One Chance - Einmal im Leben

One Chance - Einmal im Leben





Er will doch nur singen!

Vor mittlerweile sieben Jahren begeisterte ein schüchterner, dicker Mann mit schiefen Zähnen die ganze Welt, indem er eine bewegende Interpretation der Opernarie "Nessun dorma" im Fernsehen sang. Nach diesem Auftritt in der Talentshow "Britain's Got Talent" gewann Paul Potts nicht nur den Wettbewerb, sondern wurde schnell zum Opernsänger mit den weltweit meisten verkauften Alben. Auf YouTube wurde das Video von seinem ersten Vorsingen über 120 Millionen Mal geklickt, die Telekom benutzte das Ganze sogar für einen Werbespot. Dabei lief sein Leben bis zu seinem Durchbruch alles andere als einfach. Eine filmreife Filmgeschichte, entschied Castingshow-Juror Simon Cowell, der auch gleich als Produzent von "One Chance - Einmal im Leben" fungierte.

Früh verliebte sich der kleine Paul Potts (James Corden) in die Oper. Als Kind gehänselt, als Jugendlicher drangsaliert, als Erwachsener belächelt, bleibt dem Briten immer nur wenig: seine große Liebe Juls (Alexandra Roach), seine Idole - allen voran Pavarotti - und ihre Melodien. Als Handyverkäufer spart Paul Geld an, um in Venedig Operngesang zu studieren. Tatsächlich wird er angenommen und glaubt sich am Ziel - bis er vor Aufregung einen Auftritt vor seinem Idol Pavarotti vermasselt. Niedergeschlagen kehrt Paul in seine Heimat zurück, wo er sich über lange Zeit in einem normalen Arbeiterleben verliert. Bis er im Internet zufällig über eine Anzeige der neuen Talentshow "Britain's Got Talent" stolpert. Er wirft eine Münze, ob er sich bewerben soll ...

Letzteres tat der echte Paul Potts angeblich tatsächlich, der Rest entspricht nur zum Teil der Realität. Bei "One Chance - Einmal im Leben" handelt es sich keinesfalls um eine Biografie, sondern lediglich um eine fiktive Adaption, angelehnt an die wahre Geschichte. Fragt sich nur, ob das Leben des Paul Potts dann überhaupt so "filmreif" war, wenn Drehbuchautor Justin Zackham die Geschichte dann doch so dramatisch überspitzen muss. Bis zum großen Finale, für das die Originalaufnahmen aus dem "Britain's Got Talent"-Casting verwendet wurden, entfaltet sich "One Chance" als Brit-Komödie, bei der die meisten Witze allerdings im Zuge der deutschen Synchronisation verloren gehen. Hauptdarsteller James Corden, selbst im Comedy-Gebiet zuhause, ist froh über die Genrewahl: "Eine 90-minütige Klage über die Ungerechtigkeit der Welt will ja nun wirklich niemand sehen; die Leute gehen schließlich ins Kino, um der Realität zu entfliehen."

Besonders witzig sind die Szenen in Venedig geworden: Hier merkt man, dass Regisseur David Frankel ("Der Teufel trägt Prada") schon immer mal einen Film im Opernmilieu drehen wollte, wie er selbst sagt. Die Welt der Arien und hohen Töne wird herrlich majestätisch dargestellt und in ihrer peniblen Prätention gekonnt persifliert. Kameramann Florian Ballhaus kreiert eindringliche Kontraste zwischen der schillernden Opernwelt und dem tristen Arbeiteralltag. Auch vor der Linse ist Herzblut zu sehen: James Corden und Alexandra Roach ("The Iron Lady"), die übrigens von Meryl Streep persönlich für die Rolle vorgeschlagen wurde, verkörpern ein wirklich liebenswertes und tragisch-komisches Pärchen.

Nur geht bei aller Komik die Botschaft der Geschichte verloren: Zwischen all den skurrilen Szenen und halbwitzigen Dialogen kommt man gar nicht mehr dazu, ein Verständnis für das Schicksal des Protagonisten aufzubauen. Davon abgesehen macht "One Chance" eigentlich nichts falsch, bleibt aber auch nicht sonderlich im Gedächtnis. Dafür ist die Story letztlich doch zu plump und unspektakulär. Hätte man sich noch mehr auf die Liebesgeschichte zwischen Paul und Juls konzentriert, hätte das dem Film sicher gut getan. Denn die ist wirklich etwas Besonderes ...

Quelle: teleschau - der mediendienst