Bob Hoskins

Bob Hoskins





Abschied von einem großen Kleinen

Bob Hoskins ist tot. Der britische Schauspieler erlag in einem Krankenhaus den Folgen einer Lungenentzündung. "Wir sind erschüttert, dass wir unseren geliebten Bob verloren haben", teilte seine trauernde Familie über Hoskins Agenten mit. Der vielfach ausgezeichnete Darsteller wurde 71 Jahre alt.

"Meine Figur ist würfelförmig - ich bin nur 1,65 Meter groß - und mein Gesicht sieht aus wie ein zerquetschter Kohlkopf", beschrieb sich Bob Hoskins einst selbst. Zum Filmstar prädestinierte ihn das nicht. Der Sohn eines Buchhalters aus Suffolk arbeitete als Musiker, Bauarbeiter, Kaminkehrer, Fensterputzer, Lasterfahrer, Feuerschlucker, Matrose und Erntehelfer in einem israelischen Kibbuz, bevor 1968 der Stein ins Rollen kam.

An der Bar eines Amateur-Theaters wartete er auf einen Freund. Darauf angesprochen, ob er eine Komparsen-Rolle übernehmen könnte, wurde Hoskins nach den ersten Proben für die Hauptrolle besetzt. "Ich fühlte mich wie Alice im Wunderland", formulierte Hoskins einst. "Als sei ich all die Jahre in einem Schrank eingesperrt gewesen und plötzlich - Bäng!!! - sei die Tür aufgegangen ..."

Lange Jahre arbeitete er an verschiedenen Theatern, bis er sich 1974 dem Film zuwandte. Man sah ihn in vielen kleineren Rollen, darunter als Rock'n Roll-Manager in "Pink Floyds The Wall" (1982). Unter der Regie von Francis Ford Coppola ("Cotton Club", 1984) und Terry Gilliam ("Brazil", 1985) etablierte sich der Wahllondoner als gefragter Nebendarsteller in der Traumfabrik. Mit dem Thriller "Mona Lisa" (1986) gelang ihm schließlich der Durchbruch. "Unvergesslich", "kolossal", "grausam gut", schwärmten die Kritiker über seine Darstellung eines ewigen Verlierers aus der Zuhälter- und Drogenszene. In Cannes gewann Hoskins dafür den Darstellerpreis, die Oscarnominierung - seine einzige - folgte.

Den absoluten Höhepunkt erreichte der Londoner 1988 mit seiner Rolle des versoffenen Privatdetektivs in "Falsches Spiel mit Roger Rabbit". "Wie sollte das Agieren mit den erst später eingezeichneten Trickfiguren funktionieren?", fragte er sich anfangs skeptisch. Zufällig beobachtete er seine kleine Tochter beim Spielen. "Sie tat so, als seien ihre Puppen wirklich existent und da begriff ich, wie ich es angehen musste." Später war der schwergewichtige Schauspieler sogar stolz darauf, mit "echten Größen" gespielt zu haben. "Bugs Bunny und Mickey Mouse sind Superstars - wer ist dagegen schon Laurence Olivier?"

2012 stand der Charakterschauspieler an der Seite von Charlize Theron, Kristen Stewart und Chris Hemsworth in "Snow White and The Huntsman" als Zwerg vor der Kamera. Es sollte seine letzte Rolle sein - mit 69 Jahren beendete Hoskins seine beeindruckende Karriere offiziell: 2011 zuvor war bei ihm die Nervenkrankheit Parkinson diagnostiziert worden. Bob Hoskins hinterlässt vier Kinder: zwei aus seiner ersten Ehe mit Jane Liversey, zwei aus seiner Ehe mit Linda Banwell, mit der er seit 1982 verheiratet war.

Quelle: teleschau - der mediendienst