Paris um jeden Preis

Paris um jeden Preis





Schau heimwärts, Püppchen!

Traditionell ist die französische Filmkomödie nicht so wahnsinnig reich an bedeutenden Frauenrollen. Meist stehen die Männer, ihr Narzissmus, ihre Freundschaft und ihre amourösen Eskapaden im Mittelpunkt. So musste auch Reem Kherici viel Eigeninitiative beweisen, um endlich die Hauptrolle in einer Komödie spielen zu können: Obwohl gefeierte Fernsehkomikerin, waren für die Halbtunesierin in Lustspielen wie "OSS - Er selbst ist sich genug" bisher nur kleine Parts drin. Mit "Paris um jeden Preis" hat sie sich nun eine Migrations-Komödie auf den schönen Leib geschrieben, gespielt und auch gedreht. Für ihre Karriere könnte das eine Trendwende sein, für den gallischen Humor aber wohl nicht.

Die Überzeichnung steht Reem Kherici dabei am besten. Als sorgfältig gestylte Modedesignerin Maya hat sie in ihrem schicken Appartement in Paris die Qual der Wahl zwischen hunderten Schuhen, Pradataschen und schmückenden Accessoires. Samstags geht sie nicht aus, weil da nur Verkäuferinnen und andere "Innen" unterwegs sind, sondern nur in der Woche, und dann zu In-Partys und vom anderen Geschlecht bestens hofiert. Im Haute-Couture-Haus, für das sie arbeitet, bedenkt sie die leicht korpulente Praktikantin mit sehr offener Verachtung.

Klar, dass der riskante Stöckelschuh-Absatz als Fallhöhe gedacht ist, damit das arrogante Püppchen wieder Bodenhaftung kriegt. Bei einer Verkehrskontrolle stellt sich heraus, dass ihre Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen ist. Alles Sträuben hilft nichts: Die gebürtige Marokkanerin wird in ihr Heimatland abgeschoben. Wie soll sie jetzt mit Konkurrentin Emma (Shirley Bousquet) um die Festanstellung kämpfen, die Modehaus-Chef Nicolas (Stéphane Rousseau) in Aussicht stellt? Zudem bereiten ihr der abweisende Vater (Mohamed Bastaoui) und der zu gemeinen Scherzen aufgelegte Bruder Mehdi (Salim Kechiouche) nicht gerade einen netten Empfang. Maya will schnellstens nach Paris zurück - aber wie?

Für die leichte Muse ist das Thema eigentlich zu schwer. Für zu viele Menschen ist das Ringen um Visum, Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis in Frankreich (und nicht nur dort) ein Teufelskreis. Trotzdem versucht Reem Kherici Gags zu zünden und ihre Maya muss sie ausbaden. Sei es, dass dank ihres Bruders glaubt, das Elternhaus habe keine Toiletten und sie ihre Notdurft draußen unter dem Gespött kleiner Jungen verrichtet, oder sie darauf vertraut, Mehdi würde ihr helfen, illegal nach Paris zurückzukehren. Auf verletzende Weise vom Vater ignoriert, Dummchen für den Bruder, allmählich resignierend - will Reem Kherici ihre Maya einen Knicks vor dem Patriarchat machen lassen?

Wenn man liest, dass Khericis tunesischer Vater ihre Berufswahl hartnäckig missbilligt, ist man geneigt, im konservativen und heimatverbundenen Touch von "Paris um jeden Preis" ein kulturelles Versöhnungsgeschenk für den "Mann, mit dem ich seit 14 Jahren kein Wort geredet habe", zu sehen. Schließlich hat Maya keinen Sex - den überlässt sie ihren Pariser Freunden - , ihre Liebe zum netten Marokkaner Tarek (Tarek Boudali) ist lupenrein, und der Faltenwurf der Tuareq-Kleidung inspiriert sie zu einem himmlischen Kleid. Aber wenn Filme wie vertrauliche Botschaften abgefasst werden, fällt Außenstehenden das Mitlachen eben manchmal schwer.

Quelle: teleschau - der mediendienst