Words & Pictures - In der Liebe und in der Kunst ist alles erlaubt

Words & Pictures - In der Liebe und in der Kunst ist alles erlaubt





Im Club der großen Künste

Welches Medium vermag mehr auszudrücken an großen Emotionen, an tiefen Gefühlen? Eine präzise, ausgefeilte Sprache oder expressive Malerei? Darauf kann es keine eindeutige, keine wahrhaftige Antwort geben, sind Wort und Bild doch gänzlich unterschiedliche Ausdrucksformen. Auf diesem reichlich theoretischen Spannungsfeld siedelt der australische Regisseur Fred Schepisi seinen intellektuellen Geschlechterkampf "Words & Pictures - In der Liebe und in der Kunst ist alles erlaubt" an. Wobei Clive Owen und Juliette Binoche als unwilliges Lehrer- und künftiges Liebespaar ganz in der amüsanten Tradition widerspenstiger Filmpaare wie "Harry und Sally" stehen.

Jack Marcus (Clive Owen) ist Englischlehrer an einer Eliteschule, ein überaus eloquenter Literat mit großer Klappe und überschätztem Ego. Im Grunde ist er ein verkrachter Schriftsteller. Seitdem es mit dem Schreiben nicht mehr klappen will, ertrinkt er seine Defizite regelmäßig in Alkohol - auch deshalb will sein Sohn nicht allzu viel mit ihm zu tun haben.

Als eines Tages die kühle Kunsterzieherin Dina Delsanto (Juliette Binoche) als neue Lehrkraft an die Schule kommt, fühlt sich Marcus herausgefordert. Wie er hatte auch sie eine große Karriere vor sich, muss sich aber heute mit der Realität arrangieren - und mit rheumatischer Arthritis, die ihr das Malen immer mehr zur schmerzhaften Tortur macht.

Als glühende Vertreter ihrer jeweiligen Kunst lassen sich die beiden immer wieder zu wechselseitigen Provokationen hinreißen, stacheln sich und ihre Schüler zu Höchstleistungen an. Was folgt, ist ein kontinuierlicher, wort- und bildgewaltiger Schlagabtausch, bei dem der ruppig-charmante Autor Marcus immer leicht im Vorteil ist. Auch deshalb, weil die sonst so differenzierte Juliette Binoche bei ihrer Darstellung der unterkühlten Künstlerin zunächst nur wenige Facetten zeigen darf. Über ihre Kunst und ihren etwas albernen Wettstreit finden die Hauptfiguren langsam zueinander - und ein Stück weit auch wieder zu sich selbst.

Was diese romantische Screwballkomödie ausmacht, sind die vortrefflichen, überaus witzigen und boshaften Dialoge, die Drehbuchautor Gerald Di Pego ("Message in a Bottle") zu Papier gebracht hat. Nicht minder eindrucksvoll sind die farbgewaltigen Kunstwerke, die Juliette Binoche übrigens alle selbst gemalt hat. Dank ihrer virtuosen Schauspielkunst entwickeln Clive Owen und Binoche im Zuge ihrer eigenwilligen Annäherung eine schöne, nuancierte Chemie.

Umso störender ist die Tatsache, dass Fred Schepisi bei seiner Inszenierung so unentschlossen wirkt: Immer wieder verschiebt sich sein filmischer Fokus vom künstlerischem Konkurrenzkampf zur romantischen Liebesgeschichte und zurück. Wie dieser Wettkampf ausgehen wird, ist doch von Anfang an klar: unentschieden. Wenn es hier überhaupt einen Sieger gibt, dann die Liebe.

Quelle: teleschau - der mediendienst