenk nie zu erwähnen: sein Publikum. "Man kann es natürlich nicht allen recht machen", bilanzierte er einmal rückblickend. "Aber ich hoffe, die Menschen haben gespürt, dass ich es ehrlich gemeint habe, dass ich menschlich geblieben bin und dass ich sie nicht belüge."

Quelle: teleschau - der mediendienst