Das magische Haus

Das magische Haus





Katz und Maus allein zu Haus

In jeder Minute ist dem belgischen Animationsfilm "Das magische Haus" anzumerken, dass sein Macher Ben Stassen ("Sammys Abenteuer") seine Animationsfilmkarriere mit der Produktion von 3D-Kurzfilmen für Vergnügungsparks begann: Ständig rollen, rasen, fallen und fliegen die unterschiedlichsten Dinge auf den Zuschauer zu - kleine Gauklertricks, die für visuelle Kurzweil bei Groß und Klein sorgen. So wird die mitreißende kleine Geschichte, die auf einem zwölfminütigen 4D-Kurzfilm für einen Jahrmarkt beruht, zur großen, ausgelassenen Kinogaudi. Und dass, obwohl der für 34 Millionen Euro produzierte Filmspaß im Vergleich zu Pixar-, Disney- oder Dreamworks-Trickfilmen mit einem relativ bescheidenen Budget auskommen musste.

Zu Beginn des turbulenten Treibens ist es ein Ball, den jemand aus einem Auto wirft und dem ein kleiner Kater (gesprochen von Matthias Schweighöfer) begeistert hinterherrennt. Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer: Der schüchterne Stubentiger wurde von seinen herzlosen Besitzern ausgesetzt. Die Suche nach einem neuen Zuhause endet in einer unheimlichen Villa, in der der alte, liebenswert-spleenige Zauberer Lawrence (toll gesprochen von Dieter Hallervorden) mit allerlei wunderlichen Spielzeugen und verrückten Gestalten wohnt. Darunter: ein Glühbirnenmann namens Edison, der an Daniel Düsentriebs Helferlein erinnert, eine Holzballerina und ein Kaugummiautomat auf zwei Beinen.

Nicht alle der liebevoll animierten Bewohner des Hauses sind begeistert über den Neuzugang, der fortan Thunder gerufen wird: Die eifersüchtige Maus Maggie (gesprochen von Karoline Herfurth) und der miesepetrige Showhase Jack setzen alles daran, das Kätzchen wieder loszuwerden. So kommt es zu allerlei turbulenten Verfolgungsjagden, bei denen der Zuschauer auch immer wieder einmal die aufregende Perspektive einer der Helden einnimmt. Szenen, in denen sich Komponist Ramin Djawadi, der unter anderem die atemberaubende Filmmusik zu der Erfolgsserie "Game of Thrones" schrieb, bravourös austoben kann.

Als jedoch Zauberkünstler Lawrence im Krankenhaus landet und sein geldgieriger Neffe Daniel ihm in einem unachtsamen Moment eine Unterschrift zum Verkauf des Hauses abluchst, müssen sich alle zusammenraufen, um ihr geliebtes Zuhause zu retten. Von Kaugummikugelfeuer bis hin zur Kotattacke des bezaubernden Taubenpärchens Karle und Klärle ist den liebenswerten Außenseitern jedes Mittel recht, um mit den durchgeknallten Kaufinteressenten fertig zu werden.

Wenn der bunte Haufen letztlich auch noch zwei muskulösen Möbelpackern (gesprochen von Sascha Vollmer und Alec Völkel von The BossHoss) mit viel Magie und ein wenig Horror den Garaus macht, fühlt man sich liebevoll nicht nur an "Toy Story", sondern auch an "Kevin allein zu Haus" erinnert. Nur dass sich bei Thunder und Co. nicht für einen Moment jener kitschige Beigeschmack einschleicht, der so manche amerikanische Produktion etwas schal wirken lässt.

Quelle: teleschau - der mediendienst