Elaiza

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"Wir sind sehr ehrgeizig!"

Sie waren die Sensation des Abends: Beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest am 13. März setzte sich das zuvor unbekannte Berliner Trio Elaiza gegen namhafte Konkurrenz durch. Mit ihrem Folk-Pop-Song "Is It Right" verwiesen sie Bands wie Unheilig, The Baseballs und Santiano auf die Plätze und vertreten nun Deutschland am Samstag, 10. Mai (ab 20.15 Uhr live in der ARD), beim legendären Länderwettstreit. Natürlich waren Sängerin Elzbieta "Ela" Steinmetz (21), Bassistin Natalie Plöger (28) und Akkordeon-Spielerin Yvonne Grünwald (29) überwältigt von ihrem überraschenden Sieg. Doch inzwischen, das zeigt sich im Gespräch mit den Newcomerinnen, planen Elaiza bereits selbstbewusst ihre Karriere: Ihr Auftritt in Kopenhagen soll nur der Anfang sein.

Der erste Eindruck, den man als Fernsehzuschauer gewinnen konnte, täuscht indes nicht: Elaiza sind überschwänglich, unverkrampft und ähnlich unverbraucht wie einst Eurovision-Gewinnerin Lena. So lachen Ela, Natalie und Yvonne während des Gesprächs viel und häufig. Sie fallen sich ins Wort, ziehen sich gegenseitig freundschaftlich auf. Und Erfolgsdruck, so scheint es, kennt das quirlige Trio nicht. Elaiza wirken überraschend bodenständig.

Wie sie selbst ihre Chancen auf einen Sieg in Kopenhagen einschätzen? "Darüber denken wir nicht nach. Man weiß ja nie, wie die Leute abstimmen", winkt Yvonne ab. Nervosität, mit ihrem Song Deutschland zu vertreten? Fehlanzeige. Lampenfieber? Ein bisschen. "Aufgeregt ist man ja immer", räumt Yvonne ein. "Es ist natürlich ein größerer Auftritt als sonst, aber die Vorfreude überwiegt ganz klar." Nein, Elaiza lassen sich nicht verrückt machen - auch nicht durch die Dimensionen des Events: "Die Bühne soll ja 17 Meter breit sein. Insofern müssen wir mal schauen, dass wir uns nicht so weit auseinanderstellen, dass wir uns gegenseitig nicht mehr sehen können!" Und Sängerin Ela ergänzt, dass man versuchen werde, einfach man selbst zu sein und alles "nach Bauchgefühl zu machen". Die Lockerheit und der Elan, mit dem Elaiza ihren Auftritt angehen, sollte aber über eines nicht hinwegtäuschen: Dem Trio mangelt es nicht an Professionalität, Zielstrebigkeit und Selbstbewusstsein.

Gerade Sängerin und Hauptsongwriterin Ela, Tochter eines ukrainischen Musikers und einer polnischen Sängerin, wirkt bereits wie ein alter Medien-Profi - etwa wenn man sie nach ihrem musikalischen Werdegang fragt: "Meine Mutter erzählt immer wieder sehr gerne, dass ich mit den Songs von Queen eingeschlafen bin", erklärt sie lachend, nur um nach der Anekdote ihre Biografie herunterzubeten: "Mit fünf stand ich bereits auf der Bühne. Meine Mutter studierte erst Opern-, dann Jazzgesang und trat dann auch auf. Dann lernte sie meinen leiblichen Vater kennen, der war Gitarrist in einer Rockband. Ich war von Anfang an Musikerkind!" Ein anderer Beruf sei deswegen auch nie für sie in Frage gekommen, erklärt sie und berichtet stolz davon, dass sie bereits mit 16 als Songwriterin in den Berliner Valicon Studios arbeitete, "was ein bisschen schwierig war, denn ich pendelte immer zwischen dem Saarland und Berlin, wegen Schule und so. Meine Mutter meinte auch: Ela, mach wenigstens noch das Abitur!" Erneutes Lachen des Trios.

Aber auch wenn sie aufgrund ihrer Biografie und als Sängerin natürlich im Mittelpunkt des Interesses steht: Elaiza sind durchaus bedacht darauf, als gleichberechtigtes und gewachsenes Trio wahrgenommen zu werden. Nachdem sich die Sängerin und die Akkordeon-Spielerin in Berlin kennengelernt und gemeinsam musiziert hatten, suchte man lange Zeit nach einer Kontrabassistin, "um der Musik Tiefe, Groove und Rhythmus zu geben", wie Yvonne erklärt. Sie fand Natalie dann - auf ungewöhnlichem Weg: "Ein Freund, der Tonmeister ist, aber auch eine Spirituosenmanufaktur hat, hatte einen Luxusschnaps kreiert und mich zur Erstverkostung eingeladen. Und dort entdeckte ich Natalie auf einem Bild auf der Pinnwand - mit einem dicken Kontrabass."

Danach sei man schnell zusammengewachsen, erklärt Ela - erneut nicht ohne Stolz. Denn knapp bereits drei Monate nach ihrem ersten Konzert im Januar 2013 nahmen Elaiza ihre ersten Songs auf und produzierten eine Schallplatte mit acht Songs. "Wir sind sehr ehrgeizig", sagt die Sängerin auf die Frage nach der schnellen Bandfindung. "Vor allem aber sind wir drei Mädels mit starken Charakteren!" Und eben auch überraschend abgeklärt: Klar gebe es auch hin und wieder Streit, gibt die Sängerin zu, aber "die Musik steht zu sehr im Vordergrund, um Zeit mit irgendwelchen Zickereien zu verschwenden."

Elaiza lassen sich nicht beirren, so viel steht fest. Und dass sie schon jetzt eine starke musikalische Einheit sind, zeigt ihr bereits Ende März veröffentlichtes Debütalbum: "Gallery" überzeugt mit hübschen Folk-Pop-Melodien. Dass das Trio mit "Is It Right" auch Europa erobern kann, scheint nicht ausgeschlossen. Auch weil Frontfrau Ela dank ihrer Herkunft vielleicht eine Art Geheimwaffe ist - wenn man an die oft herbeigeschriebenen Punkteschiebereien zwischen benachbarten Ostblockstaaten denkt. Doch die Sängerin winkt ab. An eine Verbrüderung oder einen Vorteil will sie nicht glauben. Dennoch drückten alle dortigen Verwandten und Bekannten natürlich die Daumen: "Die freuen sich sehr", erklärt Ela. "Ich meine, wie verrückt ist das denn auch? Das ukrainische Mädchen steht für Deutschland im Finale! Die fiebern alle mit!" Und wenn's nicht klappt? Dann bricht für das Trio sicher auch keine Welt zusammen. Denn der Anfang ihrer Karriere wird sicher nicht das Ende sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst